Die Verluste bezifferten sich englischerseits auf 120 Tote und 354 Verwundete, französischerseits auf 222 bzw. 537. Die englischen Schiffe waren in der Takelage wesentlich mehr beschädigt als die französischen.
Soweit die Schilderung, die besonders auf englischen Angaben, Berichten und Auslassungen Rodneys beruht, da die französischen sehr dürftig sind. Rodney erklärte später, diese Schlacht sei die beste Gelegenheit seines Lebens für einen großen Schlag gewesen; sein Plan würde Erfolg gehabt haben, wenn er richtig durchgeführt worden wäre. Er war mit seinen Untergebenen sehr unzufrieden und lobte nur 5 Kommandanten: seinen Flaggkapitän, die Führer der drei Vorhutschiffe und einen Kommandanten der Nachhut, der wie er selber nahe an den Feind herangegangen war. Dem Führer des Spitzenschiffes sowie dem Admiral Hyde Parker warf er die bereits hervorgehobenen Fehler vor, allen übrigen, daß sie ihre Schiffe nicht scharf genug ins[303] Gefecht gebracht hätten. Auch Admiral Rowley traf sein Vorwurf, die Signale nicht genau befolgt zu haben.
Dies verhielt sich so: dem Schiffe der Nachhut, das dicht herangegangen war, hatte beim Aufdrehen zum Kampfe das Ruder versagt und es war über den falschen Bug zum Gefecht gekommen. Als darauf einige Franzosen wendeten, tat Rowley das gleiche. (Alle diese Schiffe legten sich übrigens bald wieder über Backbordbug.) Hierin sah Rodney einen Fehler, Rowley wandte aber ganz richtig dagegen ein, daß er mit seinem Manöver der Weisung entsprochen habe, wonach der Hauptangriff auf den hinteren Teil der feindlichen Linie gerichtet werden sollte. Rodneys Darlegungen wurden zwar nicht veröffentlicht, aber doch durch Privatbriefe und Gespräche bekannt. Der Kommandant des Spitzenschiffes, Kapitän Carkett, schrieb daraufhin an den Admiral, und dessen Antworten geben neben seinen Berichten genauen Aufschluß über seine Absicht; man ersieht aus ihnen auch, daß eben Mangel an Verständnis im englischen Offizierkorps den Plan des Admirals vereitelte. (Vgl. Clowes III, Seite 460 ff.)
Nach der Schlacht segelte Guichen nach Guadeloupe, um Verwundete und Kranke auszuschiffen. Rodney besserte auf See notdürftig aus und folgte dann dem Gegner, um sich zwischen ihm und Martinique zu halten, war aber bald genötigt, bei Sta. Lucia zu ankern, da er Wasser nehmen mußte. Er verlor jedoch die Absicht, die Rückkehr der Franzosen nach Fort Royal, ihrem besten Hafen und Ausrüstungsplatze, zu hindern, nicht aus dem Auge. Er ließ Fregatten östlich sowie westlich von Martinique kreuzen und erhielt so rechtzeitig Nachricht, sobald der Feind sich rührte. Guichen verließ an einem der ersten Maitage Guadeloupe und steuerte östlich von Martinique zu einem neuen Versuche gegen Sta. Lucia südlich.
De Bouillé hatte sich mit einem Teile der Landungstruppen auf Fregatten eingeschifft, die der Flotte um einige Stunden voraussegelten, als er jedoch am 9. Mai in der Straße zwischen Martinique und Sta. Lucia ankam, sah er die englischen Schiffe schon aus der Gros-Islet-Bucht herauskommen. So traten sich die beiden Flotten südöstlich der erstgenannten Insel wiederum entgegen und manövrierten dann, beide mit großem Geschick, 10 Tage lang in Sicht voneinander. Franzosen wie Engländer behaupten eine Schlacht gesucht zu haben, aber der Gegner sei ausgewichen oder habe günstige Gelegenheiten zum Angriff nicht benutzt.
Ein vorurteilsfreier Vergleich zeigt, daß beide hiermit nur bedingt recht haben, am meisten noch die Engländer. Da die Franzosen während der ganzen Zeit (eine Stunde am 15. Mai ausgenommen) die Luvstellung in dem regelmäßig wehenden Passat innehatten, ist ihre Behauptung unhaltbar, es sei unmöglich gewesen, den Feind zur Schlacht zu bringen, denn die Flucht hat dieser nie ergriffen. Guichen ging häufig, gewöhnlich wenn nachmittags der Passat am stetigsten wehte, näher an die Engländer heran, nahm aber den Nahkampf nie auf; wahrscheinlich wollte er, wie üblich, seine Flotte schonen und rechnete damit, dem Feinde nach und nach oder bei ganz besonders günstiger Gelegenheit Abbruch zu tun. Rodney nahm den auf weitere Entfernung angebotenen Kampf nie auf, um seine Munition nicht zu verschleudern, auch wollte er wohl nach englischem Brauch nur aus der Luvstellung fechten; er suchte also diese zu erreichen, wobei er gleichzeitig den Feind sowohl von dessen Stützpunkt wie auch von seinem Angriffsobjekt abdrängte. Beide Male aber, als die Umstände ihm eine Gelegenheit zum Angriff boten, benutzte er sie auch; man kann mithin nicht sagen, daß er jedem Zusammenstoß grundsätzlich ausgewichen sei.
Die Gefechte bei Martinique am 15. und 19. Mai 1780. Am 15. Mai nachmittags kam Guichen etwas näher als gewöhnlich heran; beide Flotten lagen bei Ostwind über Steuerbordbug mit SSO-Kurs. Schon war das französische Spitzenschiff etwa querab von der englischen Mitte imstande, das Feuer zu eröffnen, da drehte der Wind schnell auf SSO, so daß sämtliche Schiffe etwa SW anlagen. Rodney benützte dies, wendete im Kontremarsch und führte seine Flotte nach Osten; er würde die feindliche Spitze zu Luward passiert haben, wenn nicht auch Guichen sofort mit allen Schiffen zugleich gehalst und gleichfalls östlich gesteuert hätte (also in einer Linie, in der sich seine Schiffe etwa SSO peilten). Die englische Flotte stand somit gewissermaßen windwärts der französischen, aber noch hinter ihr zurück, und es war nur eine Frage der Geschwindigkeit, ob sie herankommen würde.
Aber schon nach einer Stunde sprang der Wind auf Ost zurück. Guichen ging nun an den Wind und legte seine Schiffe schnell wieder in Kiellinie über Steuerbordbug (Kurs SSO); Rodney, der die Kiellinie durch Abhalten im Kontremarsch über Backbordbug (Kurs NNO) bildete, stieß mit seiner Spitze auf die Mitte der französischen Linie. Die englischen Schiffe hielten dann nacheinander auf NNW ab, und so glitten die Flotten aneinander vorüber. Die Engländer hätten vielleicht Gelegenheit zum Durchbrechen gehabt, doch war die französische Linie wohl zu gut geschlossen, und so kam es nur zu einem Feuergefecht der englischen Vorhut mit der französischen Nachhut auf nähere Entfernung, wobei die Franzosen wie gewöhnlich die feindliche Takelage als Ziel wählten. Als die Nacht hereinbrach, trennten sich die Gegner. (Genaueres vgl. Clowes III und Troude II.)
Am 19. Mai nachmittags begegneten sich die Flotten über verschiedenem Bug liegend, die Franzosen zu Luward, so nahe, daß Rodney wiederum mit seiner Spitze auf das fünfte französische Schiff stieß, und es folgte ein ganz gleiches Passiergefecht. Nach französischen Angaben soll Rodney dann mit seiner Vorhut, sobald diese das Schlußschiff des Gegners passiert hatte, die französische Linie hinten zu doublieren versucht, aber davon abgelassen haben, als Guichen Vorhut und Mitte, alle Schiffe zugleich, wenden ließ, um seiner Nachhut zu Hilfe zu kommen. Zu einem zweiten Zusammenstoß kam es auch diesmal wegen einbrechender Dunkelheit nicht. (Vgl. Troude II, Bonfils III.)
Die Verluste in diesen beiden Gefechten betragen englischerseits 68 Tote und 213 Verwundete, französischerseits waren sie wahrscheinlich um so viel größer als die englischen wie in der Schlacht am 17. April.