So lagen die 10 Fahrzeuge in einer Linie von der Nordmole bis fast zur Südmole; sie begannen den Kampf um 10 Uhr. Entschieden war diese Aufstellung fehlerhaft. Nach dem Plane d'Arçons sollten sie massiert von der Höhe der Nordmole aus angreifen, um ihr Feuer möglichst zusammenzuhalten und mit dem der Landwerke zu vereinigen, selber aber nur wenigen feindlichen Geschützen ausgesetzt zu sein. Jetzt jedoch boten sie Ziele für die ganze Wasserfront, deren südlicher Teil vom Feuer der Landwerke nicht erreicht werden konnte. Ein zweiter verhängnisvoller Fehler wurde dadurch gemacht, daß die bei Algeciras liegenden Mörser- und Kanonenboote nicht eingriffen, und gerade diese hätten die Wasserfront beschäftigen, womöglich flankieren sollen; nur einige Kanonenboote erschienen für kurze Zeit. Endlich nahmen auch keine Schiffe der großen Flotte teil, die gleichfalls den Gegner hätten ablenken sollen.
Es folgte nun ein heftiger Geschützkampf. Anfangs widerstanden die schwimmenden Batterien den Geschossen, auch den glühenden Kugeln, die von den Engländern mit Vorliebe verwendet wurden. Aber am Nachmittage gerieten doch „La Pastora“, sowie ihr Nebenschiff „La Talla Piedra“, von einem Prinzen von Nassau befehligt, in Brand. Man konnte das langsame Umsichgreifen des Brandes nicht hindern, so daß „Talla Piedra“ sich genötigt sah, um 3 Uhr ihr Feuer zu vermindern und um 5 Uhr ganz einzustellen. Der Prinz von Nassau bat, sein Schiff wegzuschleppen, machte auch[351] den Versuch, es aus dem Gefecht zu warpen, es fehlte ihm jedoch an Matrosen. Um 5 Uhr brachen auch die spanischen Landwerke den Kampf ab; d'Arçon behauptete später, es habe ihnen an Munition gefehlt, ihre Geschütze seien überhaupt schlecht bedient und schlecht gerichtet worden. Die übrigen schwimmenden Batterien hatten noch wenig gelitten, aber ihr Rückzug ward doch befohlen, um sie zu retten. Für diesen waren jedoch gar keine Vorkehrungen getroffen, und man sah sich schließlich gezwungen, ihr Verlassen und Verbrennen anzuordnen; auf Notsignale sandte die Flotte Boote zum Abholen der Besatzungen. In die nun entstehende Verwirrung brachen gegen 2 Uhr morgens die englischen Kanonenboote unter Führung des Kapitäns Curtis, des ältesten Seeoffiziers in Gibraltar, ein. Sie flankierten mit ihrem Feuer die spanische Linie, vermehrten die Unordnung auf den fast nur mit Soldaten besetzten Fahrzeugen und trieben die rettenden Boote zurück. Bei Sonnenaufgang flog eins der Batterieschiffe in die Luft, drei weitere traf bald das gleiche Schicksal, die anderen standen in Flammen. Die Engländer stellten jetzt das Feuer ein und taten ihr Bestes zur Rettung der Gegner; sie bargen unter eigener Gefahr gegen 400 Mann. Der Rest der Batterien flog im Laufe des 14. September auch noch auf.
Der Verlust der Spanier soll allein auf den schwimmenden Batterien 1500 Tote, Verwundete und Gefangene betragen haben. Die Engländer büßten nur 65 Tote und 188 Verwundete ein; ihre Werke hatten im Verhältniß zu dem auf sie gerichteten Feuer nur wenig gelitten.
Beurteilung des Angriffes. Die schwimmenden Batterien sind nach der Katastrophe vielfach als verfehlt bezeichnet. Besonders höhere spanische Offiziere, so auch Crillon, erklärten, niemals Vertrauen zu ihnen gehabt zu haben. Weshalb wartete er aber nicht ab, bis sie leistungsfähiger geworden waren? Er konnte während der Monate September und Oktober noch immer auf günstige Witterung für den Angriff rechnen, und die große Flotte war zur Stelle, um einer etwa erscheinenden englischen entgegenzutreten. Das Mißlingen des Unternehmens, wenigstens sein trostloser Ausgang, ist anderen Umständen zuzuschreiben. Crillon hat (nach Chevalier) zu kurzer Hand den Tag des Angriffes festgesetzt und ungenügende Bestimmungen getroffen. Infolgedessen lagen die Batterien falsch und die Mörser- sowie die Kanonenboote fehlten; die Spanier behaupteten zwar, die See sei zu rauh für diese gewesen, aber einzelne waren doch erschienen und hatten sich auch am Kampf beteiligt. Es war ferner nichts vorgesehen, um die Batterien aus dem Gefechte ziehen zu können. Endlich waren die Führer der Flotte nicht zu Rate gezogen und gar nicht oder doch zu spät vom Angriff in Kenntnis gesetzt. Chevalier stützt sich bei diesen Behauptungen allerdings besonders auf Berichte d'Arçons, also eines beteiligten Zeugen, aber seine Aussagen werden auch durch das Journal eines französischen Schiffes der Flotte bestätigt. (Chevalier II, Seite 348.)
Der Angriff wurde nach vorstehendem nicht nur ein Fehlschlag, sondern sogar eine empfindliche Niederlage der Spanier; man mußte sich vorläufig wieder auf den Versuch beschränken, Gibraltar auszuhungern. Dies hätte gelingen müssen, da man über 48 Linienschiffe verfügte, aber die Seegewandtheit der Engländer machte auch diese Hoffnung zuschanden.
Lord Howe versorgt Gibraltar, Oktober 1782. Die Fahrt des Admirals war bis zur spanischen Küste sehr langsam, teils weil er Gegenwind traf, teils weil er sorgsam auf das Zusammenbleiben des wichtigen Transportes hielt; bei Kap Finisterre waren aber auch sämtliche 183 Segel noch vereint. Hier entließ er die Konvois und erreichte mit der Flotte sowie den 31 Transportern am 8. Oktober Kap St. Vincent. Dort erhielt er am 10. die Nachricht von den Ereignissen bei Gibraltar, sowie von der Anwesenheit der feindlichen Flotte bei Algeciras. Er gab nun den Unterführern seine Absichten bekannt und ließ den Kapitänen der Transportschiffe genaue Angaben über die Wind- und Stromverhältnisse bei Gibraltar zukommen, damit sie ihre Ankerplätze leicht und sicher erreichen könnten. Am 11. mittags lief er bei westlichem Winde in die Straße ein. Die Transporter segelten voran, die Flotte folgte in drei Geschwadern; sie war also zu Luward jener und somit imstande, sie zu verteidigen. Um 6 Uhr nachmittags standen die Proviantschiffe vor dem Eingang der Bucht von Gibraltar, aber nur 4 Fahrzeugen nebst einem Linienschiffe gelang das Einlaufen, die übrigen hatten die Vorschriften nicht befolgt und wurden durch den Strom ins Mittelmeer versetzt. Die Flotte mußte ihnen folgen.
Cordoba lag seit Anfang Oktober zum sofortigen Auslaufen bereit. Am 10. fielen schwere Böen ein. Mehrere Schiffe trieben vor ihren Ankern und stießen zusammen; das Flaggschiff des Admirals Moreno strandete bei Gibraltar und wurde von den Engländern genommen; ein anderes Linienschiff, sowie eine Fregatte trieben ins Mittelmeer. Sei es, weil einzelne Schiffe beschädigt waren, sei es — wie französisch-spanische Berichte sagen — weil in der Bucht von Algeciras völlige Windstille herrschte, tatsächlich unternahm Cordoba nichts gegen das Einlaufen der vier Transporter und ging auch erst am 13. Oktober mit 46 Linienschiffen, darunter 14 oder 15 Franzosen, in See. Besorgt um das Schicksal der vertriebenen Schiffe steuerte er östlich, anstatt den Engländern die Rückkehr in die Straße zu verlegen; Howe stand um diese Zeit etwa 30 Seemeilen im Osten von Gibraltar. Zwei Tage manövrierten nun die Flotten bei leichtem westlichen Winde und zeitweisem Nebel, oft aus Sicht voneinander. Am 15. kam Ostwind auf und Howe steuerte unbemerkt vom Feinde westlich, die Transporter wieder voraussendend. Am 16. abends waren 18 von diesen, am 18. alle in Gibraltar angelangt; außerdem wurden Soldaten gelandet, die auf einzelnen Linienschiffen untergebracht waren, und dem Gouverneur auf dessen Bitte noch ein Brander mit 1500 Barrel Pulver überlassen. Gibraltar war aufs neue reichlich versorgt.
Der spanische Admiral hatte erst am 16. Oktober den Kurs nach Westen aufgenommen, als er am 19. vor Gibraltar erschien, trat die englische Flotte gerade ihre Heimreise an. Er folgte ihr in einer Schlachtlinie, in der die Schiffe nach ihrer Geschwindigkeit rangiert waren, die schnelleren voran.
Das Seetreffen bei Kap Spartel am 20. Oktober 1782. Ende des Seekrieges in den europäischen Gewässern. Howe wollte der Strömungen wegen nicht in der Straße von Gibraltar fechten und erwartete den Gegner außerhalb. Cordoba stand bei nördlichem Winde zu Luward und hielt am 20. Oktober gegen Sonnenuntergang zum Angriff ab. Er hatte Befehl gegeben, den Kampf zu beginnen, sobald man auf zwei Kabellängen an den Gegner heran wäre. La Motte-Picquet eröffnete in der hellen Mondnacht mit der Vorhut das Feuer auf die englische Vorhut in der befohlenen Entfernung; die Mitte war noch nicht so nahe heran und die Nachhut, 12 Schiffe unter de Guichen, stand weit achteraus. Ehe diese herankam, mehrte Howe Segel und brach das Gefecht ab. Er hatte mit seiner Mitte der großen Entfernung halber das Feuer der feindlichen Schiffe gar nicht erwidert, seine Nachhut kam jedoch beim Absegeln noch zum Geschützkampf. Der großen Übermacht wollte sich der englische Admiral nicht aussetzen; er hat den Gegner wohl nur herankommen lassen, weil er mit der Möglichkeit rechnete, infolge günstiger Umstände ihn teilweise zu schlagen. La Motte wagte mit seinen wenigen Schiffen nicht am Feinde zu bleiben, Cordoba sammelte um Mitternacht die Flotte und folgte weiter.
Die Verluste bezifferten sich bei den Engländern auf 68 Tote und 268 Verwundete, bei den Verbündeten auf 60 und 320.