Mit der Flotte wollte er dann zwischen Guadeloupe und Dominica aufkreuzen. Er hoffte so den Feind hinter sich her vom Konvoi abzuziehen und glaubte, mit seinen besser gebauten Schiffen auch die Verfolgung abwerfen zu können; so würden sowohl Flotte wie Konvoi unbelästigt ihr Ziel erreichen.

Die Rettung des Konvois gelang. Während sich das Gefecht entspann, segelten die Fahrzeuge unbelästigt nach Norden und waren schon um 2 Uhr nachmittags aus Sicht. Von Guadeloupe erreichten sie später glücklich Haiti.

Je weiter Hood vorrückte, um so frischer ward der Wind, bis er den Kanal von Les Saintes gut offen sah und den Passat erhielt (I e). Da nun einerseits die beiden abgekommenen Schiffe noch nicht aus ihrer gefährlichen Lage heraus waren (I d), anderseits die 8 Schiffe Hoods weit von ihrer Flotte entfernt standen, gab de Grasse seinen schon im Passat kreuzenden 15 Schiffen — es waren die französische Vorhut unter Chef d'Escadre de Vaudreuil, sowie 3 Schiffe der Mitte — den Befehl, diesen Teil der Engländer anzugreifen. Es entspann sich ein Gefecht auf halbe Kanonenschußweite, das von 9¾–10½ Uhr vorm. dauerte und in das nach und nach auf beiden Seiten noch einige Schiffe eingriffen, die den Passat erreicht hatten.

Hood mußte bald beidrehen, um sich nicht zu weit von der Hauptflotte zu entfernen. Die französischen Schiffe steuerten in Linie auf das Schlußschiff der Engländer zu, liefen dann an der englischen Linie entlang, wendeten nacheinander und wiederholten das Manöver; sie segelten also eine Ellipse zu Luward des Feindes ab (I e). Vaudreuil wählte diese Entfernung, da er fürchtete, daß auf einer näheren die Takelagen seiner Schiffe zu sehr durch das Feuer der Karronaden leiden würden, mit denen die englischen Schiffe ausgerüstet waren. (Vgl. Kapitel II, Seite [21] ff.)

Erste Schlacht bei Dominica 9. April 1782.

Während dieses Gefechtes hatte sich Rodney mit etwa 8 Schiffen der englischen Mitte unter sorgfältiger Benutzung der schwachen Windstöße näher an Land herangearbeitet, die dort frischere Brise abgefangen und steuerte dann gegen 10½ Uhr nach Norden (Plan II a); der Rest seiner Flotte lag immer noch nahezu fest (II b). Als Vaudreuil dies sah, brach er das Gefecht ab und segelte nach Süden, damit Rodney sich nicht zwischen ihn und de Grasse schieben könne. Um 11½ Uhr aber griff er Hood aufs neue und in gleicher Weise an, da auch die französische Mitte und Nachhut den Kampf aufnahmen. Diese eröffneten nämlich jetzt das Feuer auf Rodney, aber auf so weite Entfernung, daß die Engländer es nur schwach erwiderten (II c). Als dann de Grasse um 1¼ Uhr nachm. auch die englische Nachhut herankommen sah, ließ er das Gefecht überall abbrechen und begann mit der ganzen Flotte in den Kanal aufzukreuzen; ein Schiff wurde wegen Beschädigungen in der Takelage nach Basseterre gesandt, um die Bewegungen der Flotte nicht zu behindern. Auch Rodney sammelte seine Schiffe und drehte für die Nacht zum Ausbessern bei. Er bildete aber zu diesem Zwecke seine Formation in „Kehrt“, so daß die Vorhut zur Nachhut wurde, denn nur die Vorhutschiffe hatten gelitten, zwei von ihnen sogar beträchtlich, sie blieben aber trotzdem bei der Flotte.

Kritik der Schlacht vom 9. April. Wieder muß man fragen: warum hat de Grasse nicht die Gelegenheit benutzt, einen Teil der englischen Flotte zu vernichten? Vaudreuil stand anfangs mit 15 Schiffen gegen 8, und auch später war das Verhältnis ähnlich. Warum griff er nicht von hinten auf beiden Seiten an, der Wind war ihm günstig und Hood hatte keine Aussicht auf baldige Unterstützung. Im zweiten Teile des Kampfes standen gar insgesamt 33 Franzosen gegen höchstens 20 Engländer, denn 16 englische Schiffe — die ganze Nachhut und 4 der Mitte — vermochten nicht, einzugreifen. Wären Hoods Schiffe vernichtet worden, so war Rodney lahmgelegt, und de Grasse konnte seine Aufgabe durchführen.

Die Franzosen verloren am 12. April nur 5 Schiffe und doch war die Schlacht für sie eine entscheidende Niederlage. Zu erklären ist dies nur dadurch, daß der französische Admiral es für seine wichtigste Aufgabe hielt, die Flotte unversehrt zu erhalten. Der Angriff auf den gefährdeten Teil des Feindes sollte dann wohl nur diese Schiffe in ihrer Bewegungsfähigkeit so weit schädigen, daß sie an der Verfolgung nicht teilnehmen konnten oder sie doch aufhielten. Es ist nirgend zu ersehen, ob Vaudreuil nach eigener Überlegung oder auf Anordnung den Kampf so vorsichtig geführt hat. Das erste ist möglich, wenn er die fast allgemeine französische Auffassung teilte, doch das zweite ist wohl wahrscheinlicher. Wenn er aber wußte, daß de Grasse nicht entscheidend schlagen, sondern sogar sich der Verfolgung entziehen wollte, war sein Bestreben richtig, außerhalb der Wirkung der Karronaden zu bleiben.