Einige kleinere Ereignisse in Westindien sind noch zu erwähnen. Schon im September 1778 hatten sich die Franzosen von Cap Français aus der nahegelegenen kleinen Turk-Inseln bemächtigt, die von Engländern besiedelt waren. — Durch die Abfahrt d'Estaings erlangten diese die Überlegenheit und behielten sie auch, als im November und Dezember ein Teil der französischen Flotte von Savannah zurückkehrte. Hyde Parker verfügte in Sta. Lucia über etwa 17 Linienschiffe, während de La Motte-Picquet Mitte Dezember in Martinique nur 6 oder 7 hatte, von denen sogar einige zeitweise außer Dienst gestellt waren. Hyde Parker überwachte Fort Royal, und es gelang ihm, am 18. Dezember vor diesem Hafen einen Konvoi von 26 Transportern und Handelsschiffen zu überraschen und auseinander zu sprengen, der im Oktober mit nur einer Fregatte von Marseille gesegelt war. Er würde alle Fahrzeuge genommen oder vernichtet haben, wenn ihm nicht La Motte mit drei in aller Eile seeklar gemachten Linienschiffen kühn entgegengetreten wäre. Durch einen vierstündigen Kampf in der Bucht von Fort Royal, in den auch die Befestigungen eingriffen, ermöglichte dieser 12 Fahrzeugen das Einlaufen, 10 wurden vom Feinde genommen, vier gerieten auf den Strand und wurden verbrannt, doch hatte man die Ladungen retten können. — Am 21. Dezember nahm Admiral Rowley mit einer Division Linienschiffe bei Guadeloupe drei französische Fregatten, die mit Truppen von Savannah zurückkamen.

Spanien hatte durch Entsendung von zwei Geschwadern zu 6 und 10 Linienschiffen nebst Transportern mit Truppen und Kriegsmaterial im Februar und März 1779 die Stationen in Westindien schon vor der Kriegserklärung verstärkt. Wenige Tage nach dieser begann von Portoriko, Kuba und dem Festlande aus der Kleine Krieg; die Befehle hierzu müssen also schon längere Zeit vorher ergangen sein. Ihm trat Admiral Sir Peter Parker von Jamaika aus entgegen, obgleich er nur ein Linienschiff, ein 50-Kanonenschiff und 8 Fregatten oder Sloops zur Verfügung hatte. Er ließ sogar im Oktober den stark befestigten Ort Omoa an der Hondurasküste, einen Stützpunkt der Spanier für den Kleinen Krieg, nehmen; zwei Silbergaleonen und verschiedene Kauffahrer mit einem Gesamtwert von drei Millionen Dollars wurden dabei erbeutet. Die Spanier bemächtigten sich dagegen der englischen Handelsniederlassungen am Mississippi.

(Näheres über diese kleineren Ereignisse vgl. Campbell Band V, Seite 453, 503, 514; Chevalier II, Seite 155; Lacour II, Seite 326.)

D'Estaing vor Savannah. Der Kampf in den Südstaaten Nordamerikas war im Mai 1779 zum Stillstande gekommen; die Engländer unter Prevost hatten sich auf Savannah und Umgegend zurückgezogen, die Amerikaner unter Lincoln lagen in Charleston. Am 31. August 1779 erschien nun d'Estaing mit 21 Linienschiffen, 8 Fregatten und 3 Korvetten vor Savannah; später stießen 6 kleine amerikanische Kriegsfahrzeuge (zu 14–20 Kanonen) und 7 Galeren zu ihm. Er trat mit Lincoln in Verbindung, wollte aber nur wenige Tage an der Küste bleiben und versprach zunächst noch keine Mitwirkung. Als jedoch ein Sturm am 2. September mehrere seiner Schiffe beschädigte, glaubte er, daß ihre Ausbesserung zu lange dauern würde, um dann noch nach den Nordstaaten segeln zu können, und erklärte sich nun zu einem gemeinsamen Angriff auf Savannah bereit.

Doch Lincoln hatte nicht mehr auf die Flotte gerechnet und traf erst Mitte September ein. Durch diese Verzögerung gewann Prevost Zeit, seine Kräfte sämtlich in Savannah zusammenzuziehen, die Stadt besser zu befestigen sowie Schiffe in der Einfahrt zu versenken. D'Estaing landete am 13. September Truppen nebst Belagerungsmaterial, sandte kleinere Fahrzeuge den Fluß hinauf und forderte am 16. die Stadt zur Übergabe auf. Prevost jedoch lehnte ab; er war überzeugt, daß sich die feindliche Flotte in dieser Jahreszeit nicht mehr lange an der Küste halten könne. Schon die Landung machte wegen Mangels an geeigneten Fahrzeugen und der Unwissenheit der amerikanischen Lotsen große Schwierigkeiten. So bewilligte man den Engländern zunächst einen Waffenstillstand, und erst am 23. begannen die Belagerungsarbeiten unter d'Estaings Leitung. Da aber die Witterung immer ungünstiger wurde, so schritt man schon am 9. Oktober, zu frühzeitig, zum Sturme. Auch hier führte der Admiral in eigener Person, wurde verwundet und mit einem Verluste von 1200 Mann, von denen 63 Offiziere sowie 580 Mann auf die Franzosen fielen, abgeschlagen. Am 18. hob d'Estaing die Belagerung auf, deckte noch den Rückzug der Amerikaner, und traf dann die Vorbereitungen zum Inseegehen; hierzu wurde die Flotte schon am 28. Oktober durch einen Sturm gezwungen.

Die Rückfahrt der französischen Flotte gestaltete sich sehr ungünstig. D'Estaing segelte mit den 12 Linienschiffen, die er 1778 aus Toulon geführt hatte, nach Brest. Der Sturm sprengte sie aber derart auseinander, daß der Admiral nur mit 2 Schiffen am 7. Dezember dort ankam; zwei trafen am 9. ein, vier gingen über Cadiz nach Toulon, zwei erreichten Rochefort und eins Lorient, ein Schiff endlich lief beschädigt in Havanna ein. De Grasse war mit 7 Schiffen nach Haiti bestimmt, sollte aber vorher die Chesapeakebucht behufs Verproviantierung anlaufen. Diese Schiffe gingen aber fast alle geradeswegs nach Westindien; vier erreichten vereinzelt Anfang Dezember Martinique, zwei trafen über Cap Français später dort ein. Nur eins war zur Chesapeakebucht gesegelt und kam dann im Januar in Fort Royal an; es wurde von der Höhe Haitis an durch Engländer gejagt. La Motte-Picquet war mit 3 Schiffen nach Martinique bestimmt gewesen; diese ankerten dort einzeln zwischen dem 20. und 27. November. Die nach Westindien bestimmten Geschwader hatten die von den Inseln mitgenommenen Truppen (2–3000 Mann) an Bord; 4 Fregatten mit Soldaten fielen, wie wir schon hörten, am 21. Dezember dem englischen Admiral Rowley in die Hände.

So endete auch das letzte Unternehmen d'Estaings kläglich; der einzige unmittelbare Erfolg war die Wegnahme einiger Kriegs- und Handelsfahrzeuge vor Savannah. Aber es brachte doch einen strategischen Vorteil: das Aufgeben der wichtigen Narragansettbucht seitens der Engländer. Auf die Nachricht hin, daß die französische Flotte von Westindien zur amerikanischen Küste unterwegs sei, räumte Clinton fluchtartig unter Zurücklassen von Geschützen und Material Rhode-Island; durch die Expedition nach Georgien geschwächt, fürchtete er, die Stellung nicht halten zu können. Schon 1780 landeten die Franzosen in diesem „besten Hafen und Flottenstützpunkt an der nordamerikanischen Küste“ (Ausspruch des Admirals Rodney) ein Hilfskorps.

Rückblick auf den Krieg in Westindien 1778/79. Beide Gegner waren auf diesem Schauplatz bei Ausbruch des Krieges kaum vorbereitet, aber beide hatten dort tüchtige Männer an der Spitze. Der französische Gouverneur der Kleinen Antillen, Bouillé, erhielt Befehl, sich der Insel Dominica bei günstiger Gelegenheit zu bemächtigen, und tat dies sofort im August 1778. Der englische Admiral Barrington machte den Verlust durch die Eroberung Sta. Lucias wett. Beide Inseln waren zwar gut befestigt, aber nur schwach besetzt gewesen. Bei Sta. Lucia fällt dies auf, denn die Franzosen hätten leicht die Garnison verstärken können, wenn sie von der Einnahme Dominicas absahen. So gab es nur einen Austausch, bei dem aber wohl die Engländer gewannen.