Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.

Suffren hatte ein gekupfertes Schiff („Artésien“, 64 Kanonen) vorausgeschickt, den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8¾ Uhr den Feind. Der Chef gab kurz entschlossen den Befehl: „Vorbereitung zum Gefecht vor Anker“. Er kehrte sich nicht an die Neutralität des Hafens, war er doch selber gefangen genommen worden, als Admiral de la Clue 1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt wurde. Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, die etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er hoch beim Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit nach Lee getrieben sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die Überraschung voll auszunutzen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff (zufällig auch „Héros“, 74 Kanonen) an die Spitze der drei anderen Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m querab des „Hero“; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas nach 11 Uhr das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann („Annibal“, 74) ankerte so nahe vor ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter auslaufen lassen mußte, wodurch es querab von einem anderen Engländer („Monmouth“, 64; Plan d) kam.

Der Kommandant des „Annibal“ hatte zum Wassernehmen klarmachen und Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die Neutralität achten würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe, begann er die Vorbereitungen zum Gefecht zu spät, und so konnte sein Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend auftreten. Das dritte Schiff, „Artésien“, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer für ein Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr Versehen mit dem Leben. Auf „Artésien“ war infolge Ausfalles des Kommandanten der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit dem Ostindienfahrer aus dem Hafen (Plan e, e′ e″), die beiden zurückgebliebenen Franzosen („Sphinx“ und „Vengent“, 64) rundeten die Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten dann nicht hoch genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht (f, f′). So hatten „Héros“ und „Annibal“ fast allein das englische Feuer auszuhalten, an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und Gewehren beteiligten; sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern. Suffren kappte deshalb gegen Mittag das Ankertau und „Annibal“ folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die Masten über Bord und er mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der Kommodore ließ ihn durch „Sphinx“ in Schlepp nehmen. Suffren bildete dann auf See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach dem Kap fortzusetzen.

Johnstone berief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem Feinde. Eins seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen Fockmast und „Monmouth“ blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück. Der englische Admiral wagte auch nicht, weit zu folgen, da er dann nur schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er vergessen, seinem Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was er in dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er 1½ Kanonenschußweite vom Feinde bei. Am anderen Morgen war Suffren aus Sicht, und Johnstone ging nach Porto Praya zurück.

Die Verluste betragen auf englischer Seite 36 Tote und 130 Verwundete, auf französischer 105 und 204.

Beurteilung der Führer. Nach eigenem Ausspruch wollte Suffren „durch Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der Wurzel abschneiden und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit in Indien sichern, aus der vielleicht ein guter Friede hervorgehen könne“.[179] Er bekundete damit, wie auch später in Indien, sein Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der feindlichen Streitkräfte; schon d'Estaing gegenüber in Westindien war er hierfür eingetreten. Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte ihm Feuer nach beiden Seiten, und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert hätten, würde er wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb an einen Freund: „Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen; man hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.“

Von den französischen Kommandanten hat der des „Annibal“ seine Nachlässigkeit vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der Mißgriff des „Artésien“ ist durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die Kommandanten der beiden anderen Schiffe[384] trifft der Vorwurf, daß sie die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden haben, aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die Lage zu übersehen.

Johnstone erscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage überraschen ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem Kampfe noch später durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder gut. Er soll wenig praktische Erfahrung gehabt und dies wichtige Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige Kritiken über die Admirale Howe und Keppel, Gegner der Admiralität, veröffentlicht hatte.

Suffren erreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber er gewann doch einen großen Vorsprung. Während Johnstone 14 Tage zum Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem Kap fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die Kapkolonie bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche seemännische Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen Weg geschleppt werden. Johnstone erschien 14 Tage später vor Kapstadt, wagte aber nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene holländische Ostindienfahrer in der Saldanhabucht, die von Kapstadt dorthin gegangen waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von hier entschlüpfen zu können, wenn sich das englische Geschwader vor der Tafelbai zeige. Suffren ging zwar in See, als Johnstone gemeldet wurde, dieser hatte aber schon die Heimfahrt nach England angetreten und 3 Linienschiffe nach Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August, nachdem er sich von der Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt hatte, nach Isle de France. Hier traf er am 25. Oktober ein und Graf d'Orves ging am 17. Dezember mit der Gesamtflotte nach Indien in See; auf Transportern wurden 3000 Soldaten, alles was auf den Maskarenen verfügbar war, unter General Du Chemin mitgeführt. Am 22. Januar ward ein englisches 50-Kanonenschiff genommen und in die Flotte eingestellt; am 8. Februar starb d'Orves und Suffren übernahm den Oberbefehl.