Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel sowie Krankheiten, und Eyre Coote würde genötigt gewesen sein, sich auf Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und anderseits glaubte Haidar ihn so geschwächt, daß er seine bisherige vorsichtige Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto Novo eine Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine Niederlage, die ihn zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen aus Bengalen folgte Coote und errang im August weitere Erfolge; ganz aus dem Carnatic ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben.
Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen, die Engländer nahmen im November 1781 nach kurzer Belagerung Negapatam und am 12. Januar 1782 Trincomali auf Ceylon, den einzigen sicheren Hafen an der Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen bot.
Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder. D'Orves erfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter Kapitän Suffren unterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe. Suffren traf erst am 25. Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, die Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader instand gesetzt werden. Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt der Kampf in Ostindien eine hohe Bedeutung in der Seekriegsgeschichte[177].
Suffren[178] rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie 1781. Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der Kapkolonie bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die Kapkolonie war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die französischen Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von dort. England schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des Admirals Darby auf seiner Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen nebst 35 teilweise armierten Transportern mit Truppen unter Kommodore George Johnstone ab, und Frankreich schloß der Flotte, die unter de Grasse am 22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8 Transportern unter Kapitän Suffren an, auf denen 1000 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader trennten sich an der spanischen Küste von ihren Flotten.
Johnstone ankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant zu nehmen, und auch Suffren lief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl, seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten ausgebessert werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als er nun am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er beim Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in Sicht. Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als erster zu erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er die Gelegenheit zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den Brauch der französischen Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen Aufgabe unter möglichster Schonung der Schiffe im Auge zu halten, entschloß er sich zum Kampf, obgleich er seinen Nachrichten gemäß den Feind für stärker hielt, als dieser war. Er erkannte klar, daß am Kap wie in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung bringe, und daß danach gehandelt werden müsse, wo sich eine Gelegenheit zur Schwächung der feindlichen Kräfte biete.
Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781. Das englische Geschwader zählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3 50-Kanonenschiffe,[382] 3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14–20 Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und 10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen; das französische 2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 und 1 10-Kanonenkorvette.
Johnstone hatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich zwar nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen Feind, obwohl er von der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben soll. Die schweren Schiffe lagen in unregelmäßiger Linie, die Fregatten und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel (Plan a), die Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das Flaggschiff (Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark behindert, und der Kommodore begab sich deshalb beim Nahen des Feindes auf ein anderes Schiff („Hero“, 74 Kanonen, Plan c). 1500 Mann des Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum Fischen oder auf Urlaub am Lande, als der Feind um 9½ Uhr vormittags in Sicht kam.