D'Estaings erfolgloser Angriff auf New York und Rhode-Island. Die Überlegenheit der französischen Flotte hätte zwar auch jetzt noch ausgenutzt werden können, aber d'Estaing war zu vorsichtig und zu langsam, fand dagegen in seinem Gegner einen umsichtigen, tatkräftigen und schnell entschlossenen Führer. Admiral Sir Richard Howe[139] hatte inzwischen seine sämtlichen Schiffe in der unteren Bucht von New York zusammengezogen, nur 4 Fregatten verblieben vor Newport an der Narragansettbucht. Brander wurden hergestellt und die nicht vollzähligen Schiffsbesatzungen durch zahlreich sich meldende Freiwillige der Transport- und Handelsschiffe sowie des Heeres aufgefüllt. Schiffer und Steuerleute von Kauffahrern liefen mit kleinen Fahrzeugen aus, um für New York bestimmte Schiffe zu warnen. Sobald die Truppen Clintons am 5. Juli nach der Stadt übergeführt waren, ließ der Admiral die Kriegsschiffe nach einem bereits aufgestellten Plane eine Verteidigungsstellung bei Sandy Hook einnehmen, die den Feind schon beim Einsegeln in die untere Bucht mit starkem, enfilierenden Feuer bedrohte und später die ganze eigene Kraft zur Verteidigung entfaltete.

Für Howes Stellung vor New York (vgl. Plan von New York, Seite [235]) genügt eine kurze Schilderung, da es nicht zum Kampfe kam; sie ist genau und lesenswert beschrieben in Elkins, Naval Battles. Der über die Barre in die untere Bucht führende Kanal für tiefergehende Schiffe läuft in der Richtung Ost-West rechtwinklig auf Sandy Hook zu und dicht unter dieser Landspitze vorbei. Howe erbaute auf ihr eine Batterie und legte seine Hauptmacht, 5 Schiffe zu 64 Kanonen, 1 zu 50 und einen armierten Transporter, von Sandy Hook nach Westen in Linie. Die Schiffe lagen jedoch nicht genau in Kiellinie, sondern ein jedes war etwas nördlicher verankert als sein Vordermann, und hatte vom Heck aus einen Anker querab Backbord-Bug ausgefahren. Die Franzosen konnten nur bei westlichem Winde in Kiellinie passieren und den Kanal westwärts hinaufsegeln, wenn dann die Engländer ihre Springankertaue festhielten und die Bugankertaue fierten, so schwoiten sie mit der Breitseite nach Osten und bestrichen sämtlich den Kanal, ohne sich gegenseitig im Feuer zu hindern. Die Franzosen konnten das Feuer nicht erwidern und mußten schwer leiden; gelang es ihnen trotzdem, querab von den Engländern zu kommen, so brauchten diese nur die Springankertaue loszuwerfen, um wieder die geschlossene Ost-West-Linie herzustellen, die an ihren Flügeln nicht umgangen werden konnte. Hinter der Linie lagen als Reserve ein 64-Kanonenschiff nebst einigen Fregatten; auf der Barre selber, etwa 2–3 Seemeilen von der Landspitze, war ein 50-Kanonenschiff nebst kleineren Fahrzeugen stationiert, um den Feind schon hier zu enfilieren und sich dann zurückzuziehen; mit gleicher Bestimmung lagen vier Galeren im Kanal querab von der Huk. Bei der großen Übermacht der Franzosen blieb aber die Lage der Engländer immer gefährlich, und sie mußten eines harten Kampfes, vielleicht der Vernichtung gewärtig sein, wenn der Gegner zum Nahkampf herangelangte.

Diese Vorbereitungen waren noch nicht beendet, als am 11. Juli die Nachricht vom Nahen der französischen Flotte eintraf, doch blieb Zeit genug, sie durchzuführen. D'Estaing hatte zwar die Absicht, seiner Instruktion entsprechend die englische Flotte zu suchen, war aber erst am 10. Juli von der Delawarebucht aufgebrochen und ankerte am 11. abends etwa 4 Seemeilen südlich von Sandy Hook unter der Küste, um den Angriff auf Howe einzuleiten. Hier trat er mit Washington in Verbindung, der gleichzeitig die Stadt New York angreifen wollte. Die Verhältnisse lagen also noch günstig genug, um das englische Heer zur Übergabe zu zwingen, aber d'Estaing glaubte, ohne Lotsen nicht in die Bucht von New York eindringen zu können. Erst am 16. Juli trafen solche ein, erklärten jedoch, daß ein Passieren der Barre für die schweren Schiffe mit einem Tiefgange von 23 bis 25 Fuß unmöglich sei, da man selbst unter den günstigsten Verhältnissen nur auf 22 Fuß Wasser rechnen könne. In den nächsten Tagen von ihnen unter Aufsicht französischer Offiziere vorgenommene Lotungen ergaben auch nur 22½ Fuß. Ein am 20. Juli zusammentretender Kriegsrat der Kommandanten, in dem den Lotsen ohne Erfolg 150 000 Francs angeboten wurden, beschloß, daß unter diesen Umständen sowie in Hinblick auf die starke Stellung der Engländer am Einfahrtskanal von einem gewaltsamen Eindringen abgesehen werden müsse, daß man sich dagegen im Verein mit dem amerikanischen Heere in Besitz der Stadt Newport mit der seemännisch und strategisch wichtigen Narragansettbucht setzen wolle. Washington hatte dies vorgeschlagen, falls der Plan gegen New York nicht auszuführen sei. Am 22. Juli zeigte sich die französische Flotte vormittags bei Sandy Hook, segelte aber nachmittags nach Süden ab; Howe ließ ihr kleinere Fahrzeuge zur Beobachtung folgen, da er zunächst nicht glaubte, daß sie den Angriff aufgegeben habe.

Englische Berichte über die Lage besagen, daß ein Eindringen durchaus möglich gewesen wäre. Infolge der Gezeiten sei vom 20. Juli an bei Flut genügend Wasser auf der Barre gewesen, am Nachmittag des 22. bei Springflut sogar 30 Fuß, und dabei habe der Wind aus günstigster Richtung zum Einsegeln geweht; spätere Beobachtungen haben festgestellt, daß genannte Wassertiefe bei Springflut gewöhnlich vorhanden ist. Schon daß Howe nach genauen Lotungen so vorsorglich seine Verteidigungsstellung einnahm, beweist, daß er ein Eindringen für möglich hielt. Wenn die Lotsen anderer Ansicht waren, so ist dies erklärlich, da sie bislang keine Gelegenheit gehabt hatten, mit so schweren Schiffen zu rechnen, weil nur kleinere englische Linienschiffe an der Küste stationiert gewesen waren; französische Angaben deuten allerdings auch an, es seien Männer gewesen, die nicht warm zur amerikanischen Sache hielten. Die englische Flotte hat am 22. mittags den Angriff sicher erwartet.

D'Estaing verlor so die zweite Gelegenheit zu einem durchschlagenden Erfolg. Er wählte nun südlichen Kurs, um den Angriff auf Newport vorläufig zu verschleiern, und setzte ihn bis zur Delawarebucht fort. Nachdem ihn hier die englischen Beobachtungsfahrzeuge verlassen hatten, steuerte er nach Norden und ankerte am 29. Juli drei Seemeilen südlich von Rhode-Island. Er drang auch in die Narragansettbucht ein, sah sich aber genötigt, sie wieder zu verlassen, ehe es ihm oder den amerikanischen Truppen gelungen war, die Insel Rhode-Island nebst der Stadt Newport zu nehmen und sich so festzusetzen.

Die Narragansettbucht an der Küste des Staates Rhode-Island wird nach See zu durch die Inseln Rhode-Island und Conanicut abgeschlossen, so daß drei Einfahrten entstehen. Die östlichste zwischen Rhode-Island und dem Festlande ist oberhalb genannter Insel nicht schiffbar; die mittlere zwischen den beiden Inseln ist die Haupteinfahrt und vereinigt sich oberhalb Conanicut mit der westlichen, die durch diese Insel und das westliche[263] Festland gebildet wird. Die Stadt Newport liegt auf der Westseite Rhode-Islands etwa 4 Seemeilen vom Anfang der Haupteinfahrt. Ihr innerer Hafen wird durch die kleine Goatinsel geschützt, deren Batterien mit denen auf Rhode-Island im Norden und Süden der Stadt die Haupteinfahrt bestrichen; auf Conanicut befanden sich kleine Werke zur Beherrschung der Westeinfahrt.

Die englische Stellung an der Narragansettbucht befehligte General Sir Robert Pigot, dem 5–6000 Mann, sowie 5 Fregatten, 2 Sloops und einige Galeren unterstanden. Als d'Estaing vor der Haupteinfahrt geankert hatte, erhielt er von dem amerikanischen General Sullivan, der auf dem Festlande östlich der Bucht stand, die Nachricht, er sei noch nicht zum Angriff bereit und erwarte noch Milizen. So ging die Überraschung verloren und der Admiral mußte sich zunächst auf eine Art Blockade beschränken, um das Entweichen der englischen Schiffe, sowie das Einlaufen von Unterstützungen zu hindern. Am 30. Juli sandte er 2 Linienschiffe unter dem Befehle des später berühmten Kapitäns Suffren in die westliche Einfahrt; sie ankerten am Nordende dieser Insel, kaum behindert von den Batterien auf Conanicut. Gleichzeitig drangen 2 Fregatten, sowie eine Korvette in die östliche Einfahrt und zwangen hier zwei englische Fregatten, eine Sloop sowie einige Galeren, sich zu verbrennen, da sie nicht entrinnen konnten. Pigot rief jetzt seine Truppen von Conanicut zurück und zog seine ganze Kraft um Newport zusammen. Am 5. August durchsegelte Suffren die westliche und ankerte am Nordende der Haupteinfahrt; an seiner Stelle übernahmen zwei weitere Linienschiffe die Sperrung der Westeinfahrt. Der bei Newport befindliche Rest der englischen Schiffe war nebst fünf Transportern somit eingeschlossen; man versenkte sie zur Sicherung des inneren Hafens bei der Goatinsel, doch nahm man vorher Geschütze nebst Munition an Land, und die Besatzungen, gegen 1000 Mann, verstärkten die Garnison. — Am 8. August erfuhr d'Estaing, daß Sullivan zum Angriff bereit sei; er lief nun mit den ihm verbliebenen 3 Linienschiffen, Schüsse mit den Befestigungen wechselnd, durch die Haupteinfahrt, ankerte an deren Nordende außerhalb des feindlichen Feuerbereichs in Linie und traf Vorbereitungen, sich durch Springanker mit den Breitseiten nach See legen und einen Angriff der englischen Flotte wirksam empfangen zu können. Sullivan führte in der Nacht vom 8./9. August 10 000 Mann nebst zahlreichen Feldgeschützen unter Deckung der dort liegenden Fregatten über die östliche Einfahrt nach dem Nordende von Rhode-Island und am 9. morgens landete der Admiral 4000 Soldaten sowie Seeleute auf Conanicut; dieses Landungskorps sollte hier formiert, etwas eingeübt und im gegebenen Augenblick zum gemeinsamen Angriff nach Rhode-Island gebracht werden. Das Wetter am 9. war nebelig, als aber die Sonne durchbrach, sah man die Schiffe vor der Westeinfahrt mit vollen Segeln in diese einlaufen; die englische Flotte war in Sicht. D'Estaing schiffte sein Landungskorps wieder ein und ließ die Schiffe quer zur Haupteinfahrt legen.

Admiral Howe hatte abermals schnell entschlossen gehandelt, auch war er inzwischen um vier Schiffe verstärkt. Am 26. Juli war ein 50-Kanonenschiff, zu seinem Geschwader gehörig, von Westindien eingetroffen, bald darauf stieß ein gleiches von Halifax zu ihm und am 30. Juli ein 74-Kanonenschiff; dieses war von Byrons herannahender Flotte im Sturm abgesprengt. Zwei Tage vorher war noch ein 64-Kanonenschiff von Halifax eingelaufen und hatte gemeldet, es habe die französische Flotte am 27. nach Norden steuern sehen. Alle diese Schiffe hätten also dem Feinde in die Hände fallen können. Howe faßte sofort den Entschluß, Newport zu entsetzen. Er war auch bereits am 1. August seeklar, konnte aber erst am 6. morgens die Barre bei Hochwasser passieren und erschien am 9. vor Rhode-Island. Seine Flotte zählte jetzt 1 Schiff zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 5 zu 50, 2 zu 44, 4 Fregatten, 3 Sloops, 3 Brander, 2 Mörserboote, 4 Galeren und einige Transporter mit Truppen, Proviant und Munition. An Zahl der Schiffe von 50 Kanonen aufwärts war er so dem Gegner gleich, aber dieser gebot doch über weit schwerere. Trotzdem hielt d'Estaing seine Lage für gefährlich, da die vorherrschenden südlichen Winde einen Angriff der Engländer, besonders ihrer Brander, begünstigten, als daher der Wind in der Nacht vom 9. auf 10. August ausnahmsweise aus NO wehte, ließ er um 7 Uhr morgens die Ankertaue kappen, ging in See und steuerte auf Howe zu. Die Fregatten in der Osteinfahrt blieben zurück, um Sullivans rückwärtige Verbindungen zu sichern. Der englische Admiral hatte sich am 9. für einen Angriff zu schwach gefühlt und wollte aus gleichem Grunde jetzt in der Leestellung, in der er seine Brander nicht verwenden konnte, nicht fechten; er wich aus. Fast zwei Tage vergingen nun mit Manövrieren. Am Nachmittage des 11. August wäre es beinahe zur Schlacht gekommen, aber ein Sturm trennte die Gegner und versprengte ihre Flotten.

Die Manöver der beiden Flotten. Howe steuerte beim Herauskommen der Franzosen südlich in der Hoffnung, daß der Wind bald wieder nach Süden drehen und ihm die Luvstellung geben würde; d'Estaing folgte, um den Kampf zu erzwingen. Der Wind blieb aber ostnordöstlich und der Morgen des 11. August fand beide Flotten über Steuerbordbug nach SO liegen, die französische im Nordosten der englischen. Howe wollte sich nicht zu weit von Rhode-Island abziehen lassen und bildete nachmittags die Schlachtlinie über Backbordbug mit nördlichem Kurse; es ist sehr bemerkenswert, daß er sein Flaggschiff verließ und sich auf einer Fregatte einschiffte, um im Fall des Kampfes seine Flotte besser leiten und so ihre Schwäche durch seine Geschicklichkeit ausgleichen zu können[140]. D'Estaing legte seine Flotte gleichfalls über Backbordbug (gegen 4 Uhr nachm.) und näherte sich nun schnell der englischen, da seine schweren Schiffe bei dem[265] zunehmenden Seegange besser liefen und er auch raumer steuern konnte. Er hat scheinbar beabsichtigt, an die englische Linie von hinten und von Lee aus heranzugehen, um so die Zahl der anzugreifenden Gegner bestimmen und auch seine untersten Batterien verwenden zu können; Howe ließ deshalb eng auf die Mitte schließen.