Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da deren Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies trat ein.

Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich. Am 7. Juli 1778 ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt. Hastings ließ sofort die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore und Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery zu nehmen. Am 8. August trafen General Munro mit 16000 Mann und am 10. Kommodore Vernon mit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitän de Tronjoly mit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem Feinde entgegen und es kam zum Gefecht.

Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778. Das englische Geschwader zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1 zu 18, und das französische 1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3 Ostindienfahrer mit 20–26 Geschützen; die gesamten Seestreitkräfte der beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen Gefechte, einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei leichtem Winde, ohne besondere Erfolge.

Nach unentschiedenem Kampfe segelte Vernon nördlich, um den Feind fortzulocken, Tronjoly folgte jedoch nicht. Das englische Geschwader kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France. Pondichery, nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab sich nach hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen militärischen Ehren.

Mitte 1779 traf Kontreadmiral Sir Edward Hughes[176] mit 5 Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst wieder im Januar 1781.

Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger aufzutreten. Anfang 1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkung d'Estaings nach Westindien gesandt (vgl. Seite [276]); ein zweites, im Frühjahr 1780 nach Indien bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika geschickt (vgl. Seite [291]). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6 Linienschiffe gebracht. Um diese Zeit übernahm Kommodore Comte d'Orves hier den Oberbefehl,[379] blieb jedoch über ein Jahr lang untätig, weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren und seine Instruktion ihm ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon auftrug.

England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten. Französische Seestreitkräfte hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen können. Bei Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten erschienen, um die Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur Überlassung eines Hafens an der Westküste zu bestimmen. Hastings entschloß sich daraufhin schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus Truppen gegen die Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die Präsidentschaft Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe ward jedoch im Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und diese Niederlage schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von Bengalen unter dem tüchtigen Oberst Goddard, das im Januar in Surat ankam, errang zwar 1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch nicht ausnutzen, da die englischen Truppen an anderer Stelle schwer bedrängt wurden.

Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurch Haidar Ali, in dessen Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste erbittert. Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit den Mahratten in Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst starker Artillerie in den Carnatic ein. General Munro war so wenig vorbereitet und traf so schlechte Anordnungen, daß er im September Kanonen und Troß im Stich lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte; eine Abteilung von 3000 Mann wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den ganzen Carnatic in seiner Gewalt und die festen Plätze eingeschlossen; ganz Südindien wäre so für England verloren gewesen, wenn nicht Hastings von Bengalen Hilfe geschickt hätte. Der von hier am 5. November in Madras eingetroffene General Eyre Coote, ein hervorragender Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im Januar 1781 vor, um den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte auch Erfolg, mußte aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte angekommen und in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, auf dem Rückmarsche Haidar zur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; der Sultan folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn schließlich in Cuddalore fest.

Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte d'Orves. Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die gar nicht bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die Erlaubnis, nach Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das Geschwader keinen großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl nicht aufgehoben sei und die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu schlecht versorgt wären, um etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu können. D'Orves verließ am 14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3 Fregatten Port Louis, traf am 27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte dann in der Nähe von Pondichery. Hughes lag mit dem englischen Geschwader im Winterlager in Bombay, d'Orves hatte mithin freie Hand. Trotzdem ging er nicht auf den Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, seine Instruktion verbiete ihm dies, auch habe er nur noch Proviant für die Rückreise und müsse im April zur Vereinigung mit einem aus Frankreich kommenden Geschwader in Isle de France sein. Am 13. Februar segelte er ab und traf am 31. März, tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in Port Louis ein. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren Schlag zu versetzen, war damit verloren gegangen.

Wohl mit Recht sagt Chevalier (II, Seite 380), d'Orves hätte sich sicher in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der holländischen Negapatam Proviant für einen Monat verschaffen können, und Cuddalore wäre, zu Lande und zu Wasser eingeschlossen, sowie von Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen.