Heck eines französischen Linienschiffes.
Die Linienschiffe. Schon im 17. Jahrhundert hatte Frankreich die Führung im Schiffbau übernommen. Hier beschäftigte man sich zuerst wissenschaftlich mit Untersuchungen über Stabilität und Manövrierkunst. Auf Anregung der Académie des Sciences in Paris nahmen hervorragende Gelehrte ein reges Interesse an der Theorie des Schiffbaues, und die Schiffbauingenieure wurden sorgfältig ausgebildet. Auch noch im 18. Jahrhundert benutzten die Engländer gern eroberte französische Schiffe als Muster bei ihren Neubauten und stellten sie stets in ihre Schlachtflotte ein, während die Franzosen erbeutete englische Linienschiffe nur als Begleitschiffe aufbrauchten. Die wissenschaftliche Behandlung des Schiffbaues führte zur Vergrößerung der Schiffe, um sie seefähiger zu machen, zur Verbesserung der Formen unter und über Wasser, um die Segelkraft zur Fortbewegung und zum Manövrieren besser auszunutzen; nach Theorie und Erfahrung wurden die Verhältnisse der Hauptmaße des Schiffskörpers und der Takelage zu einander festgesetzt. An Stelle der vollen Formen des Vorschiffes treten schärfere Linien; das Heck wird gefälliger und weniger massiv, doch verschwindet hier die eigentliche Schiffsform unter überreichem bildnerischen Schmuck, sowie den Anbauten, die zugunsten einer bequemen Ausgestaltung der Wohnräume für den Kommandanten und die Offiziere, selbst auf Kosten der Armierung, angebracht wurden.
Als ein Zeichen der allmählichen Vergrößerung der Schiffe sei erwähnt, daß die Franzosen in der Zeit nach dem ersten Kriege, in den Jahren 1748 bis 1756, Zweidecker bis zu 84 Kanonen bauten, während in England Schiffe zu 80 Kanonen bis 1760 noch Dreidecker waren; dann folgte man auch hier dem Beispiele und zwar nach dem Muster eines erbeuteten Fahrzeuges. Die Dreidecker blieben stets schlechtere Seeschiffe. Sie mußten oft bei starkem Winde oder schwerem Seegange die Pforten der untersten Batterie schließen und sind mehrfach, selbst im Hafen bei Bodenreinigungen, gekentert. Sie blieben jedoch gebräuchlich, namentlich als Flaggschiffe, da sie immerhin mächtige Gefechtseinheiten waren und Platz zur Unterbringung der Geschwaderstäbe boten.
In der Anordnung der Takelage war man schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts bei dem Linienschiffe fast zur vollendeten Vollschiffstakelung gelangt: drei Masten und ein weitausladendes Bugspriet mit einem kleinen Maste; an den Masten und am Bugspriet Raasegel, am Kreuz- (Besan-) Maste ein großes Lateinsegel; auch Oberleesegel wurden schon gefahren[10]. Im Laufe des Jahrhunderts erschienen nun der Klüverbaum und die Vorsegel, die den kleinen Mast auf dem Bugspriet verdrängten, jedoch es blieben noch Raasegel am Klüverbaum (bis 1790), sowie am Bugspriet (bis 1815), da sie einem entmasteten Schiffe etwas mehr Steuerfähigkeit verliehen; zwischen den Masten traten Stagsegel auf. Das Lateinsegel am Kreuzmast wurde zum Besan, indem der untere Teil der langen Raa wegfiel und das Segel hier am Maste befestigt wurde; später wird der Rest der Raa zur Gaffel und für den unteren Rand des Segels tritt der Besansbaum zum Ausholen hinzu. Jetzt wird es auch gebräuchlich, die Flagge, die bisher an einem Flaggstock am Heck gefahren wurde, an der Besansgaffel zu heißen. Um 1790 endlich waren Oberbramsegel, sowie Unter- und Bram-Leesegel ziemlich allgemein eingeführt.
Im vierten Abschnitt wurden Schiffstypen erreicht, die allen Anforderungen genügten, wie die Blockaden beweisen, mit denen die Engländer bald darauf jahraus, jahrein die französischen Häfen geschlossen hielten. Als ein auf der Höhe seiner Zeit stehendes Linienschiff sei der französische Zweidecker „Sans Pareil“ — 84 Kanonen, gebaut 1770 — abgebildet. Dieses Schiff soll vorzüglich see-, sowie manövrierfähig gewesen sein und konnte auch in schwerem Wetter die unterste Batterie gebrauchen; es wurde von den Engländern genommen und als Vorbild benutzt. Gleichzeitige 74-Kanonenschiffe sollen ebensogut gewesen sein.
Französisches Linienschiff „Sans Pareil“, 1770.
Die Fregatten. Bis 1745 hatte man im allgemeinen nur Linienschiffe, zu denen bis 1756 noch die 50-Kanonenschiffe rechneten, ferner Zweidecker mit 40 Kanonen, zuweilen und besonders in Frankreich als Fregatten bezeichnet, 20-Kanonenschiffe, auch Fregatten genannt, und noch kleinere Fahrzeuge. Dann entwickelte sich die wirkliche Fregatte; ein Schiffstyp von größerer Geschwindigkeit als Linienschiffe und Kauffahrer, von dem aber doch auch eine nicht unbedeutende Gefechtskraft verlangt wurde[11], um mit Erfolg als Aufklärungsschiffe der Flotten sowie im Handelskriege gegen Kaper dienen zu können. Die 40- oder 44-Kanonenzweidecker waren hierzu zu unbeholfen (diese Fahrzeuge wurden nach Einführung schwerer Fregatten ihrer Wohnlichkeit halber gern im Kolonialdienst verwendet), die 20-Kanonenschiffe zu schwach. Die neuen Fregatten führten ihre Hauptartillerie auf dem Hauptdeck, eingedeckt durch das Oberdeck, auf dem leichtere Geschütze standen. Etwa um 1748 wurden Fregatten mit 28 und 32 Kanonen gebaut, bald darauf auch solche mit 36. Sie führten bis 1780 nur 12-Pfünder in der Batterie, dann erhielten sie 18-Pfünder und es traten auch Schiffe mit 38 Kanonen hinzu; ganz schwere Fregatten mit 40–44 Geschützen erscheinen erst um die Wende des 18. Jahrhunderts.