Ein Irländer, Graf de Wall, wollte in Irland landen und hier eine Revolution erregen. Oberst Dumouriez, Kommandant von Brest (der spätere Sieger von Jemappes), schlug vor, 12000 Mann auf einer Flotte von Kriegsschiffen, aber ohne Transporter von Cherbourg nach Wight hinüberzuwerfen. Ein ehemaliger englischer Seeoffizier und Anhänger der Stuarts, Hamilton, legte mehrere Pläne vor, die verschiedene Punkte der englischen Küste im Auge hatten. Der schon erwähnte Entwurf des Grafen Broglie und andere mehr wurden wieder erwogen. Hier soll nicht näher auf sie eingegangen werden. Genaueres findet man in Lacour II, Seite 233 ff., wo auch der jetzige Plan erörtert ist.
Die französische Regierung, die schon seit 1776 mit Spanien über ein gemeinsames Vorgehen gegen England verhandelte, prüfte all diese Vorschläge. Bemerkenswert ist, daß Broglie sowie anfangs auch Vergennes nicht für ein gemeinsames Wirken, sondern für gleichzeitiges, aber getrenntes Vorgehen eintraten; sie wollten damit die umständlichen Vorverhandlungen sowie die Schwierigkeiten vermeiden, die sich der Kommandoführung verbündeter Streitkräfte erfahrungsmäßig entgegenstellen. Sie drangen nicht durch, aber ihre Bedenken erwiesen sich später als richtig. Zunächst nahmen die Verhandlungen so viel Zeit in Anspruch, daß der Vertrag erst am 12. April zum Abschluß kam; Spanien, dem mehr an der Eroberung Gibraltars und Minorkas gelegen war, wollte anfangs überhaupt nur Geldmittel beitragen, stellte dann aber doch wenigstens die Hälfte der gemeinsamen Flotte; auch stimmte man in Madrid für den Angriff auf Irland. Schließlich einigte man sich dahin, daß eine den englischen Streitkräften in den europäischen Gewässern überlegene Flotte gemeinschaftlich versammelt werden sollte und daß Frankreich ein Heer aufzustellen habe, um es auf Wight oder bei Portsmouth zu landen. Frankreich trieb zur Eile, um die versäumte Zeit wieder einzubringen, und nun wurde in beiden Ländern lebhaft gerüstet; Spanien war darin noch so weit zurück, daß es seine Kriegserklärung bis zum 16. Juni hinausschieben mußte, aber auch Frankreich wurde erst spät fertig.
Die Rüstungen waren allerdings sehr umfangreich. Jeder Staat bestimmte für die gemeinsame Flotte etwa 36 Linienschiffe; dabei hatte Frankreich mit den kürzlich nachgesandten Verstärkungen über 25 solcher in Westindien sowie einige in Toulon, und auch von Spanien war im März eine größere Zahl (16?) nach den Antillen sowie Mittelamerika gesandt. Man nahm an, mit über 60 Schiffen der feindlichen Flotte sehr überlegen zu sein und schätzte diese ganz richtig auf etwa 40 Linienschiffe. Obgleich in England für 1779 reiche Geldmittel — 4½ Millionen Lstrl., einschließlich der Neubauten — sowie 70000 Mann (einschließlich 17500 Seesoldaten) für die Marine bewilligt waren, standen für die heimischen Gewässer nur 43 Linienschiffe zur Verfügung, denn auch von hier waren im Winter und Frühjahr Verstärkungen nach den auswärtigen Stationen abgegangen, und andere Schiffe befanden sich als Konvoibegleiter oder als vereinzelte Ablösungen unterwegs; insgesamt hatte England etwa 93 Linienschiffe im Dienst (vgl. Tabelle Seite 224).
Frankreich zog bei St. Malo und bei Havre je 20000 Mann sowie die nötigen Transporter zusammen. Das Heer stand unter dem General Graf de Vaux, der am 21. Juni seine Instruktion erhielt. Nach dieser sollten sich die beiden Transportflotten bei Cherbourg vereinigen und dann bei Gosport, Portsmouth gegenüber, die Truppen landen; wenn dies nicht ausführbar sei, solle die Insel Wight besetzt, hier ein befestigtes Lager für 10 000 Mann eingerichtet werden, das Gros des Heeres nach Übereinkunft mit dem Chef der Seemacht eine Landung an geeigneter Stelle der Küste zwischen Wight und Bristol versuchen. Den Oberbefehl über die gemeinsame Flotte erhielt Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers und als Treffpunkt wurde die Insel Sisargas, westlich von Coruña bestimmt; schon bei Abschluß des Vertrages hatte Frankreich verlangt, die Vereinigung müsse so frühzeitig stattfinden, daß noch mindestens 14 Tage vor Beginn der Operationen zur Verfügung ständen, um die Ordre de Bataille aufzustellen sowie Übungen vorzunehmen. Ende Mai hielt man es in Versailles für die höchste Zeit, der eigenen Flotte den Befehl zum Auslaufen zu geben, damit sie nicht in Brest vom Gegner blockiert werde; da Spanien am 16. Juni den Krieg erklärte, durfte man annehmen, daß dieses gleichfalls bereit sei. So begannen im Juni die Bewegungen der großen Flotten, denn auch die englische zeigte sich in See; nach Keppels Rücktritt hatte Admiral Sir Charles Hardy den Oberbefehl erhalten.
In den ersten Monaten des Jahres fanden nur kleine Zusammenstöße zwischen einzelnen Schiffen oder kleineren Gruppen statt, wenn solche sich bei Ausübung des Handelskrieges oder bei Erkundungen begegneten. Hervorzuheben ist ein Versuch der Franzosen, sich der Kanalinseln zu bemächtigen. Am 21. April sollte eine Flottille kleinerer Kriegsschiffe Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann von St. Malo nach Jersey führen. Stürmischer Wind trieb sie zurück und ein Landungsversuch am 1. Mai scheiterte gleichfalls an den Wetterverhältnissen sowie am Widerstande der Engländer. Am 11. erschienen die Franzosen nochmals; jetzt waren aber überlegene englische Seestreitkräfte herangekommen, die nicht nur den Angriff zurückwiesen, sondern sogar die französischen Schiffe in der Cancalebucht fast sämtlich vernichteten. — Über die in diese Zeit fallenden kühnen Unternehmen des amerikanischen Freibeuterführers Paul Jones soll beim „Kleinen Kriege“ berichtet werden.
Hervorzuheben ist, daß die französische Regierung an sämtliche Kriegsschiffe Befehl erließ, die unter Kapitän James Cook auf einer Entdeckungsfahrt befindlichen Schiffe als befreundet zu behandeln, da ihre Tätigkeit allen Völkern zum Nutzen gereiche.
Die französisch-spanische Flotte an der englischen Küste 1779[144]. D'Orvilliers ging am 4. Juni mit 28 Linienschiffen von Brest nach Sisargas in See, 2 folgten etwas später. Als der Befehl zum Auslaufen eintraf, fehlten der Flotte noch 4000 Seeleute, an deren Stelle der Admiral die Matrosen anderer Schiffe in Brest sowie 2000 Soldaten an Bord nahm. Am 11. Juni traf er an der verabredeten Stelle ein, aber erst gegen Ende des Monats stießen 8 Spanier von Coruña zu ihm. Um diese Zeit trat auf der französischen Flotte eine Epidemie auf, die schnell um sich griff. Mitte Juli zählte man 500 Kranke am Lande in Coruña und 2000 Dienstunbrauchbare an Bord. Am 23. Juli endlich traf der spanische Oberbefehlshaber Generalleutnant Don Luis de Cordoba mit 28 Linienschiffen ein, aber es stellte sich heraus, daß man diesem erst ganz kürzlich von Paris ein französisches Signalbuch nach Cadiz gesandt habe; zur Übersetzung war jetzt keine Zeit mehr, und man mußte notdürftig ein gemeinsames Signalsystem zusammenstellen. Hiermit sowie mit Anordnung der Ordre de Bataille gingen mehrere Tage hin. Erst am 30. Juli konnte die Flotte den Marsch nach dem Norden antreten; sieben günstige Sommerwochen waren seit der Ankunft der französischen Schiffe verloren und die Hälfte ihrer Wasser- und Proviantvorräte war verbraucht. D'Orvilliers suchte in Paris darum nach, ihm Ersatz hierfür sowie Reserveankergeschirr nachzusenden, da die Flotte voraussichtlich an der englischen Küste wegen des oft eintretenden Nebels und wegen der Strömungen häufig werde ankern müssen.
Die Ordre de Bataille. Das französische Kontingent zählte: 2 Schiffe zu 110 und 114 Kanonen, 4 zu 80, 14 zu 74, 10 zu 64; das spanische: 1 Schiff zu 120, 6 zu 80, 23 zu 74, 2 zu 70, 4 zu 60. Diese 66 Linienschiffe waren eingeteilt in: 1. Die Hauptflotte unter d'Orvilliers; 3 Geschwader zu je 9 französischen und 6 spanischen Schiffen. 2. Das Beobachtungsgeschwader, 16 spanische Schiffe unter Cordoba. 3. Das leichte Geschwader, 3 Franzosen und 2 Spanier unter Lieutenant-Général de Latouche. Etwa 14 Fregatten und Korvetten sowie 9 Brander und Mörserboote waren auf die Geschwader verteilt; ein Hospitalschiff und einige Flüten mit Material folgten der Flotte. Die Segelordnung findet man in Lacour II, Seite 261; die Namen der Schiffe, auch die der englischen, führt Campbell Band V, Seite 466 an.
Admiral Hardy[145] ging am 16. Juni von Portsmouth mit dem Befehle in See, zwischen 25 und 50 Seemeilen südwestlich der Scilly-Inseln zu kreuzen. Er führte 35 Linienschiffe der Kanalflotte — 9 zu 90–100 Kanonen, 22 zu 74, 4 zu 64 —, 7 Fregatten, 6 Brander und einige kleinere Fahrzeuge; der Rest der Kanalflotte, etwa 8 Linienschiffe, befand sich in den Haupthäfen oder kreuzte an der französischen Kanalküste.