Am nächsten Tage waren die Gegner etwa 12 Seemeilen voneinander entfernt. Cordoba gab sich jedoch keine Mühe, näher heranzukommen, sondern segelte am 22. nach Cadiz. Howe zweigte 8 Linienschiffe für Westindien ab und erreichte dann am 14. November Portsmouth.

Die größeren Flottenunternehmungen in den europäischen Gewässern waren damit nicht nur für das Jahr 1782, sondern für den Krieg überhaupt zu Ende.

Über die Kriegführung in Europa 1782 ist wenig zu sagen. Das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten in den nördlichen Gewässern war ebenso schwächlich wie im Vorjahre. Sie brachte einen Teil eines englischen Konvois auf und beherrschte zum Schutze des eigenen Handels während der Monate Juni bis August den Eingang des Kanals, sowie die Biskaya, machte aber keine ernstlichen Versuche zur Vernichtung der schwächeren feindlichen Seemacht. Wieder trifft die Hauptschuld die Spanier, die den größeren Teil der Flotte gestellt hatten und in deren Hand der Oberbefehl lag. Mit Recht sagt ein französischer Autor (Lacour II, Seite 382) über Cordoba, es sei zu beklagen, daß Männer wie Guichen und La Motte-Picquet stets an einen Führer gebunden gewesen wären, der keinen Plan durchgeführt habe — falls er überhaupt einen gehabt hätte.

Die weit schwächere englische Flotte hatte schon vorher den äußerst wichtigen Transport für Ostindien aufgebracht, die Streitmacht Hollands festgehalten und dessen Handel unterbunden. Als die Verbündeten dann auf der See erschienen, gelang es Lord Howe doch, den Jamaikakonvoi sicher einzuholen. Der Schaden für Handel und für Militärtransporte war auf beiden Seiten etwa gleich; der Ruhm der erfolgreicheren Verwendung ihrer Seestreitkräfte gebührt also England als der schwächeren Partei. Hierbei ist allerdings darauf hinzuweisen, daß Howes Aufgabe ein Wagnis war, denn die größere Hälfte der Kanalflotte wurde einem übermächtigen Feinde gegenüber aufs Spiel gesetzt.

Die Expedition nach Gibraltar war ein noch gefahrvolleres Unternehmen. Bei ihr entwickelte Lord Howe dieselben Fähigkeiten, die er 1778/79 in Nordamerika gezeigt hatte, seemännische Tüchtigkeit vereint mit klarem Blick und schnellem Entschluß. Er hielt seine Kräfte zusammen und behielt sie in der Hand, durch geschicktes Manövrieren löste er seine Aufgabe, vermied aber den Kampf mit dem überlegenen Feinde. Cordoba dagegen versagte auch bei dieser Gelegenheit.

Einige Aussprüche neuerer französischer Autoren zu diesen Vorgängen sind bemerkenswert. Chevalier schreibt (II, Seite 358, hier gekürzt): „Die Eigenschaften, die Lord Howe bei dieser kurzen Kampagne entfaltete, entsprachen voll der Aufgabe, die er zu lösen hatte. Seine Operation, eine der schönsten dieses Krieges, verdient das gleiche Lob wie ein Sieg. Wenn auch die englische Flotte durch die Verhältnisse begünstigt wurde — und es ist selten, daß derartige Unternehmungen ohne Glück gelingen —, so haben doch vor allem der richtige Blick des Führers, die Sicherheit seines Urteils und seine schnelle Entschlußfähigkeit den Erfolg herbeigeführt.“

Lacour schreibt (II, Seite 447): „Daß die Flotte der Verbündeten mehrere Tage hindurch in der Straße von Gibraltar manövriert hat, ohne die englische zu erreichen, daß es dieser gelungen ist, stets auszuweichen und ihre Vorräte zu landen, daß Howe die Straße unbelästigt wieder verlassen konnte, alles dies erscheint bei der Beschränktheit des Schauplatzes, auf dem sich die Ereignisse einer Woche abspielten, kaum glaubhaft.“

Chevalier weist gerade bei dieser Gelegenheit auf den höheren Stand der englischen Marine im allgemeinen hin und erklärt damit manche Erfolge der Engländer, sowie manche Fehlschläge der Franzosen in diesem Kriege. Er sagt: „Unter den 34 Schiffen der englischen Flotte befand sich keins jener Fahrzeuge, die den Oberbefehlshaber in der Durchführung seiner Absichten hindern. Alle waren gekupfert und von nahezu gleicher Geschwindigkeit. Howe hatte dadurch, wenn auch nicht die Gewißheit, so doch die größte Aussicht, einen Kampf nach Belieben aufnehmen oder vermeiden zu können. Der gleiche Vorteil zeigte sich auch bei anderen Gelegenheiten in diesem Kriege. Er konnte sich ferner auf seine Kommandanten verlassen. Es kamen keine Trennungen, keine Zusammenstöße und Havarien, kurz keine jener Vorfälle vor, die den Oberbefehlshaber so oft zwingen, anders zu handeln, als er beabsichtigt hatte. Man kann nicht umhin, sich dabei der Ereignisse zu erinnern, die der französischen Flotte des Admirals de Grasse vom 9. bis 12. April 1782 so schwere Ungelegenheiten bereiteten.“ Der Autor führt diese dann kurz an; wir werden sie bald bei der Schilderung des Krieges in Westindien (Schlachten bei Dominica) kennen lernen.

Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1782.

Im November 1781 waren de Grasse von Nordamerika mit 32 Linienschiffen in Martinique und im Dezember Hood in Barbados mit 18 eingetroffen; am 26. November hatte der Gouverneur von Martinique die Insel St. Eustache wiedergenommen.