Schon am 11. Februar verließ Admiral de Guichen, sobald die Schiffe ihre im Dezember erlittenen Beschädigungen ausgebessert hatten, mit 16 Linienschiffen, von denen 2 nur als Flüten armiert waren, und 11 Fregatten Brest. Drei Linienschiffe waren nebst einem großen Konvoi mit Vorräten für das dortige Geschwader nach Westindien, zwei nach Ostindien bestimmt; sie trennten sich an der spanischen Küste von der Flotte. Hier ward auch am 15. Februar La Motte-Picquet mit 4 Linienschiffen abgezweigt, um in der Biskaya und vor dem Kanal zu kreuzen; er machte einige Prisen, erlitt aber schon am 23. in einem schweren Sturme arge Schäden und lief am 26. wieder in Brest ein. Am Wiederauslaufen wurde er bald durch überlegene englische Kräfte gehindert. Guichen erreichte am 11. Februar mit 5 Schiffen Cadiz und trat unter den Oberbefehl des spanischen Admirals Cordoba, der hier mit 27 Linienschiffen lag; 11 spanische, sowie 2 französische befanden sich außerdem unter Admiral Moreno bei Algeciras.
Die englische Kanalflotte, die insgesamt nur 35 Linienschiffe zählte, während sie mit einer feindlichen Macht von gegen 60, einschließlich der holländischen, rechnen mußte, eröffnete den Feldzug mit vorsichtigen kleinen Operationen, je nachdem die Schiffe bereit wurden. Den Oberbefehl führte Lord Howe, der durch den Wechsel im Ministerium aus seiner langen Untätigkeit erlöst war; unter ihm befehligten die tüchtigen Admirale Barrington und Kempenfelt. Der erstere kreuzte in der zweiten Hälfte des April mit 12 Linienschiffen vor dem Kanal, um die Franzosen in Brest festzuhalten, feindliche Konvois abzufangen und den eigenen Handel zu schützen. Er hatte einen nicht unbedeutenden Erfolg.
Barrington vernichtet einen Transport für Ostindien. Am 20. April 1782 mittags sichtete der Admiral südwestlich von Ouessant 18 französische Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial für Ostindien, die durch 3 Linienschiffe (eins als Flüte armiert) nebst einer Fregatte geleitet wurden, und jagte sie. Die Franzosen flohen zur Küste zurück, aber das Linienschiff „Pegasus“ von 74 Kanonen wurde am Abend vom Kapitän Jervis, dem später berühmten Admiral, mit dem „Foudroyant“ von 80 Kanonen, der den anderen Engländern weit voraus war, eingeholt und nach einem dreistündigen Nachtgefecht genommen. Jervis fing dann noch 13 Transporter und ein anderes englisches Schiff bemächtigte sich des als Flüte armierten Linienschiffes. Wie der Verlust des Konvois überhaupt, so war die Wegnahme dieses Schiffes im besonderen[346] ein harter Schlag für den in Ostindien schwer ringenden Admiral Suffren, denn es führte Rundhölzer für vier Linienschiffe an Bord. Jervis erhielt für seinen Erfolg den Bathorden, der Kommandant des „Pegasus“ ward aus dem Dienste entlassen. Man war in Frankreich über seine Niederlage empört, da man sich bisher schmeichelte, in Einzelgefechten von annähernd gleichstarken Schiffen meist den Sieg davongetragen zu haben. Der Verurteilte fand aber in der Marine Verteidiger, die auf die ungünstigen Verhältnisse hinwiesen, unter denen er gefochten habe: „Das Schiff sei erst am 11. April auf die Rhede gegangen, kaum ausgerüstet und so mangelhaft bemannt, daß ein junger Unterleutnant die unterste schwerste, Batterie befehligt habe; der Kapitän habe erst am 13. das Kommando übernommen und schon am 19. in See gehen müssen.“ Es sind dies wohl zu beachtende Umstände für die Beurteilung der französischen Marine jener Zeit.
Als Barrington Ende April nach Portsmouth zurückgekehrt war, ging Kempenfelt mit 8 Linienschiffen zum Kreuzen in See.
Anfang Mai erfuhr man in England, Holland beabsichtige, in Texel ein größeres Geschwader zu sammeln, das nach auswärts bestimmte Handelsschiffe geleiten und sich dann mit der französisch-spanischen Flotte vereinigen solle. Die holländischen Handelsschiffe für die Ostsee, die durch die Schlacht auf der Doggerbank im August 1781 zurückgetrieben waren, hatten bislang nicht segeln können, da man ihnen keine genügende Begleitung zu geben vermochte, und heimgekehrte West- sowie Ostindienfahrer warteten in den norwegischen Häfen auf Abholen; der holländische Handel lag brach, nur den nach Westindien bestimmten Schiffen war es Anfang April gelungen, durch die Nordsee abzusegeln. Ehe nun aber das holländische Geschwader — durch verspätete Fertigstellung der Schiffe und weiter durch widrige Windverhältnisse aufgehalten — völlig versammelt war, erschien Lord Howe mit 12 Linienschiffen an der Küste und verhinderte dessen Auslaufen während mehrerer Wochen, bis eine an Bord der Schiffe ausbrechende Epidemie ihn zwang, nach Portsmouth zurückzugehen. Hier stieß Kempenfelt zu ihm, der seine Kreuztour aufgegeben hatte, wahrscheinlich weil die große Flotte der Verbündeten nahte. England hielt aber weiter die Nordsee unter Beobachtung, so daß die Holländer nicht wagten, ihr Geschwader auslaufen zu lassen, während die englischen Handelsschiffe unbelästigt die Nordsee passierten; die holländischen Ostseefahrer segelten später teilweise unter schwedischer Flagge und durch schwedische Kriegsschiffe geleitet.
Die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal, Sommer 1782. Admiral Cordoba hatte während des Monats April mit seiner Flotte — 27 spanischen und 5 französischen Linienschiffen — vor der Straße von Gibraltar gekreuzt, am 4. Juni trat er die Fahrt nach dem Norden an; die bislang in Brest blockierten französischen Schiffe sollten sich anschließen und man rechnete auch auf die Holländer. Am 25. traf die Flotte auf einen englischen Konvoi von 27 Fahrzeugen, der nach Neufundland sowie Kanada bestimmt und von 4 Kriegsschiffen geleitet war; es gelang ihr aber nur, 17 Handelsschiffe zu nehmen. Am 8. Juli stieß La Motte-Picquet bei Ouessant mit 8 Linienschiffen zu ihr; sie war nun 40 Schlachtschiffe stark. In England erwartete man den großen Westindienkonvoi unter Deckung des bisherigen Chefs der Jamaikastation, Sir Peter Parker, mit nur 3 Linienschiffen und entsandte am 2. Juli Lord Howe mit 22, um ihn aufzunehmen.
Die Gegner sichteten sich am 12. Juli westlich der Scillyinseln. Cordoba suchte den Kampf, aber Howe wich aus. Während der nun folgenden Jagd kam nur La Motte, dem ein selbständiges Geschwader von 4 Franzosen und 4 Spaniern unterstellt war, näher an den Feind heran; während der Nacht verlor man diesen aber aus Sicht und fand ihn nicht wieder. Die Verbündeten schrieben dies der größeren Schnelligkeit der englischen, sämtlich gekupferten Schiffe zu, tatsächlich aber hat Howe seine Flotte zwischen den Scillys und Kap Landsend hindurch nach Westen geführt. Er setzte sich so zwischen den Feind und den erwarteten Konvoi und lief Ende Juli, als Cordoba durch stürmisches Wetter nach Süden vertrieben war, mit den Handelsfahrzeugen unbelästigt in den Kanal ein; auf der Rückfahrt stießen noch 9 Linienschiffe zu ihm, die wahrscheinlich bei Howes Abfahrt in der Nordsee waren. Cordoba kreuzte noch einige Wochen, hauptsächlich in der Biskaya, und traf dann am 6. September in Cadiz ein. So war auch in diesem Jahre das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten im Norden ohne jede Bedeutung geblieben. Die französischen Offiziere klagten mit Recht darüber, daß man die Verfolgung nicht bis zu den Häfen des Gegners durchgeführt habe; wie die Sache lag, hätte man ihn sogar von diesen abgeschnitten, und eine Vereinigung mit den Holländern wäre wahrscheinlich auch möglich gewesen.
Die Tätigkeit der holländischen Marine 1782 sei kurz berührt. (Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 561 ff.) Als man in Holland Gewißheit hatte, daß die Flotte der Verbündeten vor dem Kanal erscheinen würde, lief am 7. Juli ein Geschwader von einem Linienschiff zu 74 Kanonen, 6 zu 60–68, 9 zu 54, sowie 9 schweren Fregatten unter Vizeadmiral Hartsinck von Texel aus. Es geleitete Westindienfahrer durch die Nordsee, bis sie ihre Reise um Schottland unter dem Schutze einiger Fregatten voraussichtlich ungefährdet fortsetzen konnten. Es kreuzte und übte dann in diesem Meere. Prisen fielen ihm nicht in die Hände, weil England seine Handelsschiffe zurückhielt. Ein abgezweigter Teil holte die in Norwegen angesammelten Kauffahrer ab, ein anderer führte solche nach der Ostsee. Mitte August kehrte Hartsinck zum Auffüllen von Proviant nach Texel zurück und ward dann wieder durch die Engländer blockiert. Als England im September alle verfügbaren Schiffe nach Gibraltar gesandt hatte, beabsichtigte man, auf Ersuchen Frankreichs ein Geschwader nach Brest zu schicken, das im nächsten Jahre mit den Verbündeten zusammenwirken sollte. Der schlechte Zustand der Schiffe, sowie Uneinigkeit zwischen den beiden großen Parteien im Lande gerade in betreff dieser Sache verzögerte die Abfahrt, und schließlich wagte man sie nicht mehr, weil man ein Zusammentreffen mit der von Gibraltar zurückkommenden englischen Flotte fürchtete.
Lord Howe segelt mit Zufuhren nach Gibraltar. Nach Rückkehr von seiner Kanalfahrt erhielt der Admiral den Auftrag, eine Expedition vorzubereiten, um Gibraltar Truppen und Vorräte zuzuführen; die Festung war seit der Fahrt Darbys im April 1781 ohne jede Unterstützung geblieben. Für diese wichtige und gefährliche Aufgabe wurden die gesamte Kanalflotte — 34 Linienschiffe, ein Dutzend Kreuzer, einige Brander —, sowie 31 Transporter in Portsmouth zusammengezogen. Schon am 11. September ging die Flotte in See; etwa 100 Kauffahrer, Konvois für alle fernen Meere, schlossen sich ihr an.