Die drei Gefechte bei Martinique 1780. Schon am 2. April zeigte sich Rodney vor Fort Royal, da Guichen aber nicht aus dem Hafen kam, ging er nach Sta. Lucia zurück und ließ den Feind durch Fregatten beobachten. Der französische Admiral war mit dem Gouverneur de Bouillé, der sich mit 3000 Mann auf der Flotte einschiffte, übereingekommen, bei günstiger Gelegenheit unbemerkt in See zu gehen, zunächst einen nach St. Domingue bestimmten Konvoi eine Strecke nach Norden zu geleiten und dann den Angriff auf die englischen Inseln zu beginnen. In der Nacht des 13. April verließ die französische Flotte den Hafen, aber die englische folgte sofort. Schon am 16. sichteten sich beide in Lee der Insel Martinique; die englische kam von Südosten heran, als die französische gegen Nordostpassat auf den Kanal zwischen Martinique und Dominica zu aufkreuzte.
In den nun folgenden Manövern zur Gewinnung der Luvstellung hatten die Engländer den Erfolg für sich. Bei Tagesanbruch am 17. April stand die englische Flotte etwa 12 Seemeilen östlich der französischen, und etwa 20 Seemeilen westlich vom Eingange des genannten Kanals erfolgte die erste Schlacht. Sie blieb unentschieden, ist aber bemerkenswert für die Geschichte der Seetaktik. Rodney versucht in ihr, abweichend von der bisherigen Angriffsart, einen Teil des Gegners überlegen anzugreifen; es mißlingt jedoch, da seine Untergebenen die Absicht nicht verstehen. Sie wurde dann in alter Weise zu Ende geführt und brachte die bekannten Folgen: Die Engländer standen nach dem ersten Zusammenstoß wegen der Beschädigung der Schiffe von weiterem Kampfe ab, und auch der französische Admiral drang im Hinblick auf den einschränkenden Zusatz zu seiner Instruktion nicht auf seine Fortsetzung bis zur Entscheidung.
Martinique, 17. April 1780.
Die erste Schlacht bei Martinique am 17. April 1780[150]. Bei Tagesanbruch lag die französische Flotte unter östlichem Winde in Kiellinie über Steuerbordbug mit etwa SSO-Kurs, die englische steuerte über Steuerbordbug nördlich. Rodney stellte die über Nacht etwas verloren gegangene Ordnung her und schloß die Entfernungen zwischen den Schiffen von zwei auf eine Kabellänge. Beide Flotten steuerten also einen parallelen, aber nahezu entgegengesetzten Kurs; es war für die zu Luward stehenden Engländer Gelegenheit, sich mit ihrer enggeschlossenen Linie überwältigend auf die hintere Hälfte der etwas auseinandergezogenen französischen zu werfen und diese niederzukämpfen, ehe die vordere Hälfte wenden und zur Hilfe herankommen konnte. Dies war Rodneys Absicht. Er machte sie um 8 Uhr vormittags durch Signal bekannt — bereits früher scheint er durch Zusätze zur Gefechtsinstruktion derartige Manöver vorbereitet zu haben. Um 8½ Uhr kommandierte er dann „Linksum“ und hielt mit vollen Segeln in Dwarslinie auf den Gegner zu.
Guichen erkannte die Gefahr und ließ alle Schiffe zugleich halsen, so daß der Stoß nur die vordere Hälfte getroffen haben würde, der die hintere leicht Unterstützung bringen konnte. Rodney bildete darauf die Kiellinie über Steuerbordbug, um sein Manöver am anderen Ende der feindlichen Linie zu versuchen (vgl. Plan, Lage 1). Er öffnete jetzt zwar die Abstände wieder auf 2 Kabellängen, blieb aber immer noch geschlossener als der Gegner; die beiden Flotten lagen nun von neuem auf entgegengesetzten Kursen. Um 10¼ Uhr war Rodney mit seinem Flaggschiff querab von dem de Guichens, gab Befehl, mit allen Schiffen zugleich zu halsen, und ließ, als dies geschehen und die Linie wieder gut ausgerichtet war, etwa um 11 Uhr mehr nach Backbord, also schräg auf den Feind zu, steuern. Um 11¾ erfolgten schnell hintereinander die Signale: „Gerade auf den Feind abhalten; ein jedes Schiff auf seinen Gegner in der feindlichen Linie (dies war ein Signal gemäß seines Zusatzes zur Gefechtsinstruktion); Nahgefecht.“ Rodney nahm dabei an, daß die Admirale und Kommandanten seiner um 8 Uhr bekanntgegebenen Absicht entsprechend das Schiff angreifen würden, das ihnen „augenblicklich“ in der feindlichen Linie gegenüberstand.
Jetzt aber machte sich das Kleben am bisherigen Brauch, an dem buchstäblichen Befolgen der Gefechtsinstruktion, geltend. Der Kommandant des Spitzenschiffes, Kapitän Carkett, glaubte, er müsse das feindliche Spitzenschiff angreifen, steuerte auf dieses zu und zog seine drei Hintermänner einschließlich des Admirals der Vorhut, Hyde Parker, hinter sich her. Diese 4 Schiffe eröffneten gegen 1 Uhr nachmittags das Feuer, zunächst auf weitere Entfernung; die übrigen führten den Angriff richtiger aus, besonders die drei letzten der Vorhut, obgleich sie von ihrem Admiral den Befehl erhielten, in der Linie zu bleiben und ihm zu folgen. Es scheint demnach, als ob auch Hyde Parker die Absicht des Flottenchefs nicht verstanden habe. Rodney griff mit dem Flaggschiff etwas nach 1 Uhr in nächster Nähe an. Er war auf das zweite Schiff (64 Kanonen) hinter dem feindlichen Flaggschiffe gestoßen, trieb dies aus der Linie und ebenso das folgende, das die Lücken schließen wollte (Plan, Lage 2). Wohl während des Kampfes den Weichenden etwas nachdrängend, sah er sich plötzlich um 2½ Uhr in Lee der feindlichen Linie und deren Flaggschiff zu Luward; er rief seine beiden Vordermänner zur Unterstützung näher heran.
So wurde der Kampf an dieser Stelle ziemlich heiß, und Guichen gewann den Eindruck, daß Rodney hier durchbrechen wolle. Dies ist indes kaum anzunehmen, da die Engländer bisher nicht viel vom Doublieren hielten; Rodney war wohl nur durch Zufall nach Lee geraten. Guichen gab deshalb gegen 4 Uhr den Befehl, mit allen Schiffen zugleich zu halsen, um den Durchbruch zu verhindern und weiter in Lee aufs neue Stellung zu nehmen. Da das Manöver ziemlich viel Raum erforderte, faßte Rodney es als Rückzug auf, er folgte aber nicht, wohl weil die Ordnung seiner Linie gestört war und das Flaggschiff sehr gelitten hatte; es hatte Fockmast sowie Großraa verloren und 80 Schüsse in den Rumpf erhalten, von diesen 3 unter Wasser, so daß es während der nächsten 24 Stunden nur mit Mühe flott erhalten werden konnte. Der Kampf fand um 4¼ Uhr nachmittags sein Ende und die Flotten trennten sich.