So war es im Frühjahr weder möglich, englische Konvois von Bremen und Hamburg abzufangen, noch für die übliche Frühjahrsfahrt der eigenen Handelsschiffe nach der Ostsee eine genügend starke Begleitung aufzustellen, obgleich auch die Engländer in der Nordsee nur geringe Streitkräfte hatten. Erst im Juni wagte man es, den Ostseekonvoi abzusenden, und es sammelten sich nach und nach im Vliestrome 70 Kauffahrer. Das Zusammenziehen des Begleitgeschwaders verzögerte sich, und erst am 1. August konnte die Reise unter Führung des Schout biy Nacht Johan Arnold Zoutman angetreten werden; selbst jetzt noch fehlten zwei Linienschiffe zu 74 und 60 Kanonen, durch widrige Winde zurückgehalten, die bei dem Zusammentreffen mit dem Feinde voraussichtlich von großem Nutzen gewesen wären.

Englischerseits hatte der Vizeadmiral Hyde Parker im Juni mit 5 Linienschiffen einen Konvoi von 500 Segeln in die Ostsee geführt und kam Ende Juli mit 200 Handelsschiffen in die Nordsee zurück; hier stieß noch ein Linienschiff zu ihm, das ihm mit der Nachricht vom Sammeln der Holländer entgegengeschickt war.

Zoutman und Hyde Parker trafen am 5. August auf der Doggerbank in einer Schlacht zusammen, die von beiden Admiralen in einer so einfachen, an alte Zeiten erinnernden Art durchgeführt wurde, daß sie fast belustigend wirken könnte, wenn der Kampf nicht so überaus blutig gewesen wäre.

Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781[156]. Beide Geschwader zählten 7 Schiffe in der Linie, die sich in folgender Reihenfolge gegenüberstanden:

die holländischen:54Kanonen,704054 68*5468* Die Flaggschiffe
die englischen:744460 74*805064

Von den englischen Schiffen waren nur die zu 74 Kanonen gute, neue Fahrzeuge; die übrigen stammten aus alten Beständen und man hatte sie ihres Zustandes halber sogar mit leichteren Kalibern armieren müssen, als ihrer Klasse entsprach. Dennoch standen englischerseits in einer Breitseite 223 Geschütze gegen 206 holländischerseits und das Geschoßgewicht einer Lage war 4347 Pfund gegen 3474.

Die englische Linie ward durch 4, die holländische durch 5 schwere Fregatten unterstützt, die sich bei Beginn der Schlacht dicht in Feuerlee ihrer Schlachtschiffe hielten. Auf beiden Seiten deckten einige Fregatten sowie kleinere Fahrzeuge die Konvois, die weiterab auf der dem Kampfe abgewandten Seite segelten. Als Hyde Parker zum Angriff schritt, gab er seinem Konvoi sofort Befehl, nach England weiterzufahren.

Bei Tagesanbruch sichteten sich die Gegner. Es wehte frisch von Nordost, aber die See war glatt; die Holländer hatten die Leestellung. Zoutman bildete die „Kiellinie beim Winde“ über Steuerbordbug mit einer Kabellänge Zwischenraum zwischen den Schiffen. Er führte nur Mars- und Vorsegel, woraus hervorging, daß er den Angriff erwartete. Parker befahl trotzdem, und obgleich er den ganzen langen Sommertag vor sich hatte, zunächst „allgemeine Jagd“; er wollte sich den Kampf um keinen Preis entgehen lassen; er war immer noch erbittert über Rodneys Vorwurf nach der Schlacht am 17. April 1780, sowie darüber, daß die Admiralität ihm vorgeworfen hatte, er habe als stellvertretender Oberbefehlshaber in Westindien, von Byrons Heimreise bis zu Rodneys Ankunft, nicht schneidig genug gehandelt. So jagten die englischen Schiffe auf den Feind zu, wobei die schlechteren Segler alles beisetzen mußten und nicht Zeit hatten, Vorbereitungen zum Gefecht zutreffen. Um 6¼ Uhr vormittags wurde der Befehl gegeben, Dwarslinie zu bilden; jetzt kam Ordnung in die Aufstellung, aber die langsameren Schiffe waren noch beschäftigt, ihr Leesegelsgut zu bergen, als kurz vor 8 Uhr der Befehl zum Nahkampf folgte.

Die holländischen Schiffe erwarteten den Angriff in einer Ordnung wie bei der Parade. Die Besatzungen standen auf ihren Gefechtsstationen, die Seesoldaten auf Deck mit geschultertem Gewehr. Kein Schuß fiel bei der Annäherung der Engländer, die man doch unter verheerendes Enfilierfeuer hätte nehmen können. Erst als sie etwa auf Schiffslänge zum Kampfe aufdrehten, Parker um 8 Uhr den ersten Schuß feuerte[322] und die rote Flagge heißte, gab auch Zoutman das Signal zum Eröffnen des Feuers. Der englische Admiral hatte nach üblicher Weise seine Linie so herangeführt, daß er mit seinem Flaggschiff, dem vierten von vorn, das feindliche, das fünfte von vorn, angriff. Da beide Geschwader tadellos ausgerichtet waren, hatten nunmehr anfangs das letzte englische Schiff und das vorderste holländische keinen Gegner, später griffen diese dann in ihrer Nähe ein, und so waren die Engländer vorn, die Holländer hinten im Nachteil. Bis 11 Uhr wurde auf das erbittertste gefochten. Jetzt war das holländische Schlußschiff durch seine zwei Gegner fast außer Gefecht gesetzt und Parker segelte nun, gefolgt von den Hinterleuten, zwischen seinem schwer beschädigten Vordermann und der feindlichen Linie hindurch auf, um das Gleichgewicht vorn herzustellen. Das Manöver wurde unter heftigstem Kugelwechsel ausgeführt und brachte die englische Linie in Unordnung. Um diese wieder herzustellen, ging Parker mit seinen Schiffen höher an den Wind, konnte aber seine Absicht nicht durchführen, da die Takelagen sehr zerschossen waren. Zoutman blieb noch eine halbe Stunde liegen, „um das Feld behauptet zu haben“, und nahm dann Verbindung mit seinem Konvoi, den er gegen 10 Uhr nach Texel zurückgeschickt hatte; ihm zu folgen, waren die Engländer vorläufig nicht imstande.

Der Verlust der Engländer in dem dreieinhalbstündigen Kampfe betrug 104 Tote und 339 Verwundete, mehr als in größeren Schlachten dieses Krieges, in denen sich 20–30 Schiffe auf jeder Seite gegenüberstanden. Die Holländer verloren gar 142 Tote und 403 Verwundete. Beide Gegner hatten auf den Rumpf der Schiffe gefeuert, so waren die Beschädigungen in den Takelagen nicht schwer, wenn sie auch für kurze Zeit die Manövrierfähigkeit behinderten. Kein Schiff war genommen; nur ein holländisches (das letzte in der Linie) sank auf der Weiterfahrt, doch konnte die Besatzung bis auf wenige Schwerverwundete gerettet werden.