Die zweite Schlacht bei Dominica (häufig Les Saintes genannt[169]) am 12. April 1782. Dreimal hatte das Glück de Grasse zu einem großen Erfolge vergeblich die Hand geboten — am 29. April 1781 stand er bei Martinique mit 24 Schiffen gegen 18, im Januar 1782 bei St. Christopher mit 30 gegen 22 und am 9. April mit 33 gegen 20 —, jetzt aber verließ es ihn. Rodney setzte am 10. die Verfolgung beharrlich fort, auf günstige Zwischenfälle hoffend, und diese traten ein. Am 10. April morgens konnten die Engländer die französische Flotte noch von Deck aus sehen, bei Tagesanbruch am 11. nur noch von den Toppen der Masten; de Grasse schien sich wirklich seinem Verfolger zu entziehen.

Wenn in diesem Falle die französische Flotte der englischen an Schnelligkeit überlegen war und nicht durch ungekupferte Schiffe aufgehalten wurde, so liegt dies[364] daran, daß sie gerade beim Aufkreuzen, zumal gegen flauen Wind, die größere Segelfähigkeit zu entfalten vermochte, die sie infolge besserer Bauart ihrer Schiffe besaß.

Aber es kam anders. In der Nacht vom 10. auf 11. stießen zwei Schiffe zusammen, „Jason“ und „Zélée“; so daß das erste nach Guadeloupe geschickt werden mußte. Im Laufe des 11. sah sich dann de Grasse gezwungen, einen Teil seines Vorsprunges aufzugeben, um zwei Schiffe, „Magnanime“ und „Zélée“, wieder an sich zu ziehen, die zu weit nach Lee geraten waren. „Zélée“ schien ein Unglücksschiff zu sein. Es war schon unter Dominica am 9. April von der Flotte abgekommen, in der Nacht vom 11./12. stieß es wiederum zusammen und dieses Mal sogar mit dem Flaggschiff „Ville de Paris“; die Wache hatte ein junger Unterleutnant gehabt — ein die Verhältnisse in der französischen Marine kennzeichnender Umstand. Die Takelage des Flaggschiffes ward etwas beschädigt, „Zélée“ aber verlor Bugspriet und Fockmast, so daß eine Fregatte sie nach Guadeloupe schleppen mußte. Der französischen Flotte fehlten nun außer den beiden 50-Kanonenschiffen, die den Konvoi begleiteten, bereits 3 Linienschiffe. Der Zusammenstoß hatte außerdem die Flotte in Unordnung gebracht und aufgehalten.

Am nächsten Tage kam es durch die Wiederherstellung der Ordnung sowie Manöver zur Deckung der „Zélée“, deren Verbindung mit dem Schlepper fast bis Tagesanbruch gedauert hatte, zum Zusammenstoß mit dem Verfolger. Er wurde die größte rangierte Schlacht des Krieges, ja des Jahrhunderts bis zu dieser Zeit. Sie wurde am gleichen Tage geschlagen wie die heißeste dieses Krieges in Ostindien; die Sonne hatte sich noch nicht über den erschöpften Geschwadern der Admirale Suffren und Hughes bei Providien, an der Küste Ceylons südlich von Trincomali, gesenkt, als ihre ersten Strahlen die Flotten bei Les Saintes beschienen. (Der Zeitunterschied zwischen den beiden Orten beträgt 9½ Stunden.)

Die Schlachtordnungen der Flotten.

Beide sind in „Kehrt“ angegeben, da die Flotten so ins Gefecht traten.

Die englische Flotte:
Vorhut Mitte Nachhut
Marlborough74 America64 Prince William64
Arrogant74 Hercules74 Magnificent74
Alcide74 Protée64 Centaur74
Nonsuch64 Resolution74 Belliqueux64
Conqueror74 Agamemnon64 Warrior74
Princesa[1)]70 Duke98 Monarch74
Prince George98 Formidable[2)]98 Barfleur[3)]98
Torbay74 Namur90 Valiant74
Anson64 St. Albans64 Yarmouth64
Fame74 Canada74 Montagu74
Russel74 Repulse64 Alfred74
Ajax74 Royal Oak74
Bedford74

1) Flaggschiff des Kontreadmirals Francis Samuel Drake.

2) Flaggschiff des Admirals Sir George Bridges Rodney.

3) Flaggschiff des Kontreadmirals Sir Samuel Hood.