Der Untergang des „Royal George“. Die Ausrüstung dieser Flotte brachte der englischen Marine einen empfindlichen Verlust. Die Schiffe waren viel in See gewesen und vielfach ausbesserungsbedürftig, es gebrach aber an Zeit, sie in Trockendocks aufzunehmen. So wurde unter anderen der „Royal George“, ein Schiff mit 100 Kanonen, Flaggschiff des Admirals Kempenfelt, am 29. August auf der Rhede von Spithead auf die Seite gelegt, um einige Arbeiten an Unterwasserteilen vorzunehmen; ein Manöver, das nur bei stillem Wetter und ruhigem Wasser ausgeführt werden darf. Die Lage der schadhaften Stelle verlangte ein ungewöhnlich weites Überlegen und der Zufall führte eine Katastrophe herbei. Es war Löhnungszahltag dicht vor der Abreise und infolgedessen befanden sich außer der 8–900 Köpfe starken Besatzung zahlreiche Frauen und Kinder der Leute, sowie Händler an Bord, so daß durch das Gewicht und die Bewegungen der vielen Menschen die Gefahr des Kenterns vergrößert wurde. Ungefähr um 10 Uhr vormittags, während der Admiral in der Kajüte mit Schreiben beschäftigt war und der größere Teil der Anwesenden sich unter Deck befand, warf eine plötzliche starke Bö das Schiff auf die Seite; das Wasser drang in die offenen Pforten ein, und es sank schnell. Der Admiral, mehrere Offiziere, sowie die meisten der unter Deck befindlichen Personen, insgesamt 900–1000 Menschen, ertranken; ein längsseit liegendes Proviantfahrzeug ward mit in die Tiefe gezogen. Dieser Unglücksfall, der mehrfach als Beweis für die mangelhafte Seefähigkeit der großen Dreidecker angeführt wird, findet sich anschaulich dargestellt in Kapitän Marryats Romane „the Kings Own“.

Der große, erfolglose Angriff auf Gibraltar, September 1782[164]. Zwei Tage nachdem Howe England verlassen hatte, spielte sich die berühmte Schlußszene der Belagerung von Gibraltar ab. Seit Juli 1779 hielten die Spanier diese Feste zu Lande und von Algeciras aus auch zu Wasser eingeschlossen, aber trotzdem war es zweimal englischen Flotten gelungen, sie mit Vorräten und Truppen zu unterstützen. Auch der Angriff vom Lande her machte keine Fortschritte, obgleich Spanien nach und nach gegen 30000 Mann dazu heranzog und auf der Landzunge, die den Felsen mit dem Festlande verbindet, mächtige Belagerungswerke erbaute. Der englische Kommandant, George Augustus Elliot, leitete den Widerstand mit Geschick und Tapferkeit. Zu der Zeit, als Admiral Darby 1781 Verstärkungen brachte, wurde die Stadt drei Wochen lang täglich mit 4–5000 Geschossen überschüttet und, nachdem so 75000 Vollkugeln und 25000 Bomben verfeuert waren, gab man noch wochenlang täglich 600 Schuß ab.

Aber die Besatzung hatte vom 12. April bis Ende Juni nur 53 Tote und 260 Verwundete eingebüßt. Die Stadt lag zwar in Trümmern, doch war dies ohne Bedeutung, denn die Verteidiger fanden an verschiedenen Stellen des Felsens in Lagern sichere Unterkunft. Am 27. November 1781 gelang es ihnen, durch einen Ausfall der ganzen Garnison unter Elliots persönlicher Führung den Gegner zu überraschen, der jetzt seine Parallelen weit genug vorgeschoben glaubte; in kurzer Zeit waren die Geschütze vernagelt, die Werke aufgesprengt und verbrannt, die Angriffsarbeiten von mehreren Monaten vernichtet. Spanien verdoppelte seine Anstrengungen. Man war zu der Überzeugung gelangt, daß die Festung durch Angriff vom Lande her allein nicht bezwungen werden könnte. Zu einem gleichzeitigen Vorgehen von See aus wollte man aber die Hochseeflotte nicht einsetzen; die feindliche Stellung war weit stärker befestigt, armiert und bemannt, als zu jener Zeit, wo Rooke mit der englischen Flotte sich Gibraltars bemächtigte. Man baute deshalb nach Entwürfen des französischen Ingenieurobersten Chevalier d'Arçon 10 mächtige schwimmende Batterien, die 152 schwere Geschütze führten; sie waren Anfang September fertiggestellt.

Die schwimmenden Batterien waren 6 bis 1400 tons große Seeschiffe, die außen mit einer vierfachen Polsterung von Holz, Sand, Kork sowie ungegerbten Häuten und mit einer schrägen Holzbedachung versehen wurden, auf der eine Decke von altem Tauwerk und Fellen lag. Um eine Wirkung glühender Kugeln zu hindern, war durch die mit der Panzerung 5 Fuß dicken Bordwände ein vielverzweigtes Kanal- und Röhrensystem gezogen, durch das von einem Reservoir aus beständig Wasser spülte. Die Polsterung sollte so stets ganz mit Wasser durchtränkt gehalten werden und einschlagende Kugeln selber ihr Ablöschen hervorrufen, indem sie die Röhren verletzten; auch die Dächer konnten berieselt werden. Die Schiffe waren mit schweren, neugegossenen Bronzekanonen armiert; fünf von ihnen führten 18–24 Geschütze in zwei, fünf 6–11 in einer Batterie, und es war etwa die Hälfte der Zahl als Reserve zum Auswechseln an Bord gegeben. Die Kanonen wurden nur auf einer Seite der Schiffe aufgestellt; Ballast auf der anderen hielt diese auf ebenem Kiel, so boten die 10 Batterien dem Gegner eine Breitseite von 152 Geschützen dar.

Der Bau in der Bucht von Algeciras war im Februar beschlossen, schritt aber nach spanischer Art nur langsam vorwärts. Erst Anfang September war er mit einem Kostenaufwande von 2 Millionen Piastern beendet. Bei der Probe zeigte sich, daß die Bewässerungsanlagen nicht richtig arbeiteten, das Wasser drang in die Schiffe und die Kanäle mußten teilweise verstopft werden. Der Erfinder bat um Zeit für Verbesserungen, aber der Herzog von Crillon verweigerte sie ihm. (Vorstehendes sehr eingehend in Chevalier II, Seite 337.)

Auch sonst wurden Vorbereitungen zu einem überwältigenden Angriffe getroffen. 30 (40?) Kanonenboote und 30 (40?) Mörserboote, sowie 300 große Ruderboote waren gesammelt, um den schwimmenden Batterien während des Kampfes Ersatzmannschaften und Munition zuzuführen. In den Werken auf der Landzunge standen 186 Geschütze; die von Minorka zurückkehrenden spanischen Truppen, sowie 10000 Franzosen hatten das Belagerungsheer, das jetzt vom Herzog von Crillon, dem Eroberer Minorkas, befehligt wurde, auf über 40000 Mann gebracht. Endlich sollte die Flotte Cordobas den Angriff gegen jede Störung von See her decken, wenn erforderlich, auch unterstützen.

Gibraltar war im Norden und Westen wie schon früher durch eine Umwallung mit zahlreichen Batterien gedeckt (vgl. Skizze im Bande I, Seite [526]). Diese erste Verteidigungslinie war aber jetzt weit stärker und wurde durch eine zweite, höher gelegene und zum Teil in den Fels gehauene unterstützt; die Werke, die den Gibraltarfelsen selber zu einer uneinnehmbaren Feste machen, sind während dieser Belagerung begonnen. Die Wasserfront ward durch starke Forts auf den beiden Molen flankiert, und etwa in ihrer Mitte, etwas nördlicher, befand sich ein größeres Werk, die Kings-Bastion. In den Befestigungen standen 280 Geschütze. Die Besatzung betrug 7000 Mann auserlesener Truppen[165], im besonderen vorzüglicher Artilleristen; 12 Kanonenboote, mit je einem schweren Geschütze, besetzt mit Mannschaften einiger bei Gibraltar stationierter Fregatten und kleinerer Kriegsschiffe, standen zur Verfügung.

Das ganze militärische Europa erwartete mit Spannung den Ausgang des so lange vorbereiteten Angriffes. Neutrale Mächte sandten höhere Offiziere dorthin; zwei französische Prinzen erschienen, um die erwartete Katastrophe zu verherrlichen, denn die Verbündeten zweifelten nicht am Erfolge.

Nach Eintreffen der großen Flotte in Cadiz am 6. September wurde die Ausführung des Angriffes beschlossen. Cordoba ging schon am 9. in See und ankerte am 12. bei Algeciras, wo nun 48 Linienschiffe der Verbündeten vereinigt waren. Am 13. erfolgte der Angriff, aber schon am 8. hatte der Kampf begonnen, und es ist kennzeichnend für General Elliot, daß dies von seiner Seite ausging.

Schilderung des Angriffes auf Gibraltar. Als Elliot erkannt hatte, daß ein Angriff starker Kräfte bevorstand, überschüttete er während des 8. September die feindlichen Werke derartig mit Geschossen, daß sie außer Gefecht gesetzt wurden. Die Spanier eröffneten jedoch schon am 9. aus einer neuen Batterie von 64 Kanonen ein heftiges Feuer auf die Stadt, und das eigentliche Blockadegeschwader unter Moreno beteiligte sich, indem es in Linie an der Wasserfront vorübersegelte. Das Bombardement aus den Landwerken ward bis zum 12. fortgeführt. Gegen 8 Uhr vormittags am 13. September setzten sich die schwimmenden Batterien in Bewegung und die Landwerke nahmen das Feuer wieder auf. Admiral Moreno ankerte mit dem stärksten der Batterieschiffe „La Pastora“ auf etwa 1200 m Entfernung vor der Kings-Bastion, vier andere gingen südlich und fünf nördlich von ihm vor Anker.