Die unter Admiral Digby nach England segelnden Schiffe stießen am 23. Februar auf 15 französische Transporter, die unter Bedeckung durch 2 Linienschiffe und eine Fregatte nach Ostindien unterwegs waren. Drei Transporter sowie das Schiff des ältesten Kapitäns, der sich mutig opferte, wurden genommen, die anderen entkamen während der Nacht.
Cordoba rührte sich weder während des langen Aufenthalts der Engländer vor Gibraltar noch bei deren Rückfahrt durch die Straße. Er mochte wohl seinen, zur Zeit noch teilweise beschädigten Schiffen nicht allzuviel zutrauen. Nach der Vernichtung Langaras konnte er auch nicht mehr mit Überlegenheit auftreten, zumal das Geschwader Gastons erst am 23. Februar eintraf; es hatte schweres Wetter in der Biskaya gehabt und längere Zeit in Ferrol behufs notdürftiger Ausbesserung gelegen.
Der Befehlshaber der vier französischen Schiffe bei der spanischen Flotte äußerte sich sehr absprechend über diese. Die Besatzungen seien ungeschickt in der Bedienung der Schiffe und die Offiziere unerfahren, aber auch nachlässig im Segeln in großen Verbänden. Auch für Cordobas Tatkraft spricht nicht gerade die Erzählung eines spanischen Autors: Nach diesem traf die Meldung, daß die Engländer Gibraltar wieder verlassen hätten, den Admiral in der Kirche. Er sagte: „Es ist gut! Geduld. Gott will es. Diesmal haben die Engländer Glück, ein anderes Mal werden wir es haben.“ Ein Epigramm jener Zeit nannte ihn „el gran santulario“.
Rodneys Sieg erregte in England große Freude. Der Erste Lord schrieb ihm, er habe mehr Linienschiffe genommen als in irgendeiner Schlacht der beiden letzten Kriege erbeutet worden wären. Der Admiral schrieb seinen Erfolg dem Umstande zu, daß ein Teil seiner Schiffe gekupfert und dadurch imstande gewesen sei, den Gegner einzuholen und festzuhalten. Er legte deshalb der Admiralität ans Herz, diese Maßnahme schnell allgemein durchzuführen, und der Erste Lord antwortete ihm: „Ich höre Sie laut nach gekupferten Schiffen rufen und bin entschlossen, to stop your mouth; you shall have copper enough.“ Die Kupferung wurde dann auch beschleunigt.
Der weitere Verlauf des Krieges in Europa 1780. Die Versorgung Gibraltars blieb der einzige englische Vorstoß in diesem Jahre, ja das einzige hervortretende Ereignis überhaupt, obgleich es schon im Februar zu Ende war, also zu einer Zeit, in der sonst die großen Unternehmungen kaum begannen. England, seiner Sorge um Gibraltar ledig, hielt die schwachen Streitkräfte, 43 Linienschiffe, in den nördlichen Gewässern zurück und auch die Verbündeten unternahmen nichts Ernstes, obgleich sie in Cadiz über eine große Zahl von Schiffen verfügten, im Herbst sogar über eine ungeheure Macht. Die Bewegungen der Gegner seien hier kurz dargestellt.
Der englische Admiral Francis Geary, der im Mai für den verstorbenen Admiral Hardy die Kanalflotte übernommen hatte, trat am 8. Juni mit 30 Linienschiffen eine Kreuzfahrt zum Schutze des Handels im Kanal an. Anfang Juli stieß er auf einen französischen Konvoi von 30 nach Westindien bestimmten Kauffahrern, konnte aber wegen einbrechender Nacht und aufkommenden Nebels nur 12 von ihnen nehmen. Am 18. August war diese Fahrt beendet und bald darauf ging der Oberbefehl auf Vizeadmiral George Darby über, der ihn auch während des Jahres 1781 führte. Von nun an kreuzten einzelne Kriegsschiffe, kleinere Verbände, sowie zahlreiche Kaper im Kanal und hinunter bis zur portugiesischen Küste.
Die Verbündeten zogen stärkere Streitkräfte in Cadiz zusammen; Frankreich suchte Spanien zu einer entscheidenden Unternehmung zu bewegen, aber dieser Staat versteifte sich auf die Belagerung von Gibraltar. Das einzige, wozu er sich verstand, war die Entsendung des Admirals Don Josef de Solano mit 12 Linienschiffen, einigen Fregatten, sowie gegen 12000 Mann nebst starkem Artilleriematerial auf 83 Transportern Ende April nach Westindien. Auch dann blieb Cordoba noch 29 Linienschiffe stark und Gibraltar war von Algeciras aus durch 5 solcher unmittelbar blockiert. Da zu diesen noch 8 oder 9 französische zu rechnen sind und im Juli weitere 5 von Brest eintrafen, so verfügten die Verbündeten schon Mitte dieses Monates hier über eine große Flotte.
In Brest behielt Frankreich das ganze Jahr über 12–15 Linienschiffe unter Lieutenant-Général Du Chaffault als ein Beobachtungsgeschwader; dies ist jedoch niemals vereint in See gegangen, sondern ließ nur einzelne Schiffe kreuzen.
Cordobas Unternehmungen blieben aber ganz auf die südlichen Gewässer beschränkt. Erst im Juli erhielt er den Befehl, mit einer größeren Macht in See zu gehen; er sollte zwischen Kap St. Vincent und Vigo bis auf 150 Seemeilen von der Küste entfernt kreuzen, um dem Treiben englischer Kriegsschiffe und Freibeuter ein Ende zu machen, die zwischen Ferrol und Cadiz die Verbindung fast ganz unterbrochen hatten und den französisch-spanischen Handel störten. Am 31. Juli lief er mit 22 Schiffen aus und hatte das Glück, am 8. August auf 36° 40′ nördlicher Breite und 15° Westlänge (Greenwich) einen englischen Konvoi von 67 Fahrzeugen zu treffen, die nach Ost- und Westindien bestimmt und durch ein Linienschiff sowie zwei Fregatten gedeckt waren; nur die Kriegsschiffe und 12 Handelsschiffe entkamen, mit 55 Prisen im Werte von 1½ Millionen Lstrl. und 2865 Gefangenen lief Cordoba am 29. August wieder in Cadiz ein. Der Schlag traf England um so härter, da ein Teil der Schiffe mit Zufuhren für die Truppen und Schiffe in den Kolonien beladen waren. Dies blieb aber auch der einzige Erfolg der Verbündeten, obgleich Frankreich den Vizeadmiral d'Estaing nach Spanien sandte, um mehr Tatkraft in die Kriegführung zu bringen.
D'Estaings Mission in Spanien. Der Vizeadmiral traf im Juni 1780 in Madrid ein und versuchte mit Unterstützung des französischen Gesandten dahin zu wirken, daß man die große Flotte nicht nur im Dienste der Belagerung von Gibraltar belasse, in dem sie nach französischer Ansicht überhaupt nichts Ausschlaggebendes nützen könnte. Aber lange Verhandlungen hatten keinen Erfolg. D'Estaing traf dann am 26. September in Cadiz ein, begab sich von dort in das Lager von Gibraltar, fand die Aussicht auf eine erfolgreiche Berennung der durch ihre Lage fast uneinnehmbaren Stadt sehr gering und ward in seiner Ansicht noch bestärkt, daß die Flotte hier nichts nützen könne. Er trat lebhaft für deren anderweitige Verwendung ein, beispielsweise zu einem Angriff auf Minorka, aber wieder vergeblich. — Er hatte Befehl, nach Eintreffen der französischen Streitkräfte von Westindien, die für die zweite Hälfte des September nach Cadiz beordert waren, die Gesamtflotte Frankreichs nach Brest zu führen, falls Spanien bis dahin nicht einer anderen Verwendung zugestimmt habe.