Arbuthnot segelte zunächst weiter, bis er etwa 2 Uhr nachmittags querab vom Feinde war, halste dann im Kontremarsch (C, C′) und ging an ihn heran. Die Franzosen eröffneten schon das Feuer, während die Engländer noch ihr Manöver ausführten, und um 2½ Uhr lagen beide Linien im Gefecht. Der englische Admiral hatte das Signal zum „Nahgefecht“ nicht geheißt, dagegen das für „Gefechtslinie“ wehen lassen. Infolgedessen zögerten die hinteren Schiffe mit dem Nahangriff, und die bekannten Nachteile der englischen Taktik traten schroff hervor: die drei vorderen Engländer hatten beim Herangehen schweres Enfilierfeuer auszuhalten, kamen früher sowie auf nähere Entfernung zum Kampf als die hinteren (D, D′) und litten sehr. Des Touches nützte dies aus. Er befahl seinen vorderen Schiffen, auszuweichen, führte die übrigen unter lebhaftem Feuer an der englischen Spitze vorüber, halste im Kontremarsch und segelte nach Osten ab (E′). Arbuthnot hatte zwar die Absicht, ihm zu folgen, aber seine vordersten Schiffe waren augenblicklich manövrierunfähig, er mußte auf seinem westlichen Kurse bleiben (E). So endete der Kampf.
Die Verluste betrugen auf englischer Seite 30 Tote und 73 Verwundete, auf französischer 73 und 112.
Die Schlacht blieb taktisch unentschieden, da sie nicht bis zum äußersten durchgefochten wurde; doch war sie ein strategischer Erfolg der Engländer. Ihre Flotte lief während der Nacht in die Bucht ein, Des Touches segelte nach Rhode-Island zurück, da sich der Kriegsrat am 17. dahin entschied, daß man die Landung der Truppen nicht ausführen könne.
In Hinsicht auf die Seekriegsgeschichte ist die Schlacht ein gutes Beispiel zu unseren fortlaufenden Betrachtungen über die Taktik der beiden Gegner und die Strategie der Franzosen. Arbuthnot war stärker, tat aber dem Feinde keinen Abbruch. Dies war eine Folge der alten englischen Angriffsart, die um so mehr hervortrat, als der Admiral das Signal, die Linie zu halten, hatte wehen lassen. Dies wurde ihm auch zum Vorwurf gemacht, und es ergibt sich daraus, daß man es in England mehr und mehr als fehlerhaft erkannte, unbedingt die Ordnung zu wahren. — Des Touches verfuhr seinerseits nach der französischen Defensivtaktik, er wählte sogar freiwillig die Leestellung und nutzte dann auch die günstige Lage geschickt aus. Den errungenen Vorteil aber, die Lahmlegung von drei feindlichen Schiffen, verfolgte er nicht. Hätte er den Kampf wieder aufgenommen, so würde er wahrscheinlich seine Aufgabe haben lösen können; die dem französischen Offizierkorps anerzogene Scheu vor entscheidenden Kämpfen hielt ihn aber davon ab.
Allerdings machte man Des Touches Vorwürfe über sein Verhalten, und weder ihm noch seinen Kommandanten wurde Anerkennung für das geschickt geführte Gefecht zuteil. Wie tief aber die vorsichtige Kriegführung im französischen Offizierkorps eingewurzelt war, zeigt der Bericht des Admiral Barras, der kurz nach der Schlacht an Des Touches' Stelle trat und sich für diesen verwandte. Er schrieb, nachdem er den taktischen Erfolg hervorgehoben hatte: „Daß die Engländer ihre strategische Aufgabe lösten, war eine Folge ihrer Überlegenheit und noch mehr des Umstandes, daß dieselbe eine rein defensive war. Es ist ein Grundsatz im Kriege, viel zu wagen, um die eigene Lage zu verteidigen, aber sehr wenig, um die des Gegners anzugreifen. Des Touches' Aufgabe war eine rein offensive, und er tat recht, sie aufzugeben, da es unwahrscheinlich war, daß er den überlegenen Gegner nicht nur schlüge, sondern auch völlig vernichte[162].“ Mahan bemerkt hierzu (Clowes III, Seite 493) sehr treffend: „Diese Erhebung der Defensive über die Offensive, dieses hemmende Rechnen mit Möglichkeiten, diese Scheu vor Wagnissen erklären die geringen Erfolge der Franzosen in diesem Kriege.“
Des Touches erreichte am 18. März die Narragansettbucht, Anfang April stieß ein Linienschiff mit Munition, sowie 600 Soldaten von Frankreich zu ihm, und am 10. Mai langte auf einer Fregatte der Chef d'Escadre de Barras an, der den Oberbefehl übernahm. Auch Arbuthnot traf bald nach der Schlacht wieder in New York ein und begab sich auf seine Beobachtungsstellung in der Gardinerbucht; am 2. Juli wurde er durch den Kontreadmiral Sir Thomas Graves im Kommando abgelöst.
Virginia wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges, Sommer 1781. Des Touches überließ durch seinen Rückzug den Engländern die Chesapeakebucht und Clinton sandte sofort (Ende März) den General Phillips mit 2000 Mann dorthin. Dieser übernahm den Oberbefehl, segelte während des Monats April den Jamesfluß hinauf, landete an verschiedenen Stellen, trieb die amerikanischen Milizen auseinander und verwüstete das Land planmäßig. Anfang Mai ging er wieder flußabwärts und erhielt am 7. Mai von Cornwallis, der jetzt aus Carolina herangekommen war, Befehl, sich mit ihm in Petersburg zu vereinigen. Lafayette war Phillips beobachtend gefolgt und versuchte vergeblich, Petersburg vor diesem zu erreichen, entzog sich aber doch dem Angriff durch Cornwallis. Die Vereinigung der englischen Heere fand am 20. Mai statt, nachdem Phillips kurz vorher einem Fieber erlegen war. Schon am 24. überschritt Cornwallis den Jamesfluß, um Lafayette anzugreifen, der vor Richmond Stellung genommen hatte. Dieser wich jedoch weiter aus und erhielt bald darauf Verstärkung.
Cornwallis blieb bei Williamsburg stehen, um die Halbinsel zwischen dem James- und dem Yorkflusse zu halten. Hier bekam er Befehl, einen Teil seines Heeres an Clinton zurückzusenden, der sich in New York unsicher fühlte. Es zeigte sich jetzt also die Folge seines Fehlers, daß er die so schon kaum genügenden Kräfte auf zwei nur über See in Verbindung stehende Kriegsschauplätze verteilt hatte. Cornwallis wollte nun auf Portsmouth zurückgehen, um dem Meere näher zu sein. Beim Übergang über den Jamesfluß wurde er von Lafayette angegriffen; der nur noch die Nachhut vor sich zu haben glaubte und eine schwere Niederlage erlitt. Cornwallis erhielt jetzt mit dem Widerruf des letzten Befehls den Auftrag, sich in Yorktown am Südufer in Gloucester am Nordufer des Yorkflusses festzusetzen und die Halbinsel zu behaupten. Er verfügte dazu über etwa 7000 Mann, 1 Schiff zu 50 Kanonen und einige kleinere Fahrzeuge; ihm gegenüber lag Lafayette mit etwa 1800 Regulären und 3000 Milizen (Ende August). Hier sollte sich der Landkrieg entscheiden, da die Verbündeten bald mit weitüberlegenen Kräften auftraten.
Mit dem Admiral Barras war der Sohn des Generals Rochambeau von seiner Sendung nach Frankreich zurückgekehrt und hatte berichtet, de Grasse habe Befehl, während der Orkanzeit von Westindien nach Nordamerika Schiffe zu senden. Daraufhin kamen Washington und Rochambeau am 21. Mai zusammen, um einen Kriegsplan aufzustellen. Man zog den Angriff auf New York, sowie eine große Expedition nach Virginia in Erwägung und entschied sich für letztere, hauptsächlich in der Annahme, daß de Grasse nach den Erfahrungen d'Estaings vor New York lieber in der Chesapeakebucht bleiben würde. Man beschloß, sofort die französischen Truppen zu den amerikanischen am Hudson heranzuziehen, um so zu beiden Unternehmungen bereit zu sein, falls de Grasse wider Erwarten den Angriff auf New York vorziehe.
Nach einer zweiten Beratung am 20. Juni ward dann eine Fregatte nach Westindien gesandt, um dem Admiral Kenntnis von den Plänen zu bringen und ihn um baldiges Kommen zu bitten. Dieses Schiff nahm auch amerikanische Lotsen mit; Barras, der mit de Grasse gleichzeitig Frankreich verlassen hatte, war von diesem hierzu beauftragt worden. Die Fregatte traf bekanntlich den Admiral in Cap Français und kam schon am 15. August mit der Nachricht zurück, daß er Anfang August nach der Chesapeakebucht unter Segel gehen werde. Inzwischen war Ende Juli die Vereinigung am Hudson erfolgt, und man verstärkte die Tätigkeit vor New York, um Clinton über den eigentlichen Plan zu täuschen. Am 19. August traten dann plötzlich 2000 Amerikaner und 4000 Franzosen den Marsch nach Virginia an und erreichten am 3. September Philadelphia. Hier erhielt man zunächst die beunruhigende Nachricht, daß Hood von Westindien in New York angekommen sei, aber gleich darauf erfuhr man de Grasses Eintreffen vor der Chesapeakebucht und stand schon am 5. September mit ihm in Verbindung.