Westindien und Nordamerika 1781. Die dritte französische Flotte (de Grasse) in Westindien; Kampf um die Chesapeakebucht und Fall von Yorktown.
Europa 1782. Die Verbündeten vor dem Kanal; der große Angriff auf Gibraltar; Howe rettet die Festung endgültig.
Westindien 1782. Rodney und de Grasse; der Krieg beendet.
Ostindien 1778–1783.
Die Rüstungen der Gegner. Frankreich bereitete den Krieg frühzeitig vor. Vom August 1775 an wurde zwischen Versailles und Madrid ein Briefwechsel über gemeinsame Rüstungen geführt und solche auf den Werften von Brest und Toulon sowie Cadiz und Ferrol begonnen. Vergennes' erste Sorge war, zu verhindern, daß England wie im Jahre 1755 vor Ausbruch des Krieges einen großen Schlag gegen den französischen Handel führe. Schon 1776 erhielt deshalb das kleine Geschwader, das jährlich in Brest zu Übungszwecken zusammentrat, den Befehl, seine Fahrten auf die Gewässer zwischen Ouessant und Finisterre zu beschränken und die Schiffe zu beobachten, die England in diesem Jahre gegen amerikanische Kauffahrer sowie Freibeuter kreuzen ließ. Im Jahre 1777 lag sogar in Brest eine Flotte von 15 Linienschiffen seeklar, um einer etwa an der Küste erscheinenden englischen entgegentreten zu können, und leichtere Schiffe kreuzten außerdem wie im Vorjahre. Diese Flotte hielt man jedoch auf der Reede fest, aus Furcht, daß schon ihr Auslaufen zu einer Kreuzfahrt Anlaß zum Kriege geben könne. Im August wurde ein Fahrzeug nach den Neufundlandbänken gesandt, um die Fischerflottillen zurückzurufen. Als die Nachricht von Saratoga eintraf und man sich zum Kriege entschloß, hatte Frankreich 48 Linienschiffe, 31 in Brest, 17 in Toulon, zur Indienststellung bereit; bei dem Versuche, auch Spanien zum Losschlagen zu bewegen, wurde diesem schon ein Plan zur Verwendung der vereinten Kräfte mitgeteilt. Vergennes hob hierbei nochmals hervor, daß der Druck der englischen Seemacht nicht länger zu ertragen sei.
Übergriffe der Engländer auf See. Die englischen Schiffe, die an Frankreichs Küsten kreuzten, gingen mit größter Rücksichtslosigkeit vor. Sie hielten alle Kauffahrer an und nahmen sie beim leisesten Verdacht auf Kriegskontrebande, deren Begriff sie weit ausdehnten, in Beschlag. 1777 und während der ersten Monate 1778, vor dem Ausbruch des Krieges, brachten sie gegen 130 Fahrzeuge mit einem Werte von 16 Millionen Franken auf. Sogar Kriegsschiffe hielten sie unter dem Vorwand an, sich vergewissern zu müssen, ob es tatsächlich französische wären, da die amerikanischen Freibeuter oft die französische Flagge zeigten. 1776 waren sogar englische Schiffe in ihrem Übermut durch die Formation des französischen Übungsgeschwaders hindurchgesegelt. Frankreich ließ sich alles dies gefallen, um nur den Bruch noch hinzuhalten. Die französischen Seeoffiziere waren darüber empört und klagten mit Recht, daß die Anmaßung der Engländer infolgedessen immer größer würde; verwunderlich ist, daß es nicht zu blutigen Zusammenstößen kam, denn die Schiffe beider Völker waren beim Begegnen stets[247] gefechtsklar. Die Empörung in Frankreich über die Schärfe des englischen Beobachtungsdienstes war übrigens ungerechtfertigt, denn man unterstützte die Amerikaner mit Kriegsmaterial und gestattete ihren Freibeutern den Aufenthalt in französischen Häfen.
Als jedoch Spanien noch nicht am Kriege teilnehmen mochte, mußte Frankreich allein seine weiteren Maßregeln treffen. Mit der Abberufung der Gesandten (März 1778) erging der Befehl zur Indienststellung der gebrauchsbereiten Schiffe. Im April schon konnten 12 Linienschiffe unter Vizeadmiral d'Estaing von Toulon nach Nordamerika auslaufen, in Brest waren im Juni 20 und im Juli 30 unter Lieutenant-General Comte d'Orvilliers segelfertig. Man hatte ferner in den vorangegangenen Monaten Truppen und Kriegsmaterial nach Westindien und vier Fregatten nach Isle de France gesandt; 30000 Mann hatte man in der Normandie zusammengezogen. Marschall de Broglie übernahm im Mai den Oberbefehl über dieses Heer unter dem Vorwande, mit ihm Übungen zur Klärung taktischer Fragen anzustellen. Frankreich war also gut gerüstet.
England dagegen hatte seit dem letzten Kriege versäumt, seine Seestreitmittel stets denen der vereinten beiden bourbonischen Königreiche überlegen zu halten, die vorhandenen Schiffe waren auch nicht so bereit, wie sie bei der Wahrscheinlichkeit eines Krieges hätten sein müssen, und die Vorbereitungen für den Kampf begannen zu spät. Schuld hieran wird dem Minister des Äußern, der die Nähe und Größe der Gefahr unterschätzte oder der inneren Streitigkeiten halber verheimlichte, sowie der Sorglosigkeit des Ersten Lords der Admiralität gegeben.
John, Earl of Sandwich, bekleidete diesen Posten von Januar 1771 bis März 1782. Für die Jahre 1776 und 1777 waren die Geldmittel der Marine nur soweit erhöht, als es der amerikanische Krieg und das Kreuzen in den europäischen Gewässern erforderte. Im November 1777 erklärte der Erste Lord im Parlamente auf eine Klage der Opposition über die zu geringe Stärke der Kanalflotte, er glaube nicht, daß Frankreich und Spanien feindselige Gesinnungen hegten, im übrigen seien in der Heimat 42 Schiffe in Dienst, 35 derselben bereit, sofort auszulaufen; er fühle sich zu der Erklärung berechtigt, daß man damit den Flotten des Hauses Bourbon gewachsen sei. Dies wäre, wie wir wissen, nicht der Fall gewesen, aber auch gegen Frankreich allein konnte man sich kaum behaupten. Als nämlich nach Abbruch des diplomatischen Verkehrs eine Flotte von 13 Linienschiffen unter Admiral Byron für Amerika in Dienst gestellt war und etwa 3 Schiffe unter den Admiralen Barrington nach Barbados, sowie Sir Peter Parker nach Jamaika segelten, fand Admiral Keppel die Kanalflotte bei Übernahme des Kommandos, nach seinem Ausdrucke mit „Seemannsauge gemustert“, recht schwach vor; bei einem ersten Auslaufen im Juni verfügte er nur über 21 und erst im Juli über 30 Schiffe.
Also nicht einmal eine Übermacht Frankreich allein gegenüber war vorhanden. Byron stand mit 13 Schiffen gegen d'Estaing mit 12; Keppel mit 30 gegen d'Orvilliers mit 32. Schiffe sowie Werften waren eben nicht in Ordnung; es sollen[248] (nach Campbell) Monate nötig gewesen sein, um das seit Jahren auf den Werften verrottende Material zu sichten, Masten und Raaen zu flicken. Auch der Mannschaftsmangel war groß, obgleich für 1778 vom Parlamente 60000 Mann (darunter 11000 Seesoldaten) für die Marine bewilligt waren. Da der Krieg noch nicht erklärt war, scheute man sich anfangs, zu scharfem Pressen zu schreiten, man wollte lieber die Rückkehr der Handelsschiffe aus allen Weltteilen im Frühjahr und Sommeranfang abwarten. Um wenigstens die Flotte Byrons bald seeklar zu machen, mußten Leute sowie Material von der Kanalflotte genommen werden. An Geldmitteln waren für 1778 fünf Millionen bewilligt; sie umfaßten die Kosten für Indiensthaltungen, Reparaturen sowie Neubauten und 1 Million Überschreitungen vom Vorjahre.