Für das Jahr 1783 hatten die Verbündeten abermals die Eroberung Jamaikas geplant. Man rechnete mit etwa 40 englischen Linienschiffen in Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen. Vaudreuil (22 Schiffe) sollte sich mit Solano (12 Schiffe) in Puerto Cabello vereinigen und d'Estaing 15 spanische, sowie 15 französische Schiffe nebst einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten Maßnahmen hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren Durchführung trat der Präliminarfriede in Kraft.

D'Estaing erschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember 1782 in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von 7000 Soldaten an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa abzusendende Expeditionskorps bilden sollten. Vaudreuils Schiffe trafen von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem 26. Februar in Puerto Cabello ein, aber Solano blieb aus, da ihn der Gouverneur von Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders nicht abfahren lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von Puerto Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auch Pigot und Hood segelten nach England.

Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte noch ein bedeutsames Ereignis. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel auf der Rhede vor Anker lag, erschien eines Tages eine unbekannte Fregatte. Vaudreuil gab einer der seinigen den Befehl zur Jagd, doch brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das unbekannte Schiff konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen Flotte erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte „Albemarle“, und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß — Nelson!

Der Krieg in Ostindien.

In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen.

Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges[175]. Im Pariser Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durch Dupleix in Indien geschaffenen Macht — an der Westküste Vorderindiens Mahé; an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges Chandernagore — zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt werden und waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen Kompagnie erweiterte sich dagegen beständig, besonders während der kurzen Zeit, in der Clive nochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765 bis Januar 1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten (Erpressungen, Ausbeutung von Monopolen) einigermaßen abzustellen und neue Länder zu erwerben. Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren Schutz seine Einkünfte und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen, Bahar, Orissa, sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein ununterbrochenes Gebiet vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so eine politische und militärische Macht geworden war, für die England eintreten mußte, und da die Verwaltung immer noch zu wünschen übrig ließ, wurde im Februar 1773 vom Parlament das „Regulationsgesetz“ erlassen, das die Gesellschaftsrechte einschränkte: die Regierung ernannte von jetzt an Gouverneure und Verwaltungsräte, setzte ein königliches Obergericht in Kalkutta ein und beschränkte die Dividende auf 6–8%; der Statthalter von Bengalen ward zum Generalgouverneur von ganz Britisch-Indien bestellt. Der erste, der den Posten bekleidete, war Sir Warren Hastings 1773–1785.

P. A. de Suffren.

Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher zu Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren der Sultan von Mysore, Haidar Ali, und die Mahratten, eine Anzahl kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im südwestlichen Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus; sie drangen jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten 1762–1763 von Bengalen aus mit ihnen Krieg führen. Haidar Ali, ursprünglich ein Offizier des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759 der Herrschaft dieses Landes bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch Eroberung der kleinen Staaten an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u. a.) erweitert. Er bedrohte ganz Südindien und die englischen Besitzungen an der Malabar-, wie die an der Koromandelküste. Die Engländer im Bunde mit dem Vizekönig vom Dekan, sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher im Carnatic, erklärten ihm deshalb 1766 den Krieg, wurden aber infolge der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten zurückgeworfen. Haidar Ali verwüstete den Carnatic und erschien sogar zweimal vor Madras; sie hielten es daher für ratsamer, 1769 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm zu schließen. In den Jahren 1773–1776 kam es zu Besitzstreitigkeiten zwischen der Präsidentschaft Bombay und den Mahratten.