de Grasse.
Am 29. April in der Frühe rundete de Grasse die Südspitze von Martinique bei östlichem Winde (Passat); Hood konnte dies nicht hindern, da er zu weit in Lee stand. Der französische Konvoi segelte unter der Küste nach Norden, von der Flotte in Lee gedeckt. Die englische Flotte kam dieser mit südlichem Kurse entgegen, wendete gegen 10½ Uhr vormittags, so daß nun beide parallel steuerten, wobei die französische Vorhut etwa querab von der englischen Mitte stand. Gegen 11 Uhr eröffneten die Franzosen das Feuer, die Engländer antworteten jedoch der großen Entfernung halber nicht. Um 11¾ Uhr befanden sich beide Linien vor der Bucht von Fort Royal, die englische Spitze näherte sich zu sehr ihrem nördlichen Strande und Hood wendete deshalb mit der ganzen Flotte, alle Schiffe zugleich. Der französische Konvoi war jetzt imstande, in die Bucht einzulaufen. De Grasse sah seine Schutzbefohlenen in Sicherheit; er halste alle Schiffe zugleich, und um diese Zeit hängten sich die vier im Hafen befindlichen Linienschiffe — 1 zu 74 Kanonen, 3 zu 64 — ihm an. Beide Flotten steuerten nun südlich, die Engländer in der Leestellung, aber es standen jetzt 24 Franzosen gegen 18 Engländer. Die Manöver hatten die Gegner einander näher gebracht, auch die Engländer nahmen das Feuer auf.
Gegen Mittag drehte Hood unter Marssegeln bei, des Angriffs gewärtig, da er selber nicht näher an den Feind herankommen konnte. Die beiden Flaggschiffe lagen querab voneinander, das Gefecht ward allgemein, aber immer noch auf so weite Entfernung, daß nur wenige Schüsse ihr Ziel erreichten. Da die Franzosen weiter segelten und ihre vordersten Schiffe die englische Spitze überholten, nahm auch Hood um 1 Uhr die Fahrt wieder auf. Als gegen 1½ Uhr die beiden Spitzen vor dem Kanal[328] zwischen Martinique und Sta. Lucia anlangten, hier frischeren Wind erhielten und vorliefen, befahl Hood seiner Flotte, sich geschlossen zu halten und das Feuer abzubrechen; der Kampf der Spitzen setzte sich aber noch einige Zeit fort und die vier vordersten Engländer hatten dabei 8 Franzosen abzuwehren. Hood scheint sich dann nach Wiederherstellung der Ordnung außer Schußweite gehalten und versucht zu haben, den Feind von der Küste abzuziehen, sowie die Luvstellung zu gewinnen. Aber auch de Grasse schritt nicht zum Angriff; es ist anzunehmen, daß er sich nicht weiter von der Insel entfernen wollte, ehe nicht sämtliche Fahrzeuge des Konvois einen sicheren Ankerplatz bei Fort Royal erreicht hätten.
Der Verlust an diesem Tage betrug auf französischer Seite 18 Tote und 56 Verwundete (ein englischer Autor gibt allerdings die Zahlen 119 und 150), auf englischer 39 Tote und 162 Verwundete. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die vier vordersten beträchtlich beschädigt; Hood mußte eins derselben nach St. Eustache senden.
Seiner Sorge um den Konvoi ledig und durch 4 Schiffe aus Martinique verstärkt, während 4 englische Schiffe am 29. beschädigt waren, beabsichtigte de Grasse am 30. April eine Schlacht herbeizuführen. Jetzt aber hatte Hood keinen Anlaß mehr, sich einem so ungleichen Kampfe, zumal in der Leestellung, auszusetzen. Er versuchte zwar, die Luvstellung zu gewinnen, ließ aber den Feind nie nahe herankommen. Mit seinen gekupferten Schiffen hatte er es in der Hand, die Entfernung zu bestimmen; wenn die Franzosen die Jagd ernstlich aufnahmen, blieben ihre ungekupferten zurück. Am Abend gab Hood das Spiel auf und nahm Kurs nach Norden; er segelte nicht nach Sta. Lucia, da er befürchtete, daß seine beschädigten Schiffe es bei der starken westlichen Strömung nicht erreichen würden. De Grasse ankerte am 6. Mai vor Fort Royal.
Das Verhalten der beiden Admirale am 29. und 30. April ist einer kurzen Betrachtung wert, um so mehr, da die beiderseitigen Autoren mehrfach angeben, der Gegner sei einem Kampfe ausgewichen. Nun ist aber wohl als sicher anzunehmen, daß Hood am ersten Tage den Kampf erstrebt hat: Anfangs versuchte er an den Feind heranzukommen, später bot er diesem Gelegenheit zum Angriff. Dies war eigentlich gewagt, da der Gegner Verstärkung erhalten hatte. Am zweiten Tage hielt er weiter das Feld, wahrscheinlich um abzuwarten, ob nicht der Zufall ihn in die Lage setzen würde, einen Teil der französischen Flotte anzugreifen. Seine seemännische Tüchtigkeit, sowie der Umstand, daß er durchgehends über gekupferte Schiffe verfügte, erlaubten ihm das gewagte Spiel; ein solches war es immerhin, denn leicht konnte er genötigt werden, seine beschädigten Schiffe im Stich zu lassen oder ihrethalben eine allgemeine Schlacht anzunehmen. De Grasse war am ersten Tage zu vorsichtig, aber nach dem bekannten französischen Brauche sah er wohl seine nächste Aufgabe in der unbedingten Sicherung des Konvois.
De Grasse ging schon am 8. Mai zu einem Angriff auf Sta. Lucia wiederum in See. Es lag den Franzosen besonders daran, sich in Besitz der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze dieser Insel, dem üblichen Ankerplatz der englischen Flotten zur Beobachtung Martiniques, zu setzen. Der Admiral hielt sich mit der Flotte zu Luward der Bucht, um jederzeit einem nahenden Gegner entgegentreten zu können, und der kriegerische Gouverneur von Martinique, de Bouillé, landete während der Nacht mit 1200 Mann. Man fand aber die von Rodney angelegten Befestigungen zu stark, um sich in kurzer Zeit festsetzen zu können, schiffte die Gelandeten wieder ein und kehrte nach Fort Royal zurück.
Eroberung von Tabago. Am 8. Mai wurde auch eine Expedition gegen diese Insel entsandt. Sie zählte 2 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und 1300 Soldaten unter Kapitän d'Albert de Rions. Am 22. Mai erfuhr de Grasse, daß die Flotte Rodneys auf der Fahrt nach Süden, wahrscheinlich nach Barbados, gesichtet sei. Besorgt um die Tabagoexpedition, ging er am 25. mit der Flotte in See und nahm 3000 Soldaten mit. Rodney hatte von der Ankunft der französischen Flotte in Westindien erst durch ein Schiff Kenntnis erhalten, das nach dem Gefecht bei Martinique beschädigt in St. Eustache eingetroffen war. Er segelte sobald als möglich mit seinen beiden unversehrten Schiffen, sowie dem in Eile ausgebesserten ab, traf am 11. Mai bei Antigua auf Hood und führte nun die Flotte nach Barbados, denn er fürchtete für diesen Hauptstützpunkt, der durch einen Orkan verwüstet war und ohne seinen Schutz einem Angriffe kaum hätte widerstehen können. Hier erfuhr er den Vorstoß der Franzosen gegen Tabago und sandte am 29. Mai den Kontreadmiral Drake mit 6 Linienschiffen dahin ab. Dieser sichtete am 30. die Flotte de Grasses und kehrte sofort, eine Zeitlang verfolgt, nach Barbados zurück, wo er am 3. Juni morgens eintraf. Jetzt setzte sich Rodney mit der ganzen Flotte in Bewegung, aber es war zu spät. Am 4. in Sicht der bedrohten Insel angelangt, erfuhr er, daß diese bereits am 2. Juni kapituliert habe.
Die Besetzung Tabagos war den Franzosen leicht gelungen. Am 24. Mai landete die erste Expedition; der englische Gouverneur zog sich mit seinen schwachen Kräften — 400 Regulären, 500 Milizen, 6 Geschützen — in die Berge zurück. Am 30. wurden dann die Soldaten ausgeschifft, die mit der Flotte kamen, und der Gouverneur sah sich genötigt, der großen Macht gegenüber die Waffen zu strecken, zumal seine Leute übermüdet und entmutigt waren.
Die Oberbefehlshaber, beide tüchtige Admirale, standen sich nun einander gegenüber, de Grasse mit 23 und Rodney mit 20 Linienschiffen, aber es kam nicht zum Kampfe. Rodney stand zu Luward, griff jedoch nicht an. Er erklärte später, die Besorgnis, nach einer vielleicht ungünstig verlaufenen großen Schlacht mit den beschädigten Schiffen durch den starken westlichen Strom nach Lee vertrieben zu werden, habe ihn vom Angriff abgehalten; er würde dann in die schwierigen Gewässer der Grenadinen, die wie auch St. Vincent in französischem Besitze waren, geraten und der Gegner möglicherweise zwischen ihn und Barbados gekommen sein. Er segelte nach der genannten Insel zurück. De Grasse verfolgte nicht. Zufrieden mit der Einnahme Tabagos, lief er die Eroberungen des Jahres 1779, Grenada sowie St. Vincent, an, überzeugte sich von ihrem guten Verteidigungszustande und ankerte am 18. Juni bei Martinique.