Es sei hier gleich erwähnt, daß dieser kleine Krieg nicht zur Entscheidung beitrug. Rawdon verteidigte sich gut, mußte aber schließlich doch auf Charleston zurückgehen und ward hier eingeschlossen, als sich der Hauptkrieg nach Virginien zog und die beiden Carolinas sowie Georgien ganz den Amerikanern zufielen.
Cornwallis hatte nun die Wahl, nach Erholung seiner Truppen aufs neue um die Herrschaft in Carolina zu kämpfen oder nach Virginia zu marschieren und der dort operierenden Expedition die Hand zu reichen. Er wählte das letztere, da er sich für ersteres zu schwach fühlte und außerdem den Kampf um das Chesapeakegebiet für wichtiger hielt. Er überließ Rawdon seinem Schicksal. Nach 18tägiger Ruhe trat er am 25. April den Marsch an, vereinigte sich am 20. Mai in Petersburg mit den Truppen des Generals Arnold und übernahm den Oberbefehl.
Clinton war mit dem von Cornwallis auf eigene Faust unternommenen Zuge durchaus nicht einverstanden. Er schrieb: „Operationen im Chesapeakegebiete sind so lange mit großer Gefahr verknüpft, als wir nicht einer ununterbrochenen Seeherrschaft sicher sind. Ich zittere vor den verhängnisvollen Folgen, die daraus entstehen können.“ In den Carolinas auf Charleston zurückgetrieben, war die englische Macht nur noch auf zwei Stellen konzentriert, in New York und an der Chesapeakebucht. Da New Jersey und Pennsylvanien in der Hand der Gegner waren, hing die Verbindung der beiden Kriegsschauplätze vollständig von der Offenhaltung des Seeverkehres ab. Aber trotz seines ungünstigen Urteils über das Vorgehen Cornwallis' hatte ja Clinton selber schon eine starke Abteilung im Chesapeakegebiete aufs Spiel gesetzt!
Chesapeakebucht 16. März 1781.
Die englische Expedition gegen Virginia. Erste Seeschlacht vor der Chesapeakebucht, 16. März 1781. Ende Dezember 1780 ging Arnold mit 1600 Mann nach der Chesapeakebucht, drang den Jamesfluß hinauf, verheerte das Land, ohne nennenswerten Widerstand zu finden und setzte sich dann in Portsmouth, einem als maritimem Stützpunkt geeigneten Platze, fest. Washington bat Rochambeau und Des Touches, den schwachen amerikanischen Kräften in Virginien Unterstützung zu bringen. Die Gelegenheit hierzu erschien nicht ungünstig, da das englische Geschwader augenblicklich geschwächt war. Arbuthnot hatte nämlich drei seiner Schiffe in See gehabt, um drei französische abzufangen, die zur Aufnahme eines von Europa erwarteten Transportes ausgelaufen waren. In einem Sturme wurden zwei der englischen Schiffe entmastet und das dritte strandete, während die französischen vor Ausbruch des Unwetters wieder einlaufen konnten. Aber gerade dieses Mißgeschick der Gegner bestimmte Des Touches, nicht sein ganzes Geschwader den Unbilden der Jahreszeit auszusetzen; er sandte nur ein Linienschiff nebst 2 Fregatten am 9. Februar zur Chesapeakebucht. Diese richteten aber nichts aus, da sich Arnolds kleinere Fahrzeuge in den Flüssen verbargen; sie kehrten Ende des Monats zur Flotte zurück, wobei ihnen allerdings eine von Charleston kommende Fregatte in die Hände fiel. Inzwischen hatte Washington aber doch die französischen Führer zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen Arnold gewonnen.
Die Amerikaner setzten Lafayette mit 1200 Mann nach Virginien in Bewegung und Des Touches ging am 8. März bei Einbruch der Nacht mit seinem ganzen Geschwader, sowie 1100 französischen Soldaten in See. Arbuthnot, der seeklar am Eingange der Gardinerbucht lag, folgte sofort. Da seine Schiffe sämtlich gekupfert waren, von den französischen nur drei, vielleicht auch infolge größerer seemännischer Geschicklichkeit, überholte er den Gegner. Am 16. März 6 Uhr vorm. meldete eine Fregatte, daß dieser 2–3 Seemeilen achteraus stehe; wegen nebligen Wetters hatte man ihn bislang nicht gesehen. Zu dieser Zeit lagen die Geschwader etwa 40 Seemeilen nordöstlich vom Eingange der Chesapeakebucht; der Wind war westlich, so daß sie nicht unmittelbar in die Bucht einlaufen konnten und das englische Geschwader stand zwischen der Einfahrt und dem französischen (Plan A, A′). Arbuthnot drehte sofort um und steuerte nach Norden auf den Feind zu; nach einigen Manövern bei beständig umspringendem Winde kam es bald nach Mittag zur Schlacht.
Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 16. März 1781[161]. Beide Geschwader zählten 8 Schiffe in der Linie, und zwar das englische ein Schiff zu 98 Kanonen, 3 zu 74, 3 zu 64, 1 zu 50 und das französische ein Schiff zu 84, 2 zu 74, 4 zu 64, 1 zu 44; hierzu traten 4 englische und 3 französische Fregatten. Die Engländer waren also an Geschützen nicht unwesentlich überlegen.
Bald nachdem die Engländer den Kurs nach Norden aufgenommen hatten, drehte der Wind nach Nord, wodurch die Franzosen in die Luvstellung kamen. Des Touches bildete nun die Gefechtslinie über Steuerbordbug, steuerte also östlich; Arbuthnot folgte seinem Beispiele. Der Wind drehte weiter, bis er gegen Mittag auf NO stehen blieb und stürmisch mit aufkommender hoher See wurde. Die bessere Segelfähigkeit der englischen Schiffe brachte sie nach und nach näher an die französischen heran, so daß des Touches seine Nachhut bedroht sah (Plan B, B′). Um dieser Gefahr entgegenzutreten, legte er sein Geschwader über den anderen Bug und ging dem Feinde entgegen. Da er noch Zeit genug hatte, führte er das Manöver im Kontremarsch aus. Er wollte nach französischem Brauche den unvermeidlichen Kampf in der Leestellung aufnehmen, was in diesem Falle auch den Vorteil bot, daß die Schiffe die untersten Batterien verwenden konnten, die in der Luvstellung des starken Überliegens halber die Pforten geschlossen halten mußten. Er zog nun mit seiner Linie vor der Spitze der englischen vorüber und steuerte dann westlich.