Die Verbündeten greifen Minorka an und erscheinen im Kanal 1781. Spanien, verdrossen über die Verproviantierung Gibraltars, beabsichtigte durch die Eroberung Minorkas einen Gegenstoß zu führen und ersuchte Frankreich um Mitwirkung; dieses sagte zu, wohl in der Hoffnung, dadurch auch ein gemeinsames Auftreten im Kanal zu erreichen. Am 25. Juni führte Lieutenant-Général de Guichen 19 Linienschiffe[154] nach Cadiz und trat unter den Oberbefehl des Admirals de Cordoba, dem nun 49 Linienschiffe, sowie gegen 20 Fregatten und kleinere Fahrzeuge zur Verfügung standen. Mit der Unterstellung seines Admirals unter den spanischen brachte Frankreich dem guten Einvernehmen ein großes Opfer, da man doch aus den Berichten der Flaggoffiziere in den Vorjahren die geringe Leistungsfähigkeit Cordobas kannte. Die mächtige Flotte verließ am 23. Juli Cadiz, führte die gegen Minorka bestimmte Expedition ins Mittelmeer, bis sie vor englischen Kreuzern sicher erschien, und trat dann die Fahrt nach dem Kanal an. Minorka ward leicht besetzt und auch die Zitadelle von Port Mahon fiel im Februar 1782; der Verlust dieses Stützpunktes war jedoch für England nicht von Bedeutung, da es in diesem Kriege das Mittelmeer nicht zu behaupten vermochte.
Die Eroberung Minorkas durch Spanien 1781/82. Die Insel mit ihrem trefflichen Hafen Port Mahon war bisher von beiden Parteien außer acht gelassen. England war nicht imstande, auch im Mittelmeer eine starke Flotte zu halten, und infolgedessen war dieser Stützpunkt für die Verbündeten gleichfalls ohne Wichtigkeit gewesen. Aber Spanien reizte es stets, den Platz im Besitze Englands zu sehen, und der spanische wie der französische Handel litten immerhin durch die feindlichen Freibeuter, die von hier aus ihr Handwerk betrieben. Man hoffte bei der Eroberung leichtes Spiel zu haben; die Engländer hatten zwar Port Mahon stark befestigt, aber der Kommandant, General Murray, verfügte nur über etwa 3000 Mann, ein englisches und zwei hannoversche Bataillone sowie gegen 200 Seeleute. Die spanische Expedition bestand aus 9 Kriegsschiffen unter Admiral Buonaventura Moreno, zu denen vor Cartagena noch 3 Linienschiffe stießen, und 11000 Mann vom Belagerungsheere vor Gibraltar unter dem Herzog von Crillon, einem Franzosen in spanischen Diensten. Da keine Störung durch englische Schiffe zu befürchten war, wählte man nicht, wie die Franzosen 1756, den weiter entfernten Hafen von Ciudadela zur Ausschiffung, sondern landete am 8. August gleichzeitig etwa 3–4 Seemeilen im Norden und im Süden Port Mahons. Man hoffte so, den Gegner zu überraschen, aber es gelang Murray doch, seine Außenposten heranzuziehen und reichlich Proviant in die Zitadelle Fort San Felipe zu schaffen. Dahin zog er sich zurück, da seine Kräfte nicht ausreichten, auch die sonstigen Befestigungen der Stadt zu besetzen.
Die Franzosen fanden in dieser reiche Beute: Bargeld im Werte von 25000 Goldpiastern, Ladungen der durch Freibeuter aufgebrachten Prisen, Getreidemagazine, Waffen, Munitionsvorräte, sowie Material zum Ausbessern von Schiffen in solchen Mengen, wie sie in den Häfen von Cadiz, Cartagena und Ferrol zusammen nicht vorhanden waren — nach Ausspruch Morenos —, ein bedenkliches Zeugnis für die spanischen Kriegshäfen. Crillon schloß die Zitadelle ein, denn zu einer regelrechten Belagerung war er nicht ausgerüstet, da man die Expedition auf Überraschung angelegt hatte. Der förmliche Angriff begann erst im Oktober, nachdem die Belagerungsgeschütze sowie Verstärkungen von Barcelona und auch 4000 Franzosen von Toulon eingetroffen waren. Die Angriffsmacht zählte jetzt 16000 Mann mit 109 schweren Kanonen und 36 Mörsern. Trotzdem kapitulierte Murray erst am 4. Februar 1782, nur durch Hunger und Krankheit überwunden. Seine Leute litten schwer unter Skorbut und Dysenterie, bei der Übergabe waren nur noch 660 Mann dienstfähig und auch von diesen nur 100 ganz gesund, 415 Mann waren aber allein für die Besatzung der notwendigen Wachen erforderlich, es konnten also keine Ablösungen eintreten. Das Belagerungsheer zog dann im Mai wieder vor Gibraltar. Crillon wurde „wegen seines Erfolges“ zum Oberbefehlshaber hier ernannt und mit dem Titel „Herzog von Mahon“ ausgezeichnet.
Cordoba steuerte mit der mächtigen Flotte vom Kap St. Vincent aus nach Norden, jedoch in größerer Entfernung vom Lande, damit die Engländer nicht durch Kauffahrer unter der Küste Nachricht erhielten, aber seine Hoffnung, die feindliche Flotte in der Biskaya anzutreffen, erfüllte sich nicht. Vor dem Kanaleingange breitete er seine Schiffe, insbesondere die leichten, von Ouessant bis zu den Scillys aus, um den ganzen Kanal unter Beobachtung zu halten. In England hatte man tatsächlich keine Nachricht. Admiral Darby war nach zeitraubender Instandsetzung seiner Flotte am 1. August wieder mit 30 Linienschiffen in See gegangen, da um diese Zeit die Rückkehr der großen Konvois bevorstand. Infolge widriger Winde stand er erst bei Kap Lizard, als er durch ein Handelsschiff von der Nähe des Feindes erfuhr. Unfähig, der Übermacht entgegenzutreten, ging er nach Torbay und nahm hier am Eingange der Bucht eine Verteidigungsstellung ein.
Den Verbündeten bot sich jetzt Gelegenheit, mit einem Schlage den größten Teil der englischen Seestreitkräfte zu vernichten. Guichen, der in Person die Stellung des Feindes erkundet hatte, sprach sich in einem Kriegsrate der Flaggoffiziere begeistert für rücksichtslosesten Angriff aus und La Motte-Picquet sowie der spanische Admiral Don Vincent Droz schlossen sich ihm mit Entschiedenheit an. Aber Cordoba war anderer Ansicht, und als der Chef d'Escadre de Bausset, ein besonders leidenschaftlicher Anhänger des Handelskrieges, dafür eintrat, den Kampf zu meiden und statt dessen lieber die englischen Konvois abzufangen, stimmte er ihm zu, und seinem Beispiele folgten die übrigen spanischen Flaggoffiziere. Cordoba führte jedoch auch diese Aufgabe nicht durch; möglich, daß er die herankommende Zeit der Herbststürme fürchtete, da wie 1779 seine Schiffe in schlechter Verfassung waren und der Gesundheitszustand der Besatzungen zu wünschen übrig ließ. Am 5. September gab er in der Nähe von Ouessant Befehl zur Auflösung der Flotte trotz der Bitten Guichens, wenigstens noch einige Zeit gegen die englischen Konvois und zum Schutz gleichfalls erwarteter französischer zu kreuzen. Er segelte mit seinen 30 Schiffen, sowie 9 französischen nach Cadiz und entließ Guichen mit dem Rest nach Brest.
Johan Arnold Zoutman.
Hollands Eintreten in den Krieg. Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781. Holland[155] hatte mit Ausbruch des Krieges, Ende Dezember 1780, seinen Handelsschiffen verboten, ohne Erlaubnis die Heimatshäfen zu verlassen; teils um sie vor Aufbringen durch die Engländer zu bewahren, teils um ihre Besatzungen für die Kriegsschiffe heranziehen zu können. Ferner wurde zur Warnung schleunigst an alle Kriegsschiffe in fernen Gewässern, sowie an die Kolonien die Nachricht vom Ausbruch des Krieges gesandt; die Botschaft traf jedoch an den meisten Orten zu spät ein. Von den 69 Kriegsschiffen Hollands befanden sich 51 im Dienst oder doch zu sofortiger Indienststellung bereit. Aber schon bald fielen einige in Feindeshand, andere wurden im Auslande vom Gegner blockiert gehalten, so daß in Holland selber im Januar 1781 nur 33 Schiffe — darunter 11 Linienschiffe, nämlich 2 zu 70 und 74 Kanonen, 2 zu 60 und 68, 7 zu 50–54 — bereitstanden, und auch diese waren nur mangelhaft ausgerüstet und bemannt. Der Versuch, fertige Schiffe in den Staaten der „Bewaffneten Neutralität“, besonders in Dänemark und Schweden, zu kaufen, scheiterte wohl infolge englischer Einwirkung.