Washington hatte de Grasse ersucht, noch einen Angriff auf Charleston oder auf Wilmington zu unterstützen. Der Admiral erklärte, seinem Befehle gemäß möglichst bald nach Westindien segeln zu müssen; ein Unternehmen gegen erstgenannte Stadt würde zu langwierig werden, zu einem solchen gegen Wilmington stelle er sich zur Verfügung, wenn es vor dem 1. November begonnen werden könne. Da jedoch die Amerikaner bis dahin nicht bereit waren, segelte er mit dem Versprechen ab, im nächsten Jahre wiederzukommen.

Die Franzosen erobern St. Eustache zurück, 26. November 1781. Der Gouverneur von Martinique, Marquis de Bouillé, hatte erfahren, daß die Engländer seit der Abfahrt der Flotten nach Nordamerika in St. Eustache alle Vorsicht gegen einen Angriff außer acht ließen. Er ging am 16. November mit 2 Fregatten, einer Korvette und 1200 Mann auf einigen Handelsschiffen in See, landete in der Nacht vom 25./26. etwa 6 Seemeilen von der Stadt und rückte auf diese vor. Am 26. um 6 Uhr morgens überraschte er einen Teil der englischen Garnison auf dem Exerzierplatze und drang mit den Flüchtenden in das Fort ein; die übrigen Engländer wurden in der Stadt und in den Kasernen gefangen genommen. Außer etwa 700 Soldaten fiel ein Teil der Beute Rodneys in die Hände der Sieger, die sie den Holländern zurückgaben. Von St. Eustache aus bemächtigte sich Bouillé dann auch der Inseln St. Martin und Saba; nach Fort Royal zurückkehrend, fand er de Grasse dort vor.

Beurteilung der Kriegführung in Westindien und Nordamerika 1781. In Westindien traf Rodney zu Anfang des Jahres auf keinen nennenswerten Widerstand, und so wurde es ihm leicht, sich der holländischen Besitzungen zu bemächtigen. Zu sehr um die Sicherung der Beute besorgt, trug er dann aber der Änderung der Lage keine Rechnung, die durch die Ankunft der großen Flotte nebst Konvoi unter de Grasse entstand. Es war falsch, Hood in Lee der Insel Martinique zu stationieren; de Grasse erhielt dadurch Gelegenheit, den Konvoi nach Fort Royal zu führen. Rodney selber würde wohl anders gehandelt haben. Hood konnte nur der erhaltenen Weisung folgen und, als es ihm nicht gelungen war, seine schwächeren Kräfte in günstiger Lage zum Kampfe zu bringen, seinen Oberbefehlshaber wieder aufsuchen. Hierdurch ging Zeit verloren, und den Franzosen glückte die Wegnahme von Tabago.

Später war Rodney als der Schwächere stets nur imstande, den Gegner in Schach zuhalten und die anderen Inseln, besonders Barbados, zu decken. Wenn er endlich nur einen Teil der Flotte nach Nordamerika sandte, auf die unsichere Annahme hin, der Gegner habe ein gleiches getan, so war auch dies ein Fehler, ist jedoch damit zu entschuldigen, daß die englischen Admirale stets der öffentlichen Meinung zuliebe großes Gewicht auf die Sicherung von Konvois legen mußten.

De Grasse trat in Westindien nicht so tatkräftig auf, wie es die Stärke seiner Flotte erlaubt hätte. Bei Martinique war er Hood gegenüber zu besorgt um den Konvoi, später Rodney gegenüber um die Sicherheit der eroberten Inseln. Es war eben wieder das vorsichtige Handeln der französischen Führer jener Zeit. Hätte er seine Überlegenheit zur Erringung der Seeherrschaft eingesetzt, würde er vielleicht sämtliche Antilleninseln erobert haben; so blieb die feindliche Flotte unversehrt, und Tabago war der einzige Erfolg. Anders zeigte sich de Grasse beim Antritt seiner Fahrt nach Nordamerika.

In Nordamerika waren die Engländer durch die Expedition nach Virginia in eine gefährliche Lage geraten. Anfangs befanden sie sich hier allerdings im Vorteil, und auch der erste Versuch der Verbündeten, ihre Lage zu bessern, schlug fehl, da der französische Admiral Des Touches trotz des im allgemeinen erfolgreichen Zusammenstoßes mit Arbuthnot seine Aufgabe nicht durchführte. Das Vordringen der Engländer in Virginien erhöhte die schon vorhandene Kriegsmüdigkeit in den Kolonien. Der Zeitpunkt schien nicht fern, wo der Kongreß den Krieg hätte beenden müssen, wenn nicht Hilfe kam. Diese sollte die große französische Flotte bringen und den Umstand benutzen, daß die Engländer zur Verbindung zwischen den beiden Kriegsschauplätzen ganz auf den Seeweg angewiesen waren, um sie auf einem derselben überlegen und überraschend anzugreifen.

Ganz richtig wählten Washington und Rochambeau hierzu Virginien. Hier war die englische Stellung schwächer als im Norden, man konnte durch scheinbare Bedrohung von New York den Gegner über den wahren Angriffspunkt täuschen, bis die Flotte die Verbindung unterbrach. Die Chesapeakebucht lag außerdem Westindien näher und ihre Wassertiefen machten sie geeigneter für ein Mitwirken der Seestreitkräfte. Auch de Grasse erkannte die Lage richtig und führte seine Aufgabe mit Entschlossenheit und Tatkraft durch. Er erhob keine Einwände, die Verzögerungen gebracht hätten, sondern beschaffte schnell die verlangten Geldmittel und Truppen und nahm von Seestreitkräften alles mit, was zu erlangen war, obgleich dadurch ein großer Konvoi zurückbleiben mußte.

Mahan (I, Seite 379) sagt hierzu: „Dieser Vorfall beleuchtet eine Schwäche eines handeltreibenden Volkes mit parlamentarischer Regierung dem reinen Militärstaat gegenüber. So schrieb ein Offizier jener Zeit, wenn die britische Regierung eine derartige Maßnahme (d. i. Zurückhaltung des Konvois) gebilligt oder ein englischer Admiral sie angeordnet hätte, so wäre die erstere gestürzt und letzterer gehängt worden.“ Wie eben erwähnt, hatte Rodney seine Flotte durch Konvoibegleitungen geschwächt.

So war de Grasse rechtzeitig in genügender Stärke zur Stelle, beschäftigte dann Graves mit Kaltblütigkeit, bis Barras zu ihm stieß, und unterstützte schließlich die Operationen des Heeres. Die französische Flotte trug in erster Linie zum Falle von Yorktown und damit zur Beendigung des Krieges in Nordamerika bei.

De Grasse fand volle Anerkennung in Amerika. Der Kongreß sprach ihm seinen Dank aus und schenkte ihm vier der eroberten Kanonen, die der Admiral später vor seinem Schlosse de Tilly im Departement Seine et Oise aufstellte. Noch mehr mußte ihn die Anerkennung Washingtons befriedigen, dieses tüchtigen Kriegs- und Staatsmannes, der wie niemand sonst die Hilfsquellen seines Landes, sowie die Schwierigkeit des Kampfes kannte. Dieser schrieb ihm nach der Übergabe von Yorktown: „Die Übergabe...., wofür die Ehre Eurer Exzellenz gebührt, ist unserer hoffnungsvollsten Erwartung vorausgeeilt.“ Er bittet dann um weitere Unterstützung und fährt fort: „Die Überlegenheit der Engländer zur See vor Ihrer Ankunft gab ihnen entscheidende Vorteile durch den schnellen Transport von Truppen und Vorräten,[343] während die Märsche, die unsere Verstärkungen machen mußten, sie der Gefahr aussetzten, einzeln geschlagen zu werden. Es hängt von Ew. Exzellenz ab, den Krieg zu beenden.“ Als de Grasse diese Aufforderung ablehnte, aber auf das nächste Jahr verwies, nahm Washington dies an und fügte hinzu: „Ich brauche Ew. Exzellenz gegenüber nicht auf die unabweisbare Notwendigkeit einer so starken Seestreitkraft zurückzukommen, die Ihnen die unbedingte Überlegenheit sichert.... Sie werden bemerkt haben, daß bei allen Anstrengungen des Landheeres der Marine stets das entscheidende Wort in dem gegenwärtigen Kampfe zufällt.“ — Mahan I, Seite 383–386, bringt weitere Auszüge aus Briefen Washingtons, auch an andere Personen, die bezeugen, welch hohen Wert er der Kriegführung zur See beimaß.