De Grasse segelt nach Nordamerika, Hood folgt ihm. Der französische Admiral verließ am 5. Juni 1781 Fort Royal mit seiner ganzen Flotte von 24 Linienschiffen, um 200 Handelsfahrzeuge nach Cap Français auf St. Domingue zu geleiten, wo er am 16. eintraf; unterwegs war eins seiner Linienschiffe infolge einer Explosion verbrannt. Hier fand er Briefe Washingtons, Rochambeaus sowie Barras', des Geschwaderchefs in Nordamerika, vor, in denen er dringend gebeten wurde, Unterstützung an Schiffen, Soldaten und Geldmitteln (mindestens 1200000 Francs) nach der Chesapeake- oder der Narragansettbucht zu senden, da ihre Lage verzweifelt sei. Obgleich er Befehl hatte, 9 oder 10 Schiffe, die sich schon seit 1778 in Westindien befanden, als Deckung des Konvois nach Europa heimzusenden, entschloß er sich, mit der ganzen Flotte — noch verstärkt durch die 5 Schiffe der St. Dominguestation, die am 10. Juli von der Expedition gegen Pensacola (s. Seite [307]) zurückkamen — während der Orkanzeit nach der Chesapeakebucht zu gehen. Von diesem Entschluß sandte er sofort Nachricht an Barras, so daß dieser wie die genannten Generale schon am 15. August Kenntnis erhielten. Er schrieb dabei an diesen, er möge ganz nach eigenem Ermessen handeln, sich mit ihm vereinigen oder selbständig zum allgemeinen Nutzen vorgehen. Die Vorbereitungen zur Abfahrt dauerten jedoch einige Zeit.
Der Gouverneur von St. Domingue stellte 3200 Mann nebst einigen Feld- und Belagerungsgeschützen erst, als ihm zur Sicherung seiner Kolonie ein spanisches Geschwader von Kuba zugesagt war; das nötige Geld war in der französischen Kolonie nicht aufzubringen, es mußte von Havanna bezogen werden, wo zwar die Staatskassen leer waren, aber Privatleute die verlangte Summe vorschußweise lieferten. Am 5. August ging de Grasse mit 28 Linienschiffen in See. Um nicht durch Transporter aufgehalten zu werden, waren die Truppen auf den Kriegsschiffen untergebracht, und um den Marsch möglichst lange geheimzuhalten, wählte der Admiral den Weg durch den wenig befahrenen Bahamakanal. Am 30. August 1781 ankerte die französische Flotte im Eingange der Chesapeakebucht.
Rodney erhielt von den Plänen und Bewegungen der Franzosen nicht genügend Kenntnis, um volle Maßregeln ergreifen zu können. Er faßte die Wahrscheinlichkeit ins Auge, daß der Kriegsschauplatz während der Orkanmonate in die nördlichen Gewässer verlegt werden würde, und schickte deshalb am 7. Juli Befehl an den Stationschef in New York, Admiral Graves, zwischen diesem Hafen und der Chesapeakebucht Kreuzer zu halten, die etwa von ihm gesandten Verstärkungen Nachrichten übermitteln könnten. Als er dann am 9. Juli die Abfahrt der französischen Flotte von Martinique nach St. Domingue erfuhr, befahl er dem Admiral Hood, sich für Nordamerika bereit zu machen. Er teilte ihm aber nur 15 Linienschiffe zu, da er gehört hatte, daß auch de Grasse nicht mehr dorthin senden, sondern mit dem Rest seiner Flotte den Konvoi nach Europa geleiten würde. Zwei Schiffe zweigte er zum Schutze von Handelsfahrzeugen nach Jamaika ab, jedoch mit dem Befehl an den dortigen Chef, Sir Peter Parker, sie und mit ihnen noch einige seiner Schiffe sofort nach Amerika nachzusenden. Mit 2 oder 3 wohl einer Grundausbesserung bedürftigen Schiffen ging Rodney selber aus Gesundheitsrücksichten nach England.
Hood segelte, durch verschiedene belanglose Umstände aufgehalten, am 10. August von Antigua mit 14 Linienschiffen nach der Chesapeakebucht ab. Kurz vorher war eine Brigg mit der Bitte Graves' um Unterstützung eingetroffen. Sie wurde am 6. August mit der Nachricht von Hoods Kommen zurückgesandt, fiel aber in Feindeshand. So blieb Graves im Gegensatz zu seinen Gegnern lange ohne jede Kenntnis der Vorgänge, denn auch eine am 7. Juli abgesandte Nachricht hatte ihn nicht erreicht. Das Schiff langte zwar in New York an, traf aber den auf einer Kreuzfahrt befindlichen Admiral nicht und ging verloren, als es ihn suchte. Eine Abschrift dieser Nachricht fand Graves erst am 16. August in New York vor, das Kommen Hoods erfuhr er erst kurz vor dessen Ankunft am 28. August.
Mit der Abfahrt der Flotten wurde für 1781 Nordamerika Kriegsschauplatz. In Westindien begannen die Operationen erst wieder nach der Rückkehr de Grasses.
In Nordamerika war der Landkrieg zu Ende des Jahres 1780 sowohl im Norden wie in den Carolinas zum Stillstande gekommen. Die Verbündeten wagten nicht, ohne weitere Unterstützung von Frankreich etwas gegen New York zu unternehmen (vgl. Seite [311]); die Engländer hatten ihre Erfolge im Süden aufgeben und sich auf Winnsborough zurückziehen müssen, um Verstärkungen zu erwarten (Seite 309). Das französische Geschwader von 7 Linienschiffen lag unter Kapitän Des Touches in der Narragansettbucht und wurde von dem englischen Admiral Arbuthnot mit 12 (?) Linienschiffen von New York und der Gardinerbucht (Long Island) aus beobachtet.
Um die Jahreswende aber kam wieder Leben in den Krieg im Süden. General Clinton benutzte wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden zu kräftigerem Auftreten dort, indem er im Dezember 1780 den General Leslie mit Verstärkungen nach Charleston und gleichzeitig den General Arnold zu einem Angriff auf Virginien entsandte. Die Ereignisse auf dem südlichen Kriegsschauplatze im Jahre 1781 wurden entscheidend für den Kampf Englands mit seinen Kolonien, und die Beherrschung des Meeres spielte bei ihnen die Hauptrolle, so daß wir die Unternehmungen am Lande und zu Wasser nicht voneinander trennen können[160].
Cornwallis dringt nach Virginien vor. Frühjahr 1781. Sobald Leslie mit 3000 Mann in Charleston eingetroffen war, zog Cornwallis einen Teil dieser Truppen an sich und brach dann von seinem Winterlager aufs neue gegen Nordcarolina auf; Leslie folgte mit dem Reste. Der amerikanische General Greene fühlte sich mit seinen Milizen und schlecht geschulten Soldaten diesen regulären Truppen im Felde nicht gewachsen; er ließ einen Teil seines Heeres unter General Morgan den Kleinen Krieg in Südcarolina führen, den er selbst an der Grenze von Nordcarolina aufnehmen wollte. Morgan näherte sich unvorsichtig der englischen Hauptmacht. Cornwallis sandte, um dies zu benutzen, den Oberst Parleton mit einem großen Teil seiner Truppen gegen ihn; dieser aber, der seinen Gegner unterschätzte, ließ sich zu einem übereilten Angriff verleiten und wurde am 7. Januar bei Cowpens vernichtend geschlagen.
Als sich dann Cornwallis und Leslie am 18. Januar vereinigt hatten, schritten sie zur Verfolgung Morgans. Zur Beschleunigung des Marsches ließen sie den ganzen Troß zurück, was ihnen später große Verlegenheiten bereitete und doch die Vereinigung Morgans mit Greene nicht hinderte. Auch der Versuch, das feindliche Heer von Virginien abzuschneiden, mißlang; es erreichte den Grenzfluß am 14. Februar und Cornwallis mußte wegen Erschöpfung seiner Truppen zurückgehen. Greene rückte nach, vermied aber eine Schlacht, obgleich er durch Milizen aus Virginien, Nord- und Südcarolina auf 6000 Mann verstärkt war. Das Gerücht gab seine Zahl gar auf 10000 Mann an; trotzdem griff ihn Cornwallis am 15. März bei Guilfords-Court an und siegte. Aber auch die Engländer hatten große Verluste und waren wegen Mangel an allem genötigt, den Rückzug auf Wilmington an der Küste fortzusetzen, wo Cornwallis für derartige Fälle von Charleston aus Depots hatte anlegen lassen. Im Inneren von Südcarolina stand noch ein kleines englisches Heer unter Lord Rawdon; gegen dieses wandte sich Greene.