Durch den Angriff der Franzosen war also besonders die hintere Hälfte der englischen Linie bedroht, die, wie häufig bei langen Kolonnen, nicht so gut Schiff hinter Schiff aufgeschlossen fuhr. Hood nahm jedoch hierauf keine Rücksicht, gab vielmehr der vorderen Hälfte den Befehl, Segel zu mehren, und um 3½ Uhr ankerten die ersten Schiffe, um 4 Uhr das Flaggschiff. Die vier letzten Schiffe waren zurückgeblieben, da das vorderste schlecht segelte. In die so entstandene Lücke versuchte de Grasse mit seinem Flaggschiff „Ville de Paris“ von 104 Kanonen einzubrechen, um die Nachzügler abzuschneiden, aber das letzte englische Schiff vor der Lücke, „Kanada“, 74 Kanonen, unter Kapitän Cornwallis, dem Bruder des Generals, warf alle Segel back, und sackte quer vor dem mächtigen Gegner achteraus; seine beiden Vordermänner blieben gleichfalls zur Unterstützung zurück (Plan I, B-B, B′-B′). So wurde der Durchbruch verhindert; die letzten 7 englischen Schiffe setzten ihre Fahrt trotz arger Bedrängnis unter beständigem Gefecht fort und kamen Schiff nach Schiff zu Anker, wobei[357] nun die schon verankerten Schiffe in den Kampf eingriffen. So konnte die vordere Hälfte der englischen Linie, gewissermaßen gedeckt durch den Kampf der hintern, unbelästigt ihre Ankerplätze einnehmen, ebenso diese, ihrerseits unterstützt durch das Feuer der ersteren. De Grasse lief noch an der feindlichen Linie entlang, gab sein Feuer ab und steuerte dann nach Süden.

I. Schlacht bei Christopher, 25. Januar 1782.
II. Ankergefecht am 26. Januar 1782.

Das Ankergefecht am 26. Januar 1782. Der Ankerplatz Hoods war nicht genau der gleiche, wie ihn de Grasse innegehabt hatte (s. Plan II), aber er beherrschte diesen. Die Nacht vom 25./26. Januar wurde benutzt, die in Eile eingenommene Ankerordnung zu verbessern und zu verstärken; so wurden drei Schiffe der Nachhut zwischen das Spitzenschiff und die Küste gelegt, um jedes Umgehen der Linie hier auszuschließen. Hood durfte nun seine Stellung als stark betrachten.

Sein linker Flügel lehnte sich an die Küste. Von hier zog sich die Linie in ost-westlicher Richtung bis zum 16. Schiff, dem Flaggschiff, und bog dann in scharfer Kurve um, so daß die letzten Schiffe in der Richtung Nord-Süd lagen (Plan II, A—A). Die Stellung vom Rücken her anzugreifen, war bei den Windverhältnissen kaum möglich, und beim Frontangriff hatten die Engländer den Vorteil, daß Beschädigungen der Takelage für sie ohne Bedeutung waren, für die angreifenden Schiffe aber verhängnisvoll werden konnten.

De Grasse hätte wohl seinen früheren Ankerplatz wieder einnehmen können, aber dieser lag in Lee des Feindes und war auch für eine große Flotte nicht günstig. Er beschloß anzugreifen; durch Ankunft der Schiffe von Martinique standen ihm schon am nächsten Tage mindestens 27, vielleicht bereits 29 Linienschiffe zur Verfügung. Am 26. Januar steuerte er in Kiellinie auf den linken Flügel der englischen Stellung zu (Plan II B-B). Infolge plötzlich schralenden Windes traf das Spitzenschiff[167] um 8½ Uhr vorm. erst auf das dritte englische vom Flügel und erhielt die Breitseiten von vier Gegnern, so daß man die Plankenstücke seiner Bordwände herausfliegen sah, dann lief es die englische Linie entlang. Die anderen Schiffe folgten, einige nahe, andere in weiterer Entfernung; „Ville de Paris“ kam sehr dicht heran und verlangsamte auch auf kurze Zeit ihre Fahrt. Das Feuergefecht war äußerst heftig, der Pulverrauch hüllte die Schiffe oft völlig ein, aber die englische Stellung blieb unerschüttert und de Grasse führte seine Flotte wieder nach See zu. Ein zweiter Angriff am Nachmittage, nur gegen Mitte und rechten Flügel der Engländer gerichtet, blieb ebenso erfolglos.

Die Verluste am 25. und 26. Januar betrugen englischerseits 72 Tote und 244 Verwundete, französischerseits 107 und 207.

Während der nächsten Wochen kreuzte nun die französische Flotte zu Luward, drohte fast täglich mit einem Angriff und gab auch Feuer auf weite Entfernung ab. Hood war somit zwar blockiert, konnte aber auf dem Lande eingreifen, was er auch mit etwa 1200 Mann versuchte. Bouillés Macht war jedoch zu stark, und die Gelandeten mußten schon nach 24 Stunden wieder eingeschifft werden. Brimstonhill kapitulierte am 13. Februar.

Hood hatte am 1. Februar durch Kempenfelt Nachricht erhalten, daß die französische Verstärkung für Westindien von ihm zerstreut sei (s. Seite [322]). Dies hob seine Hoffnung auf das Gelingen seines kühnen Unternehmens, wenn nur Rodney bald einträfe. Jetzt aber nach der Waffenstreckung der Truppen am Lande mußte er befürchten, daß Bouillé Batterien gegen die Flotte erbaue, und an das Verlassen seines Ankerplatzes denken. Dies konnte aber nur mit großer Vorsicht ausgeführt werden, denn die französische Flotte war auf 32 Linienschiffe angewachsen; es waren außer dem letzten der 4 Schiffe von Martinique am 2. Februar noch die beiden Linienschiffe zu ihr gestoßen, die nach der Zerstreuung des Konvois durch Kempenfelt die Fahrt fortgesetzt hatten. Doch eine Gelegenheit bot sich bald. Am 14. führte de Grasse seine Flotte unter die Küste von Nevis, um aus Transportern, die hier am 13. von Martinique eingetroffen waren, seine fast erschöpften Proviantbestände zu ergänzen. In der folgenden Nacht kappten die Engländer die Ankertaue, ließen aber auf deren Bojen Laternen brennen, um die Ausguckfregatten des Feindes zu täuschen, und segelten nördlich um St. Christopher herum nach Antigua, wo sie am 19. Februar eintrafen. De Grasse hielt eine Verfolgung für aussichtslos, ankerte zunächst bei Basseterre, ging aber bald darauf nach Martinique, um nicht von diesem Stützpunkt abgeschnitten zu werden, wenn Rodney einträfe; er erreichte Fort Royal am 26. Februar.