D'Estaing erobert St. Martin, St. Barthélemy, St. Vincent und Grenada 1779. Die ersten Monate des Jahres verliefen ohne größere Ereignisse, obgleich die Seestreitkräfte auf beiden Seiten ansehnlich verstärkt wurden. Am 6. Januar traf Vizeadmiral John Byron[143] mit 10 Linienschiffen von Nordamerika in Sta. Lucia ein und übernahm den Oberbefehl; in der zweiten Hälfte des Februar führte ihm Kontreadmiral Joshua Rowley, der im Dezember England mit einem Konvoi Kauffahrer verlassen hatte, noch 7 Linienschiffe zu. Zu d'Estaings Flotte stieß am 12. Februar mit 4 Linienschiffen der Chef d'Escadre Comte de Grasse, der am 14. Januar von Brest abgesegelt war. Die Gegner waren zu dieser Zeit also annähernd gleich stark. Vorher hatte d'Estaing einen Erfolg gehabt. Am 11. Januar war er aufs neue vor Sta. Lucia erschienen, als aber seine Fregatten dort 15 Linienschiffe zählten und damit die Ankunft Byrons feststellten, ging er nach Martinique zurück, doch ließ er St. Martin und St. Barthélemy durch kleine Schiffe überrumpeln. Am 26. April traf eine neue französische Verstärkung von 2 Linienschiffen, 2 Fregatten sowie 3 Korvetten unter dem Chef d'Escadre Marquis de Vaudreuil ein; diese Division hatte schon im Dezember Brest verlassen, aber zunächst einen Vorstoß gegen die englischen Besitzungen in Westafrika gemacht.

Auch Byron war im Januar vor Fort Royal erschienen, um den Feind herauszulocken und ließ dann gegen französische Verstärkungen kreuzen; beides ohne Erfolg. Anfang Juni mußte er Sta. Lucia auf längere Zeit verlassen. Bei St. Christoffer hatte sich ein großer Konvoi von Handelsfahrzeugen gesammelt, für dessen sichere Abfahrt er verantwortlich war; mit Rücksicht auf die große französische Flotte begab er sich mit sämtlichen Schiffen dorthin.

D'Estaing erhielt hiervon Kenntnis und benutzte die Gelegenheit. Am 9. Juni sandte er 2 Linienschiffe, 2 Fregatten und 6 kleinere Fahrzeuge mit 400 Soldaten gegen St. Vincent. Am 17. traf die Expedition bei der Insel ein und bemächtigte sich leicht der Hauptstadt Kingstown. Wenn auch die englische Garnison von 7 Kompagnien nicht als schwach gelten konnte, so mußte doch der Gouverneur mit den Eingeborenen rechnen, die den Engländern feindlich gesinnt waren, und den Franzosen ihre Hilfe angeboten hatten. Am 27. Juni stieß nun noch eine dritte Verstärkung zur französischen Flotte, der Chef d'Escadre La Motte-Picquet, der am 1. Mai mit 4 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, 3 Fregatten und einem großen Konvoi von Transportern (Zufuhren für die Flotte und die Inseln) sowie Handelsschiffen Frankreich verlassen hatte. D'Estaing hielt sich jetzt für stark genug, größeres zu unternehmen. Ohne den angekommenen Schiffen nach der langen Reise Ruhe zu gönnen, ging er schon am 30. Januar mit seiner ganzen Flotte von 24 Linienschiffen in See, um den Hauptstützpunkt der Engländer, Barbados, anzugreifen; er hoffte, daß dann auch Sta. Lucia fallen würde. Da jedoch der Wind für den Kurs nach dieser Insel ungünstig war, bemächtigte er sich Grenadas. Am 2. Juli ankerte er vor Georgetown, setzte 1200 Mann an Land und nahm, auch hier persönlich führend, eine die Stadt beherrschende Höhe, nach der sich die nur etwa 70 Mann starke Garnison zurückgezogen hatte. Am 4. ward die Insel übergeben, eine Kriegssloop und 30 reichbeladene Kauffahrer fielen den Franzosen in die Hände.

Die Schlacht bei Grenada, 6. Juli 1779. Aber schon am 5. Juli erhielt d'Estaing die Nachricht, daß die englische Flotte St. Vincent passiert habe und herankomme. Byron war am 6. Juni mit dem Konvoi von St. Christoffer abgefahren, hatte ihn in Sicherheit gebracht und traf dann am 1. Juli in Sta. Lucia ein. Auf die Nachricht, St. Vincent sei gefallen und Grenada bedroht, ging er am 3. in See, um diese Insel zu schützen; von der letzten Verstärkung der Gegner wußte er noch nichts, von der vorletzten wahrscheinlich nichts Genaues. Am 6. morgens langte er an der Nordwestspitze Grenadas an und es kam noch am selben Tage zur Schlacht.

Die französische Flotte zählte nach Troude: 2 Schiffe zu 80 Kanonen, 11 zu 74, 7 zu 64, 4 zu 50 und einige Fregatten; die englische nach Clowes: 1 Schiff zu 90, 11 zu 74, 1 zu 70, 7 zu 64, 1 zu 60, 1 Fregatte als Signalwiederholer und 26 Transporter mit Truppen sowie Kriegsmaterial.

Als d'Estaing am 5. Juli das Nahen der englischen Flotte erfuhr, blieb er vor Anker liegen, um nicht bei den nur leichten östlichen Winden durch die Strömungen nach Lee vertrieben zu werden und so dem Gegner die Annäherung an die Insel preiszugeben. Erst als dieser am 6. morgens gegen 6 Uhr in Sicht kam, befahl er, die Schlachtlinie beim Winde über Backbordbug zu bilden; ein Schiff nach dem anderen lichtete Anker und nahm seinen Platz in der Linie ein. Barrington konnte in dem Knäuel der zu Anker liegenden Schiffe deren Zahl nicht feststellen, wollte die scheinbare Unordnung zum Angriff ausnutzen, befahl deshalb „allgemeine Jagd“ und richtete diesen Vorstoß besonders auf die noch still liegenden Schiffe. Seine eigene Flotte befand sich nicht in Gefechtslinie. Drei Schiffe unter Kontreadmiral Rowley waren zur Bedeckung des Konvois abgezweigt (s. Plan A. a.), da es an Fregatten mangelte; drei Schiffe standen ziemlich weit in Lee der anderen (b.); auf den Befehl zur Jagd eilten das Flaggschiff des Vizeadmirals Barrington, des Zweiten im Kommando, nebst zwei anderen der Flotte voraus (c.). Aus diesen Umständen erwuchsen große Nachteile. Die Voraussegelnden erhielten bei ihrer Annäherung enfilierendes Feuer von sämtlichen Franzosen, die sich in Linie setzten, konnten es kaum erwidern und wurden schwer beschädigt. Von der weiter segelnden französischen Linie, die mit der englischen Flotte beim Passieren sonst nur auf weite Entfernung Kugeln wechseln konnte, wurden die drei in Lee stehenden englischen Schiffe sehr mitgenommen (Plan A. zeigt die Lage gegen 8 Uhr vorm.). Infolge des nur leichten Windes erreichten Barringtons Schiffe die Bucht erst, als auch das letzte feindliche bereits unter Segel war; sie halsten nun und steuerten gleichfalls über Backbordbug zu Luward der französischen Linie entlang.

Grenada, 6. Juli 1779.

Byron sah jetzt, daß am Lande schon französische Flaggen wehten, er also zum Entsatz zu spät komme und vor allem an den Schutz des Konvois denken müsse. Er ließ seine übrigen Schiffe auf die Barringtons (B. c′) die Gefechtslinie regelrecht einrichten, um sich zwischen den Gegner und den Konvoi zu legen, und gab Befehl zum Nahgefecht. Die Linie wurde dadurch schneller gebildet, daß Rowley mit seinen drei Schiffen (oder nur mit zwei derselben?) nicht den voraussegelnden Kameraden folgte, sondern geradeswegs auf die französische Spitze zu hielt (a.-a′.) und diese angriff, wobei aber zwei Schiffe arg zusammengeschossen, das eine bei dem Versuch, sich vor die feindliche Spitze zu legen, fast zum Wrack wurde. Die in Lee stehenden englischen Schiffe hatten so gelitten, daß sie das Manöver nicht mitmachen konnten und beinahe bewegungsunfähig nach Süden trieben (b′.). (Plan B. zeigt die Lage gegen 1 Uhr nachm.) D'Estaing gab nun den Befehl, abzuhalten, um weiter in Lee die Linie besser zu ordnen, da einige Schiffe außerhalb dieser standen. Er erwartete dann einen neuen Angriff (C.-C.). Byron wagte einen solchen jedoch nicht, denn sieben oder acht seiner Schiffe hatten schwer gelitten (a′. b′. c′.), während die Franzosen in der Takelage kaum beschädigt waren, auch wollte er sich in der Nähe des Konvois halten, der sonst durch die feindlichen Fregatten gefährdet war; er blieb dicht am Winde liegen. So endete der Kampf um 1 Uhr nachm. und wurde auch nicht wieder aufgenommen.