In St. Eustache konnte man auf große Beute rechnen. Seit Ausbruch des Krieges war diese Insel unter ihrer neutralen Flagge der Haupthandelsplatz Westindiens für alle Völker geworden, und Waren befanden sich hier stets in solchen Mengen angehäuft, daß die zahlreichen Lagerhäuser sie nicht fassen konnten. Sie wurde auch dadurch von militärischer Bedeutung, daß die Amerikaner, sowie die französischen Inseln ihre Kriegsbedürfnisse zum großen Teil von dort bezogen. Die Engländer waren bei ihrem eigenen großen Handel weniger auf die Insel angewiesen, sahen sich aber durch die politische Haltung der Holländer benachteiligt. So erhielt z. B. die französische Flotte von St. Eustache Handwerker und Material, als sie nach der Schlacht am 17. April 1780 Martinique nicht zum Ausbessern erreichen konnte, während den Engländern, die nach dem großen Orkan im Oktober desselben Jahres Tauwerk kaufen wollten, erklärt wurde, es sei keins am Markte; tatsächlich fand man aber nach der Eroberung eine große Menge vor, die dort schon lange lagerte.
Als die englische Flotte am 4. Februar vor der Insel erschien, war dem Gouverneur der Ausbruch des Krieges noch nicht bekannt; nicht in der Lage Widerstand zu leisten, kapitulierte er noch am selben Tage. Eine holländische Fregatte, die der Ehre der Flagge halber einige Schüsse abgab, einige kleinere Kriegsfahrzeuge, 150 Kauffahrer sowie die Waren am Lande fielen in die Hände der Engländer, ebenso wurde ein Konvoi von 30 Handelsfahrzeugen nebst dem begleitenden Linienschiffe, der am Tage vorher die Reise nach Europa angetreten hatte, noch abgefangen. Die Gesamtbeute hatte einen Wert von über drei Millionen Lstrl. Rodney bemächtigte sich dann noch der Nachbarinseln St. Martin und Saba, später, am 15. März, auch der französischen Insel St. Barthélemy. Auf den genommenen Inseln blieb die holländische Flagge wehen; hierdurch getäuscht, liefen in der nächsten Zeit noch verschiedene holländische, französische, sowie amerikanische Schiffe ein und wurden gleichfalls genommen. Die nicht englischen Einwohner, besonders die Holländer, verschickte man zwangsweise nach anderen Inseln, um den eroberten ihre bisherige Bedeutung zu nehmen; zu gleichem Zwecke wurden die Lagerhäuser zerstört oder wenigstens abgedeckt.
Rodney versteigerte einen Teil der Beute öffentlich an Engländer, Franzosen und Dänen. Den Rest sandte er auf 30 Handelsschiffen, gedeckt durch Kommodore Hotham mit 4 Linienschiffen, nach England; wir hörten schon, daß dieser Konvoi am 2. Mai an der europäischen Küste fast ganz dem französischen Admiral de La Motte-Picquet in die Hände fiel. Rodney und Vaughan haben bei der Beschlagnahme weder holländisches Privateigentum noch neutrale Waren geschont, die nicht zur Kriegskontrebande zählten. Ihr Auftreten erregte denn auch überall Entrüstung. Selbst in England und sogar im Parlament sind sie angegriffen; aber ohne weiteres Ergebnis, sie behielten ungestört ihre reichen Prisenanteile.
Es sei hier gleich erwähnt, daß die Engländer in den Monaten Februar und März von Barbados aus auch die holländischen Besitzungen in Guayana wegnahmen; in Curaçao dagegen, wo der Ausbruch des Krieges rechtzeitig bekannt geworden war, trafen die Holländer genügende Vorbereitungen zur Abwehr und blieben infolgedessen unbelästigt. Der holländische Handel litt überall sehr durch englische Kreuzer und Freibeuter.
Admiral de Grasse in Westindien 1781. Zusammenstoß mit Hood bei Martinique. Etwa eine Woche nach der Besetzung der Insel St. Eustache brachte ein Handelsschiff die Nachricht dorthin, daß es am 31. Dezember 1780 in der Biskaya einen großen, für Westindien bestimmten französischen Konvoi unter Geleit von 8 oder 10 Linienschiffen gesehen habe. Rodney sandte daraufhin am 12. Februar den Kontreadmiral Sir Samuel Hood mit 11 Schiffen nach Martinique, um sich mit den dort schon befindlichen 6 zu vereinigen und dann zu Luward genannter Insel zu kreuzen. Er erklärte es für notwendig, selber behufs Durchführung von Maßregeln zur Sicherung der Beute und der Insel noch bei St. Eustache zu bleiben und behielt zwei Schiffe zurück. Die Nachricht über den Konvoi erwies sich bald darauf als falsch, aber der Befehl für Hood blieb bestehen, nur wurde er angewiesen, sich in Lee von Martinique zu halten. Er machte hiergegen geltend, daß er dann leicht nach Lee vertrieben werden könne, aber Rodney erklärte, daß es nach seinen Erfahrungen wohl durchführbar sei, sich wochenlang dicht vor dem französischen Hafen zu halten und daß dann die Schiffe, die zeitweise zum Wasser- oder Proviantauffüllen nach Sta. Lucia gesandt werden müßten, leicht wieder zur Flotte stoßen könnten, falls ein feindliches Geschwader von Europa ankäme. Bald aber sollte sich die Berechtigung von Hoods Einwurf zeigen.
Lieutenant-Général de Grasse[158] hatte am 22. März Brest mit 26 Linienschiffen verlassen. Bei den Azoren zweigte er 5 von ihnen nach Ostindien, 1 nach Nordamerika ab und segelte mit 20 nebst einem großen Konvoi von Transportern und Handelsschiffen nach Westindien weiter; zur Beschleunigung der Reise ließ er die schlechtesten Segler des Konvois von Kriegsschiffen in Schlepp nehmen. Die Flotte sichtete Martinique am 28. April und vernahm am Abend bei Point de Salines, der Südspitze der Insel, von der Anwesenheit der englischen. Zur größeren Sicherheit seines Konvois drehte de Grasse die Nacht über bei, setzte die Fahrt am anderen Morgen fort und stieß gegen Mittag mit Hood zusammen[159], der seine Ankunft erfahren hatte. Der Konvoi erreichte an diesem Tage Fort Royal unbehelligt, da sich die englische Flotte nicht zwischen ihn und den Hafen schieben konnte. Zu einer entscheidenden Schlacht nutzte aber de Grasse seine Überlegenheit nicht aus; ihm war an dem sicheren Einlaufen seiner Schutzbefohlenen zunächst mehr gelegen.
Das Gefecht bei Martinique am 29. April 1781. Die französische Flotte zählte 20 Linienschiffe — eins zu 100 Kanonen, 3 zu 80, 15 zu 74, 1 zu 64 — 3 Fregatten und 2 Kutter, die englische 18 Linienschiffe — 1 zu 90, 1 zu 80, 12 zu 74, 1 zu 70, 3 zu 64 —, 1 Fregatte und 1 Sloop. Es muß hervorgehoben werden, daß von den französischen Linienschiffen nur etwa die Hälfte, die englischen jedoch sämtlich gekupfert waren; Rodneys Vorstellungen in dieser Hinsicht hatten Erfolg gehabt.