Die Eroberung von Charleston, Frühjahr 1780. Während 1776 der Angriff auf die Stadt (vgl. Seite [231]) ganz auf den Seestreitkräften beruhte, die nach Niederkämpfen der Befestigungen an der Einfahrt gegen Charleston vorgehen sollten, eröffnete man diesmal die förmliche Belagerung, während das Geschwader nur unterstützend eingriff. Die Stadt war gut geschützt. Das Fort Moultrie an der engsten Stelle der Einfahrt, das 1776 die feindliche Flotte zurückgewiesen hatte, zählte jetzt 40 Kanonen; bei der Art des diesmaligen Angriffes kam es jedoch kaum in Betracht, ebensowenig eine kleine Flottille amerikanischer sowie französischer Kriegsschiffe (Fregatten und kleinere Fahrzeuge), die bei Ankunft der Engländer bei dem Fort lag. Hinter der engen Stelle der Einfahrt wendet sich das Fahrwasser nach Westen auf die Stadt zu, die auf einer Landspitze zwischen den Flüssen Ashley und Cooper liegt; diese vereinigen sich hier und decken die Stadt auf der Ost- sowie der Südwestseite. Die Hauptbefestigungen befanden sich im Norden und Nordwesten auf der Landzunge. Die Küste im Süden Charlestons besteht aus verschiedenen, durch Creeks und Wasserläufe getrennten Inseln; von diesen liegt Morris-Island an der engsten Stelle der Einfahrt, an sie schließen sich westlich bis zum rechten Ufer des Ashley-Flusses, also der Stadt gegenüber, James-Island und südlich St. Johns-Island.

Die angreifenden Truppen marschierten vom Edisto über diese Inseln gegen die Stadt. Als die Ausschiffung des Belagerungskorps beendet war, wurden die schweren Linienschiffe nach New York zurückgesandt, die übrigen Fahrzeuge passierten die Barre, worauf sich die feindliche Flottille in den Cooperfluß zurückzog und zum Teil versenkt wurde. Am 29. März überschritt das Heer den Ashley; den Übergang deckten und ermöglichten die Boote des Geschwaders, die sich durch die Wasserläufe zwischen den Inseln dorthin begeben hatten. Am 9. April eröffnete dann Clinton die erste Parallele gegen die Nordfront der Stadt. Am gleichen Tage passierte Arbuthnot bei Flut und günstigem Winde mit den Schiffen die Einfahrt, wobei Fort Moultrie diesen nur wenig Schaden zufügte, und ankerte im Süden der Stadt nördlich vor der Jamesinsel. Die Schiffe erhielten zwar Feuer, beantworteten dieses aber nicht, obgleich die Geschosse sie erreichten, und der Feind schwieg bald, da er sie außer Schußweite glaubte. Charleston war so bis auf die Ostseite, den Cooperfluß, eingeschlossen. Ein Versuch, mit den Schiffsbooten auch in diesen einzudringen, wurde durch Sperren sowie Batterien verhindert, aber den Landungsabteilungen der Schiffe gelang es, am 7. Mai Fort Moultrie vom Rücken her zur Übergabe zu zwingen. Die Belagerung nahm ihren Verlauf, auch der Cooperfluß ward im Norden der Stadt gesperrt, und nachdem am 6. Mai die dritte Parallele fertiggestellt war, ergab sich Charleston am 11.

Mit der Übergabe der Stadt wurden gegen 7000 Mann, darunter über 1000 amerikanische und französische Seeleute, kriegsgefangen; 5 amerikanische, sowie 2 französische Kriegsschiffe fielen dem Sieger in die Hände, 3 wurden vernichtet. Clinton segelte am 5. Juni nach New York, 4–5000 Mann unter General Cornwallis zurücklassend. Dieser geschickte Befehlshaber brachte schnell Südcarolina zur Ruhe und entsandte seinen Unterführer, Lord Rawdon, nach Nordcarolina hinein. Jetzt stellte diese Provinz im Verein mit Virginia 6000 Milizen unter General Gates ins Feld, und von Washingtons Heer traf Baron von Kalb mit 2000 Regulären ein. Infolgedessen und weil sich Rawdon grobe Ausschreitungen, Erpressungen sowie Verheerungen hatte zuschulden kommen lassen, brach die Empörung in Südcarolina aufs neue aus. Gates drang nun im Juli in diese Provinz vor, wurde aber von Cornwallis am 18. August bei Camden mit weit geringeren Kräften vernichtend geschlagen (Kalb fiel hier), und dieser rückte in Nordcarolina ein. Er kam Ende September bis zur Stadt Charlotte, wurde dann aber durch schwierige Kämpfe mit zahlreichen kleinen feindlichen Schwärmen, sowie durch Unruhen im Rücken am weiteren Vorgehen gehindert.

Als endlich am 8. Oktober ein abgezweigter Teil seines Heeres unter Oberst Ferguson, der unvorsichtig in die gebirgige Gegend der Kolonie vorgedrungen war, bei Kingsmountain teils vernichtet, teils gefangengenommen war, mußte Cornwallis nach Südcarolina in der Richtung auf Charleston zurückgehen; er traf Ende Oktober bei Winsborough ein und nahm hier Stellung. Der Kongreß ernannte den sehr tüchtigen General Greene zum Oberbefehlshaber im Süden; dieser sammelte ein Heer und führte es nach Charlotte. Damit waren die größeren Operationen auf diesem Kriegsschauplatze für 1780 beendet. Greene fühlte sich zum Angriff nicht stark genug und auch Cornwallis sah sich zur Untätigkeit gezwungen, bis sich seine durch Strapazen und Entbehrungen entkräfteten Soldaten erholt hatten und Verstärkungen aus New York eingetroffen waren. Bis dies eintrat, Mitte Dezember, blieb die Macht der Engländer auf Charleston beschränkt.

In den nördlichen Kolonien änderte sich in den ersten Monaten des Jahres 1780 nichts. Knyphausen mußte sich während der Abwesenheit Clintons mit einem Teile des Heeres auf die Verteidigung New Yorks beschränken, aber auch Washington blieb in der festen Stellung bei Westpoint, da er nach wie vor Mangel an Offizieren, Soldaten, Geld und Vorräten litt; die Fahnenflucht in seinem Heere war groß. So konnte er auch die günstige Gelegenheit zu einem Angriff auf New York nicht benutzen, als im Januar 1780 die Flüsse mit einer Eisdecke belegt waren, die schwere Artillerie trug und dem Verteidiger eine Unterstützung durch seine Seestreitkräfte nahm. Clintons Rückkehr verstärkte die Macht der Engländer, aber auch die Amerikaner erhielten eine lang erhoffte Unterstützung, denn am 11. Juli 1780 traf das französische Geschwader unter dem Chef d'Escadre de Ternay — 1 Schiff zu 84 Kanonen, 2 zu 74, 4 zu 64, 2 Fregatten — nebst 6000 auserlesenen Soldaten unter General Graf Rochambeau bei Rhode-Island ein.

Seegefecht bei den Bermuda-Inseln, Juni 1780. De Ternay verließ am 2. Mai Brest. Am 20. Juni stieß er bei den Bermudas auf ein englisches Geschwader unter Kapitän Cornwallis — 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 2 zu 64, 1 zu 50 und eine Fregatte —, das von Jamaika bis hierher Kauffahrer geleitet hatte. Der französische[310] Admiral näherte sich zwar in Schlachtlinie dem Feinde, aber nur in der Absicht, diesen von seinen Truppentransportern abzuhalten; zugleich versuchte er, ein vom englischen Geschwader getrenntes Schiff abzuschneiden. Cornwallis, der seiner Unterlegenheit halber keinen Kampf wagen durfte, wenn er auch die Luvstellung hatte, manövrierte, um das bedrohte Schiff zu retten; als ihm dies gelungen war, brach er das Feuergefecht ab, zu dem es während des Manövrierens mehrfach gekommen war, und de Ternay nahm seinen Kurs nach Nordamerika wieder auf. Es ist ihm vorgeworfen, daß er die Gelegenheit nicht ausgenützt habe, und auch seine Offiziere äußerten ihre Unzufriedenheit darüber, aber er hat in diesem Falle wohl mit Recht die sichere und schnelle Weiterbeförderung des Transportes für wichtiger gehalten. (Clowes III, Seite 474, beschreibt das sonst belanglose Gefecht sehr genau, um die wirklich geschickten Manöver des englischen Führers hervorzuheben.)

Jetzt zeigte sich der Fehler, den Clinton 1779 durch das übereilte Aufgeben von Rhode-Island gemacht hatte. Das französische Geschwader fand in der Narragansettbucht einen sicheren Hafen und Stützpunkt, sowie die beste Gelegenheit, Truppen zu landen und mit Washingtons Heer zu vereinigen. Aber im Jahre 1780 sollte dies noch keine Folgen haben. De Ternay und Rochambeau waren zunächst bemüht, ihre Stellung durch Ausbau der Befestigungen gegen einen Angriff von See aus zu sichern. Auch hatte das Landungskorps nach der langen Seereise viele Kranke, und einige Transporter mit etwa 350 Mann, die vom Geschwader abgekommen waren, fehlten noch. Die Sicherung der Stellung erwies sich bald als sehr nötig, denn die englische Flotte erhielt am 13. Juli eine wesentliche Verstärkung durch Kontreadmiral Thomas Graves, der von England mit 6 Linienschiffen in New York anlangte; Arbuthnot verfügte in diesem Hafen jetzt über ein Schiff zu 98 Kanonen, 6 zu 74 und 3 zu 64.

Admiral Graves war von Portsmouth fast zu gleicher Zeit wie de Ternay von Brest mit der Aufgabe in See gegangen, der französischen Expedition den Weg zu verlegen. Obgleich er durch westliche Stürme 14 Tage in Plymouth festgehalten wurde, erreichte er doch nur 24 Stunden nach den Franzosen die amerikanische Küste.

Die Engländer wollten die Franzosen noch vor der Vereinigung mit den Amerikanern angreifen. Ihre Flotte erschien am 21. Juli zur Erkundung vor Rhode-Island, vermied aber einen Angriff, und Clinton traf Vorbereitungen, Truppen dorthin zu führen. Hierdurch gewannen die Gegner Zeit. Die Franzosen verstärkten die Befestigungen weiter; Washington machte die größten Anstrengungen zur Vermehrung seines Heeres, beorderte Truppen zur Vereinigung mit den Franzosen und entfaltete eine regere Tätigkeit vor New York. Infolgedessen stand Clinton von der Expedition ab, zu der die Soldaten bereits eingeschifft waren. Die Verbündeten blieben gleichfalls untätig, wahrscheinlich erwarteten sie die Ankunft de Guichens oder doch eines Teiles seiner Flotte. De Ternay hatte am 3. August ein Schiff mit der Bitte um Unterstützung nach Cap Français gesandt; die Botschaft traf aber dort erst ein, als de Guichen schon abgesegelt war, und Monteil konnte sie nicht entziffern, da ihm der Schlüssel fehlte. Als das zurückkehrende Schiff dies meldete, wurde am 28. Oktober der Sohn des Generals Rochambeau nach Frankreich geschickt, um dort um Hilfe zu bitten.