In Westindien war der Besitz der Engländer und der Franzosen auf den Kleinen Antillen ungefähr gleich. Der Kampf entspann sich zunächst um strategisch besonders wichtige Inseln (Dominica, Sta. Lucia); später erstrebte Frankreich die Eroberung englischen Gebietes überhaupt, wohl in der Hoffnung, sich hier ein großes Kolonialreich schaffen zu können. Dieser Versuch ging auf Kosten des Kampfes in den europäischen Gewässern. Auf den großen Inseln würde Spanien das Übergewicht gehabt haben, da es Kuba, Portoriko und mit Frankreich gemeinschaftlich Haiti besaß, während England nur Jamaika gehörte. Es trat jedoch nicht kräftig auf. Verschiedene Pläne Frankreichs und Spaniens, zusammen gegen diese Insel vorzugehen, kamen nicht zur Durchführung, und England hatte anderwärts zu viel zu tun, um gegen spanische Besitzungen wirksam zu werden. Jamaika lag außerdem so weit in Lee des Hauptkriegsschauplatzes, daß die Gegner ungern eine größere Streitmacht dorthin führten. Spaniens Waffen machten sich nur in dem Gebiete östlich von Mississippi, das damals Florida hieß und in englischem Besitze war, sowie gegen die Bahamainseln fühlbar. Sein Auftreten war hier, wie in den europäischen Gewässern das Vorgehen gegen Gibraltar ein Ausfluß von Sonderinteressen, wodurch der gemeinsamen Sache nur Kräfte entzogen wurden.

Die Kriegsschauplätze Nordamerika und Westindien berührten sich, die Ereignisse auf beiden griffen ineinander. Nicht nur ihre Nachbarschaft bedingte dies, sondern auch die Wetterverhältnisse trugen dazu bei. Die Winterstürme setzten in den nördlichen Breiten den Unternehmungen der Seestreitkräfte eine Grenze, und in Westindien ließ man sie ungern während der Orkanzeit; so fanden sie je nach der Jahreszeit an der Küste der nördlichen Staaten, an der der südlichen oder in Westindien Verwendung. Deshalb fallen bei Schilderung der Kämpfe diese beiden Schauplätze zusammen.

In Ostindien hatte England seit dem letzten Kriege seine Macht wesentlich ausgebreitet und gestärkt. Es war aber ständig mit mächtigen eingeborenen Feinden beschäftigt, und Frankreich hätte bei Ausbruch des Krieges hieraus Nutzen ziehen können. Es tat dies nicht, während England sofort mit Erfolg über die französischen Besitzungen herfiel. Die Seestreitkräfte beider Parteien waren hier anfangs unbedeutend; von 1779 an erhielten die englischen das Übergewicht, und mit ihrer Hilfe wurden auch die holländischen Besitzungen genommen. Erst 1782 trat Frankreich überlegen auf (Admiral Suffren) und es folgte ein Kampf um die Seeherrschaft. Da die Ereignisse dieses Schauplatzes ganz für sich dastehen, können sie und mit ihnen die auf dem Wege nach Indien (Kapland) am Schlusse für alle Jahre zusammengefaßt betrachtet werden.

Die Einteilung für den Verlauf des Seekrieges wird nach vorstehendem diese sein:

Die europäischen Gewässer 1778. Die Franzosen vor dem Kanal.

Nordamerika und Westindien 1778/79. Der Feldzug der ersten französischen Flotte (d'Estaing).

Die europäischen Gewässer 1779/80. Bedrohung der englischen Küste durch die Verbündeten; Beginn der Belagerung von Gibraltar; die Festung versorgt (Rodney).

Westindien und Nordamerika 1780. Die zweite französische Flotte (de Guichen) in Westindien; erstes Auftreten Rodneys; die französische Hilfsarmee in Nordamerika.

Die europäischen Gewässer 1781. Gibraltar aufs neue versorgt (Darby); die Verbündeten vor dem Kanal; Eintreten Hollands in den Krieg.