Beurteilung der Führer. Beide Admirale zeigten, daß ihre taktische Befähigung nicht auf der Höhe der Zeit stand. Parkers Angriff war übereilt und unvorteilhaft angesetzt. Er schob aber die Schuld seines Mißerfolges auf die Schiffe und erklärte dem Könige, der das Geschwader besuchte: „Ich wünsche Ew. Majestät bessere Schiffe und jüngere Admirale. Ich bin zu alt.“ Der sonst so brave Offizier verscholl bald darauf mit seinem Schiffe, als er zur Übernahme des Oberbefehles nach Ostindien segelte. — Zoutman war ein vielbefahrener Seemann, hatte aber infolge der Tatlosigkeit der holländischen Marine in den letzten Kriegen und ihres Verfalles in seinen 44 Dienstjahren keine Gelegenheit gehabt, Erfahrungen im Kriege sowie in der Führung größerer Verbände zu sammeln. Aber er, seine Offiziere und Leute haben mit der alten holländischen Tapferkeit und Hartnäckigkeit gefochten, die Ehre ihrer Flagge aufrecht erhalten und sich die Anerkennung ihres Volkes sowie ihrer Gegner errungen.

Die Schlacht auf der Doggerbank ist nach vorstehendem wohl taktisch unentschieden zu nennen, sie war aber ein strategischer Erfolg der Engländer, denn ihr Konvoi erreichte sein Ziel, während der holländische die Reise aufgeben mußte. Auch unternahm Holland in diesem Jahre nichts weiter.

Vernichtung eines französischen Konvois für Westindien, Dezember 1781. Der Schluß des Jahres brachte Frankreich noch einen Mißerfolg, der von größerer Bedeutung war als alle bisherigen Ereignisse in Europa. Schon seit dem Sommer bestand die Absicht, der Flotte in Westindien Mannschaften, Vorräte, Kriegsmaterial sowie einige Linienschiffe behufs Ablösung anderer zu senden, aber erst spät im Jahre waren die Transporter mit dem Material bereit. Am 10. Dezember verließ de Guichen mit 19 Linienschiffen Brest. Er sollte die Transporter sowie zahlreiche Handelsschiffe, insgesamt 150 Segel, in die offene See geleiten, dann 5 Schiffe mit den Fahrzeugen für Westindien und 2 mit solchen für Ostindien entlassen, selber aber mit 12 nach Cadiz gehen.

In England war man von dem Plane unterrichtet und sandte schon am 2. Dezember den Admiral Richard Kempenfelt in See; in der Annahme, daß die Bedeckung des Konvois nicht stark sein werde, gab man ihm nur 12 Linienschiffe mit. Am 12. Dezember nachmittags trafen sich die Gegner etwa 150 Seemeilen südwestlich von Ouessant bei frischem Winde mit Hagelböen; die Engländer standen zu Luward.

Der sonst so vorsichtige französische Admiral hatte eine grobe Nachlässigkeit dadurch begangen, daß er mit seinen Kriegsschiffen in Lee voraus von dem Konvoi segelte. Infolge des unsichtigen Wetters bemerkte er die englische Flotte erst zu spät, als es plötzlich aufklarte. Obgleich er nun sofort ihr entgegenzutreten suchte, so hatte sie doch bereits den Konvoi erreicht, zersprengte ihn und nahm angesichts der feindlichen Übermacht 24 Fahrzeuge. Der Rest floh nach der französischen Küste und auch 9 der genommenen entwischten während der Nacht, aber 15 wurden nach England gebracht, fast nur Transporter, die 1400 Mann und viel Material an Bord führten. Am nächsten Tage versuchte Guichen den Kampf zu erzwingen, Kempenfelt wich jedoch mit Rücksicht auf seine Schwäche aus; nur zwischen einigen Schiffen wurden Schüsse gewechselt. Mehrere Tage darauf zerstreute ein Sturm die französische Flotte, die noch auf der Suche nach Versprengten des Konvois geblieben war, und mehrere Schiffe, unter ihnen das Flaggschiff, wurden halb entmastet. Von der ganzen Expedition gelangten nur 2 Linienschiffe und 5 Handelsschiffe unter dem Chef d'Escadre de Vaudreuil nach Westindien, auch einige der nach Ostindien bestimmten Schiffe erreichten ihr Ziel. Der Admiral de Guichen bat nach diesem Fehlschlage um seinen Abschied, wurde jedoch wegen seiner bisherigen Verdienste im Kommando der Brestflotte belassen.

Ein Rückblick auf die Ereignisse in den europäischen Gewässern 1781 zeigt, daß England im Vorteil blieb, obgleich die Verbündeten stärker waren. Es verlor Minorka, für diesen Krieg keine Sache von Bedeutung, und büßte die Beute ein, die den Holländern in Westindien abgenommen war. Diese Verluste wurden aber reichlich aufgewogen durch die Zerstreuung des für Westindien bestimmten französischen Konvois, der für den Handel Frankreichs und die Schlagfertigkeit seiner Flotte dort so wichtig war, und durch die Verproviantierung Gibraltars sowie den Umstand, daß der Handel im Kanal unangetastet blieb. Wie in den beiden Vorjahren, war das materielle Übergewicht der Verbündeten infolge ihrer Uneinigkeit und ihres Mangels an Tatkraft nicht zur Geltung gekommen. Da sich ihre Streitkräfte nicht rechtzeitig vereinigten, gelang es England, an Brest und Cadiz vorüber Gibraltar Zufuhr zu senden.

Ein Wagnis blieb dies immerhin, denn als Darby absegelte, war de Grasse noch in Brest, und Cordoba in Cadiz war ihm überlegen; wenn es sich nur um eine Seeschlacht gehandelt hätte, so brauchte man allerdings die spanische Flotte nicht nach ihrer Schiffszahl einzuschätzen, aber eine andere Sache war es doch, einen großen Konvoi sicher nach einem Orte dicht bei dem feindlichen Stützpunkt zu führen und dort zu löschen. — Die später im Kanal erscheinende mächtige Flotte der Verbündeten, die hauptsächlich den englischen Handel vernichten sollte — gewiß ein verständigeres, weil leichter erreichbares Ziel als eine Invasion —, blieb untätig; sie griff weder die schwächeren Seestreitkräfte Englands an, durch deren Überwindung sie ihr Ziel am sichersten erreicht hätte, noch verweilte sie lange genug, um wenigstens einigen Erfolg gegen englische Konvois zu haben. Diese Tatlosigkeit ist vor allem den Spaniern zuzuschreiben, und es soll denn auch das Fehlschlagen des kostspieligen Unternehmens dem guten Einvernehmen zwischen den verbündeten Staaten sehr geschadet haben.

England hat 1781 auf diesem Kriegsschauplatze mit 40 Schiffen 70 der Gegner einschließlich Hollands in Schach gehalten, aber es hätte vielleicht doch noch mehr erreichen können. Schon zu jener Zeit ist innerhalb und außerhalb des Parlamentes die Frage aufgeworfen, ob es nicht richtiger gewesen wäre, die Zufuhr für Gibraltar aufzuschieben und Darby statt dessen zum Abfangen des schwächeren Geschwaders unter de Grasse zu entsenden; durch Vernichtung dieser wären die Pläne Frankreichs in Westindien und Nordamerika für 1781 vereitelt worden. An leitender Stelle hat man aber wohl die andere Aufgabe für dringender gehalten, obgleich durch ihre Lösung der größere Teil der Kanalflotte aufs Spiel gesetzt wurde, auch war, wie der ganze Krieg zeigt, Englands Strategie überhaupt nicht darauf bedacht, den Feind von den entlegenen Kriegsschauplätzen fernzuhalten, trotzdem daß ein derartiges Verfahren schon seit langem von allen hervorragenden Seeoffizieren für das allein Richtige erklärt wurde. Wenn man ferner zum Abfangen der Flotte Guichens eine stärkere als die Kempenfelts entsandt hätte, so hätte man nicht nur den Transport festhalten, sondern auch durch Vernichtung der ersteren der französischen Marine einen schweren Schlag zufügen können; die Kanalflotte war hierzu stark genug und außerdem lagen Schiffe bereit, die schon im Januar 1782 unter Rodney nach Westindien segelten.

Westindien und Nordamerika 1781.

Rodney erobert St. Eustache, St. Martin und Saba[157]. Zu Anfang des Jahres verfügte Rodney in Sta. Lucia über 22 Linienschiffe, während Frankreich nur 4 in Martinique stationiert hatte. Am 27. Januar trafen die Nachricht vom Ausbruch des Krieges mit Holland und der Befehl ein, die holländischen Besitzungen anzugreifen. Rodney bestimmte 6 Linienschiffe zur Überwachung von Martinique und ging mit der Hauptflotte sowie einem Landungskorps unter General Vaughan am 30. Januar in See. Sein erstes Ziel war die Insel St. Eustache.