Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79 brachte in den nördlichen Staaten keine Ereignisse von Bedeutung. Washington war zwar dem von Philadelphia abziehenden englischen Heere gefolgt und hatte dann eine Stellung im Norden und Westen New Yorks bezogen, sah aber von einem Angriff auf die Stadt ab, als die französische Flotte ihre Unterstützung verweigerte. Er mußte seine ganze Kraft daransetzen, Rekruten zu werben, den Kongreß zu Maßregeln zu bewegen, um die Offiziere an die Fahne zu fesseln, und den Widerstand zu brechen, den ihm einige höhere Führer entgegensetzten. Der General hielt um diese Zeit die amerikanische Sache fast für verloren. Aber auch die englische Armee unternahm nichts von Bedeutung, und so kam es zwischen den Hauptheeren nur zu kleineren Zusammenstößen. An den Grenzen von Kanada verwüsteten von den Engländern aufgereizte Indianer und Loyalistentrupps die amerikanischen Gebiete. Auch 1779 änderte sich nichts; die Gegner lagen sich nur beobachtend gegenüber. Zu erwähnen sind einige Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte; sie waren gegen die Stellung Washingtons und gegen die Küstenstädte gerichtet, von denen die amerikanische Freibeuterei ausging.
Kleinere Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte (Näheres hierüber vgl. Campbell, Band V, Seite 490 ff.). Am 30. Mai 1779 ging eine Flottille von einem Linienschiff und vier kleineren Fahrzeugen unter Kommodore Sir George Collier — Befehlshaber der Station von der Abfahrt Byrons bis zum Eintreffen des Vizeadmirals Arbuthnot am 3. November — den Hudson hinauf und zerstörte die Forts Stoney Point und Verplanks Neck, die Washington an den beiden Ufern des Flusses zur Sicherung des Verkehrs zwischen den Staaten östlich und westlich des Hudson erbaut hatte. Washington sah sich dadurch gezwungen, seine Stellung weiter nördlich in das hüglige Gelände bei Westpoint zu verlegen. — Im Juli führte Collier eine Expedition gegen die Städte Newhaven, New London, Fairfield und andere an der Küste von Connecticut und vernichtete zahlreiche Freibeuterschiffe, die von hier aus den Verkehr New Yorks unsicher machten, sowie Arsenale und Magazine; einige Orte wurden völlig eingeäschert. — Ende Juli berannten die Amerikaner mit Land- und Seestreitkräften einen starken Posten, den die Engländer von Halifax aus an der Mündung des Penobscot, fast an der Grenze zwischen Maine und Neubraunschweig, angelegt hatten. Collier erschien am 13. August mit einem Linienschiffe, drei Fregatten und drei Sloops zum Entsatz. Die ganze dort befindliche amerikanische Flottille, 3 Schiffe von 24–32 Kanonen, 16 von 10-22 und eine große Zahl von Transportern, ward vernichtet.
In den südlichen Staaten erzielten die Engländer 1779 einige Erfolge. Wie man von New York Verstärkungen nach Westindien abgezweigt hatte, so hielt man im Norden die Winterruhe für geeignet, auch den im Jahre 1776 gescheiterten Versuch zur Unterwerfung der Kolonien Carolina und Georgia zu wiederholen. Am 27. November 1778 segelte Oberst Campbell mit einem Truppentransport von New York, begleitet von einer Fregatte und drei kleinen Fahrzeugen, unter Kapitän Hyde Parker; vier Wochen später ward Savannah (Georgia) in Besitz genommen. Gleichzeitig rückte General Prevost von der treugebliebenen Kolonie Florida vor, vereinigte sich mit Campbell, übernahm den Oberbefehl und vertrieb die Amerikaner aus ganz Georgia. Nun verstärkte der Kongreß die Truppen hier, und General Lincoln trat den Engländern entgegen. Er hinderte deren Vordringen in Carolina und zwang sie, von Charleston, wo sie am 11. Mai 1779 erschienen waren, auf Savannah zurückzugehen. Dann trat für die heißen Sommermonate Waffenruhe ein, bis im September d'Estaing mit der französischen Flotte und dem amerikanischen Heere eine erfolglose Belagerung Savannahs eröffnete, deren Verlauf später zur Darstellung gelangt.
Im Mai 1779 unternahm Kommodore Collier eine Expedition nach Virginien, wo die Amerikaner an den Küsten der Chesapeakebucht Material für den Seekrieg anhäuften. Er verließ am 5. Mai mit einem Linienschiff, einer Fregatte, einigen kleineren Fahrzeugen, sowie 2500 Soldaten New York und erreichte am 9. Hampton. Hier blieb das Linienschiff, während die anderen Fahrzeuge in die südlichen Flüsse der Bucht eindrangen. Norfolk und Portsmouth, die wichtigsten Plätze, wurden besetzt, aber auch der James- sowie der Yorkfluß heimgesucht. Eine große Zahl von kleineren Kriegsschiffen, Freibeutern und Kauffahrern, sowie Vorräte für die amerikanischen Heere fiel den Engländern in die Hände. Brauchbares ward mitgenommen, alles übrige sowie Magazine und Arsenale zerstört. Collier schlug vor, in Norfolk einen Waffenplatz zu errichten, um dem Gegner die Chesapeakebucht als Zufuhrweg zu verlegen, aber Clinton scheint das damals noch nicht für zweckmäßig gehalten zu haben. Er rief die erfolgreiche Expedition schon Ende Mai zurück, wahrscheinlich hielt er die obenerwähnten Vorstöße auf dem Hudson und an der Küste von Connecticut zunächst für wichtiger.
Mit der Eroberung Georgias und dem Einfall in Virginien setzte im Jahre 1780 in den Südstaaten seitens der Engländer eine Kriegführung in großem Maßstabe ein. Sie schloß mit der Übergabe des englischen Heeres bei Yorktown (Oktober 1781), und diese Katastrophe beendete den Krieg. Mahan urteilt hierüber (Clowes, Band III, Seite 442): „daß die Aufnahme des Kampfes in den Südstaaten falsch gewesen sei; es sei derselbe Fehler, aber in noch größerem Maße, begangen, den General Howe gemacht, als er 1777 nach dem Delaware zog. Man habe das so schon ungenügende Heer in zwei Teile gespaltet, die ohne unmittelbare Verbindung gewesen wären.“ Das Urteil ist richtig, denn die Verbindung war nur gesichert, solange England die See beherrschte, da am Lande der Feind zwischen den beiden Heeresteilen stand; die Seeherrschaft ward aber den Engländern mehrfach, und gerade in entscheidenden Augenblicken, mit Erfolg streitig gemacht.
Bemerkungen zu der Kriegführung in den nordamerikanischen Gewässern 1778. Bei der Beurteilung der Kriegführung in Europa (Seite 257) wurde dargelegt, daß England selber verschuldet hat, wenn seine Lage in Nordamerika durch das Erscheinen der französischen Flotte dort mißlich wurde. Einen weiteren Fehler beging es dadurch, daß es New York und Newport nicht durch Anlage von Befestigungen gegen jeden Angriff von See aus unbedingt sicherte, was bei der damaligen Beschaffenheit der Schiffe möglich war; man hätte sich dadurch sichere Stützpunkte für die eigenen Seestreitkräfte geschaffen, deren Aufgaben sehr vereinfacht und auch das Heer entlastet. Wie die Sache tatsächlich lag, hat England es nur der Wachsamkeit, Schnelligkeit und Erfahrung seines Admirals zu verdanken, daß es nicht folgenschwere Niederlagen erlitt.
Howe erkannte die drohende Gefahr im Mai, einige Wochen nachdem die französische Flotte Toulon verlassen hatte. Er mußte nun seine auf der ganzen Küste verteilten Schiffe sammeln, den Troß eines ansehnlichen Heeres einschiffen und den Delaware hinabführen, nach Sandy Hook segeln und die Truppen von dort nach New York bringen, endlich eine Verteidigungsstellung einnehmen. Er löste diese vielseitige Aufgabe, indem er alles persönlich überwachte und durch seine Gegenwart den Eifer wie die Leistungen der Offiziere und Mannschaften belebte; mit diesen Eigenschaften bildete der Admiral einen scharfen Gegensatz zu seinem Bruder, dem General. Er gewann seinem Gegner beständig Zeit ab. Vor dem Delaware war d'Estaing 10 Tage gegen ihn im Rückstande, bei Sandy Hook schon 12. Sobald dann die französische Flotte nach Süden segelte, ohne anzugreifen, ließ Howe sie beobachten und rüstete sich schleunigst zu ihrer Verfolgung; obgleich 6 Tage durch ungünstige Wind- und Gezeitenverhältnisse in New York festgehalten, erschien er doch nur einen Tag nach d'Estaings Einsegeln in der Narragansettbucht vor dieser.