Die Franzosen planten nun weitere Eroberungen. Der Gouverneur de Bouillé schiffte sich mit 6000 Mann auf der Flotte ein, und de Grasse lief mit dieser, 26 Linienschiffe stark, am 26. Dezember aus, um Barbados anzugreifen; der Rest der Flotte blieb zu Ausbesserungen vorläufig zurück. Er kreuzte mehrere Tage gegen starken böigen Passat vergeblich an und ging am 3. Januar wieder nach Fort Royal. Am 5. Januar 1782 brach die Expedition abermals auf, jetzt aber gegen St. Christopher (englisch St. Kitts). Sie landete hier am 11. ohne Widerstand auf Basseterre, dem Südteile der Insel. Die einschließlich einiger Milizen kaum 1000 Mann starke englische Garnison unter dem Gouverneur General Shirley zog sich nach Brimstonhill, einem befestigten Hügel im Nordwesten der Insel, zurück, den Bouillé nicht stürmen konnte, sondern regelrecht belagern mußte. Die Einwohner der Insel erklärten sich neutral und unter gleichen Bedingungen ergab sich das naheliegende Nevis. Die französische Flotte blieb auf der Rhede von Basseterre.

Samuel Hood.

Admiral Hood erhielt am 14. Januar in Barbados die Nachricht von Shirley, daß die französische Flotte am 10. in der Nähe von St. Christopher gesehen und ein Angriff zu befürchten sei. Er ging sofort mit 22 Linienschiffen in See, erfuhr am 16. die Landung und ankerte am 21. bei Antigua, wo er nähere Auskunft erhielt und 700 Soldaten an Bord nahm. Trotz seiner Unterlegenheit beschloß er, die bedrohte Insel zu entsetzen. Es gelang ihm nicht, aber sein Versuch zeugt von hervorragendem militärischem Blicke und großer seemännischer Geschicklichkeit. Englische wie französische Autoren stellen Hoods Manöver denen eines Nelson und Suffren gleich.

Die Schlacht bei St. Christopher, 25. Januar 1782[166]. Hood unterrichtete die Unterführer eingehend über seine Absichten, verließ dann am 23. Januar nachmittags Antigua und steuerte nach Nevis hinüber; er mußte diese Insel südlich passieren, da der Kanal zwischen ihr und St. Christopher für Linienschiffe zu flach war. Er hoffte die Franzosen bei Tagesanbruch auf ihrem Ankerplatze zu überraschen, auf dem sie keine Verteidigungsstellung eingenommen hatten, sondern 3–4 Reihen tief lagen; er wollte dann seine Schiffe in Linie zu Luward an der Masse der feindlichen vorüberführen und dieses wiederholen, durch Halsen und Wenden einen Kreis laufend. Der Plan scheiterte infolge des Zusammenstoßes zweier Schiffe während der Nacht; die Fahrt wurde durch die unvermeidliche Ausbesserung mehrere Stunden aufgehalten und die Flotte am 24. morgens von feindlichen Fregatten gesichtet, ehe sie die Südspitze von Nevis passiert hatte, was erst um 1 Uhr mittags geschah.

De Grasse lichtete um 3 Uhr nachmittags Anker und ging ihr entgegen. Er glaubte, Hood wolle bei Sandy Hook, einer Rhede nahe Brimstonhill, ankern, um der Besatzung dort Hilfe zu senden, auch war er für 4 Schiffe besorgt, die er von Martinique erwartete. Hood steuerte nun gegen Sonnenuntergang südlich, zog sich scheinbar zurück, manövrierte aber während der Nacht so, daß er bei Tagesanbruch des 25. Januar dicht unter der Küste von Nevis zwischen dieser Insel und den etwa 9 Seemeilen entfernten Franzosen, die sich nicht nahe unter Land gehalten hatten, und bei ONO-Wind zu Luward von ihnen stand. Seine Absicht war jetzt, auf dem bisherigen Ankerplatz der Franzosen eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Auch von dort aus konnte er die Engländer am Lande unterstützen und lag, falls de Grasse nach Sandy Hook ging, zwischen ihm und Martinique; so war es möglich, dem Gegner die Zufuhren abzuschneiden, auf die dieser durchaus angewiesen war, da die kleine Insel auf längere Zeit soviel Truppen nicht zu ernähren vermochte.

Hoods Plan war bei seiner Unterlegenheit immerhin gewagt. Aber der Admiral erwartete Rodney mit einer Flotte, der vielleicht rechtzeitig ankam, und England brauchte nach der Niederlage in Nordamerika einen Erfolg. So mußte man auf gut Glück etwas wagen, und Hood kannte sich, seine Offiziere — sowie auch den Gegner.

Hood bildete die Gefechtslinie eng geschlossen über Backbordbug und nahm um 10 Uhr vorm. Kurs nach Basseterre; er wurde vom Glück begünstigt, da der Wind auf OSO ging, so daß er raum steuern konnte. Die Franzosen lagen um diese Zeit über Steuerbordbug nach Süden, wendeten und hielten in Staffel auf den Feind zu (Plan I A—A zeigt die englische Linie um 10 Uhr, A′—A′ die französische), kamen aber nicht mehr, wie sie wohl beabsichtigt hatten, mit ihrer ganzen Linie querab von der englischen zum Angriff. Um 2 Uhr nachmittags waren die vordersten Engländer so weit, daß Hood ihnen das Signal zum Ankern geben konnte; er befahl, dies mit Spring auf den Ankern auszuführen, um die Schiffe sofort mit den Breitseiten nach See legen zu können. Um 2½ Uhr war die französische Vorhut auf Kanonenschußweite an die englische Mitte heran, und das Feuer begann. De Grasse war aber nicht imstande, seinen Gegner festzuhalten; die englischen Schiffe erreichten sämtlich den Ankerplatz.