Das französische Geschwader in der Narragansettbucht, 8 Linienschiffe und 4 Fregatten, ging am 25. August nach der Chesapeakebucht in See; es führte auf 18 Transportern Truppen nebst einem Belagerungspark mit sich. Barras hatte anfangs Bedenken geäußert: er könne mit Graves in New York, der außerdem noch Verstärkung aus England entgegensehe, oder mit der aus Westindien sicher zu erwartenden englischen Flotte zusammenstoßen; de Grasse sei aber mit 24 Linienschiffen auch ohne ihn jedem Gegner gewachsen und habe ihm ja, wohl aus diesem Grunde, freie Hand gelassen. Da wolle er lieber eine Diversion gegen Neufundland unternehmen. Er fügte sich jedoch später, nahm aber der Sicherheit halber seinen Kurs nach Süden weit von der Küste und steuerte die Bucht erst auf der Breite vom Kap Henry an. So traf er dort unbelästigt, aber erst am 10. September ein, als die Lage in der Hauptsache bereits entschieden war.

Barras' Einwurf war durchaus berechtigt, denn Graves war stark genug, ihn mit seinem Transporte zurückzuweisen, wie es Arbuthnot mit Des Touches geglückt war; er traf auch tatsächlich früher vor der Bucht ein als Barras. Mit Rücksicht auf Graves' Stärke hatte man sogar kurze Zeit vorher daran gedacht, das französische Geschwader nach Boston zurückzuziehen.

De Grasse und Hood treffen ein. Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781. Admiral Hood war am 25. August vor der Bucht angelangt. Da man aber in New York nichts von seinem Kommen wußte, fand er keine Nachrichten über die Lage vor, segelte weiter und ankerte am 28. bei Sandy Hook. Am Abend dieses Tages erfuhr man in New York die Abfahrt der Franzosen von Rhode-Island. Admiral Graves kam mit 5 Linienschiffen und einem 50-Kanonenschiffe, die allein völlig seebereit waren, aus dem Hafen, übernahm den Oberbefehl und segelte am 31. August zur Verfolgung ab. Man wußte jetzt, daß das Heer der Verbündeten im Eilmarsch nach dem Süden zog, auch wollte man versuchen, Barras und de Grasse einzeln zu schlagen; letzteren schätzte man, wie auch Rodney getan hatte, auf nur etwa 14 Schiffe.

De Grasse erreichte die Chesapeakebai am 30. August und ankerte in der Lynnhavenbucht hinter Kap Henry. Er ließ trotz des weiten Weges die mitgebrachten 3300 Soldaten durch die Ruderboote der Flotte nach dem Jamesflusse befördern und dort landen, auch sandte er 4 Linienschiffe mit, um diese Überführung zu decken, die englischen Schiffe im Yorkflusse festzuhalten und um dem englischen Heere unter Cornwallis den Rückzug über den Jamesfluß zu verlegen.

Lafayette wurde durch die Gelandeten auf 8000 Mann verstärkt und rückte bis Williamsburg vor. Am 5. September früh erhielt de Grasse eine Bitte Washingtons, seine Truppen von Philadelphia nach Virginien überzusetzen; der Admiral bestimmte hierfür auch 7 Linienschiffe, wollte jedoch zuvor noch die Rückkehr der entsandten Boote abwarten. Um 9 Uhr vormittags meldete ihm eine Ausguckfregatte das Nahen einer großen Flotte. Man hielt diese zunächst für das Geschwader Barras' mit den Transportern, entnahm aber bald aus der Anzahl der schweren Schiffe, daß es Engländer sein müßten. De Grasse beschloß, ihnen vor der Bucht entgegenzutreten und ging um Mittag in See, als die Ebbe einsetzte. Graves war seinerseits auf das peinlichste überrascht, auf eine überlegene Flotte zu stoßen, zögerte aber keinen Augenblick mit dem Angriff. Die Schwerfälligkeit der englischen Methode ließ jedoch seine Tapferkeit zuschanden werden.

Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.

Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 5. September 1781[163]. Die französische Flotte zählte 24 Linienschiffe und zwar: 1 Schiff zu 104 Kanonen („Ville de Paris“, das größte und schönste Schiff jener Zeit), 3 zu 80, 17 zu 74, 3 zu 64; die englische Flotte zählte 19 Schiffe: 2 zu 90, 12 zu 74, 1 zu 70, 4 zu 64, 1 zu 50 (dieses stand nicht in der Linie).

Die Mündung der Bucht vom Kap Charles bis Kap Henry ist etwa 10 Seemeilen breit; die Haupteinfahrt befindet sich zwischen letztgenanntem Kap und einer 3 Seemeilen entfernten Bank, dem Mittelgrunde. Als die englische Flotte gesichtet wurde, segelte sie von Norden mit südwestlichem Kurse auf die Einfahrt zu und bildete bei der Annäherung Kiellinie. Der Wind war NNO, viele der französischen Schiffe mußten beim Inseegehen einige Schläge machen, um das Kap Henry zu passieren; die Bildung der Linie dauerte infolgedessen längere Zeit, und sie war anfangs weder gut geschlossen noch ausgerichtet. De Grasse steuerte über Steuerbordbug beim Winde nach Osten; um 2 Uhr nachmittags stand seine Vorhut querab von der Mitte der Engländer.