Für die Nautik ist zu erwähnen, daß die Ortsbestimmung auf See dadurch sehr erleichtert wurde, daß man von 1772 an brauchbare Chronometer anfertigte (vgl. Band I, Seite [167]), daß die nautischen Hilfstafeln vervollkommnet, die Leuchttürme vermehrt und mit bessern Lichtern versehen, die Seekarten fortlaufend vervollständigt wurden. Wissenschaftliche Seereisen trugen hierzu bei. 1736 konstruierte Harrison einen Chronometer, der auf einer Reise nach und von Westindien trotz schlechten Wetters nur 1m 56s verlor. Ein weiter verbessertes Instrument bewährte sich auf einer Entdeckungsreise des belgischen Kapitäns Byron in die Südsee 1764–1766. Auch die Franzosen sandten Schiffe zur Erprobung von Chronometern aus (Fleurien 1769, Borda 1771 und 1774). Etwa von 1772 an werden Chronometer an Bord der Kriegsschiffe allgemeiner eingeführt.

Die wissenschaftlichen Reisen beschränkten sich nicht auf geographische und hydrographische Forschungen in den bereits bekannten Gewässern; es wurden auch planmäßige Entdeckungsreisen unternommen. Da ihre Ergebnisse mehr geographisch als politisch oder militärisch wichtig sind, seien nur die hervorragendsten kurz erwähnt. Durch russische Seeleute wurden von 1728 an die Nord- und Ostküsten Asiens besucht; der Däne Bering erforschte in russischem Dienste 1725 das Meer von Kamtschatka, durchfuhr 1728 die nach ihm benannte Straße und besuchte 1741 die Nordwestküste Amerikas. Die Reise des englischen Admirals Anson 1739–1741 brachte die genauere Kenntnis der Marianen-Inseln. Von französischen Seeoffizieren entdeckte Bougainville, der erste Weltumsegler Frankreichs, 1756–1759 die Salomon-Inseln und den Bismarck-Archipel, Kerguelen 1771–1774 die nach ihm benannten Inseln, Lapérouse erforschte 1785–1788 die japanischen und koreanischen Gewässer.

Am meisten ist aber dem englischen Kapitän James Cook zu verdanken, der schon 1764–1767 die Küste von Neufundland aufgenommen hatte. Nach Tahiti zur Beobachtung des Venusdurchganges gesandt, umfuhr er 1769–1771 Neuseeland und stellte damit fest, daß diese Insel entgegen der bisherigen Annahme nicht der Ausläufer eines südpolaren Festlandes sei; er erforschte die Ostküste Australiens und fand die Torresstraße, deren erste Entdeckung unbekannt geblieben war (vgl. Band I, Seite [75]). Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Regierung auf Botanybay als geeignet zur Kolonisation, die dann 1788 durch Hinführung der ersten Sträflinge begann. 1772 umsegelte er die Erde von West nach Ost zwischen 60 und 70° südlicher Breite und stellte fest, daß sich kein südpolarer Kontinent bis in die gemäßigte Zone erstrecke. 1776–1779 entdeckte er den Cook-Archipel, sowie die Sandwich-Inseln und erforschte beim Suchen nach einer Nordwestpassage die Nordwestküste Amerikas nebst dem nördlichen Teile des Stillen Ozeans bis zur Beringstraße. Durch ihn besonders wurde ein klares Bild von der Begrenzung dieses Weltmeeres sowie der in ihm liegenden Ländermassen und Inselgruppen gewonnen.

Diese wissenschaftlichen und Entdeckungsreisen waren für englische wie französische Seeoffiziere eine gute Schule. Die an ihnen beteiligten Kapitäne und Offiziere haben sich fast durchgängig auch in den Kriegen hervorgetan. Bemerkenswert ist, daß beide Völker bei Ausbruch eines Krieges feindliche Schiffe, die zur Zeit auf einer derartigen Reise begriffen waren, ausdrücklich als neutral und unverletzbar erklärten.

Schiffsklassen (englisch: rates; französisch: rangs). Aus der auf Seite 18 gegebenen Tabelle über die Bestände der englischen Marine in verschiedenen Jahren ergibt sich folgendes (vgl. auch Band I, Seite [178]): Die mittelstarken Linienschiffe kommen immer mehr als Hauptschlachtschiffe

Bestände der englischen Marine nach Schiffsklassen.

KlasseKanonenzahlAnzahl der Schiffe im Jahre
1752[1)]1762[2)]1775[1)]1783[2)]1792[1)]
I100 5 5 4 5 5
II98 und 90 13 16[3)] 17[3)] 20[3)] 16
III64–80 47 88 99141107
In Klasse III 74[4)] 37 57 81 66
waren enthalten 64[4)]? 30 32 49 39
IV60 67[5)] 32 11 8 1
Gesamtzahl der Linienschiffe132141131174129
IV 50[6)] 24 12 23 17
V 44[6)]39 21 4 30 22
38[7)] 2 7 7
36[7)] 4 3 17 14
32[7)] 34 35 61 47
VI
(Post ships)
28[7)]39 23 24 33 28
24[7)] 21 7 12 6
20–22 13 13 15 7
Sloops 8–18[8)] 34 57 38 85 42
Brander ? 11 1 17 9
Mörserboote 4 14 2 4 2
Gesamtzahl der Nichtlinienschiffe116224139304201
Insgesamt248365270478330

Die Tabelle, anschließend an die Band I Seite 178 gegebene, ist zusammengestellt nach Clowes III, Seite 7 und 328.

1) Bestände gegen das Ende einer Friedenszeit,