Die Lage der beiden Flotten in Indien. Es standen sich zwei tüchtige Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische Geschicklichkeit der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische Wissen der Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein falsches System so lange unterdrückt waren.

Die französische Flotte zählte bei Beginn der Unternehmungen 3 74-, 7 64- und 2 50-Kanonenschiffe, die englische, zu der inzwischen die von Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, 2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64- und 1 50-Kanonenschiff.

Suffren war also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch an Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem Admiral Hughes überlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote, während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielen angreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff erfolgen würde.

Dagegen war Suffren ohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor allem der wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen Ort zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußte Hughes entgegentreten, er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu machen oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf nur unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen Gründen mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß Trincomali noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen war. Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein hervorragendes Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft.

Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782. Suffren erschien am 15. Februar vor Madras, unter dessen Kanonen Hughes vor Anker lag, verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen Angriff und steuerte südlich; Hughes folgte in der Nacht, weil er für Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die feindlichen Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen etwa 12 Seemeilen östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A a). Er jagte den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische Prisen, das sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord. Suffren versuchte zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten während der Nacht bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar befanden sie sich auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte zwischen Madras und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in der Suffren mit der alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil des Feindes mit Übermacht angriff.

Die Schlacht bei Sadras. Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen Böen, die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer (Plan B, a). Hughes bildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b); er rechnete mit einem baldigen Einsetzen der Seebrise, die ihm die Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind blieb jedoch aus und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei, da der Feind schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug an den Wind und erwartete den Angriff. Seine Linie war jetzt besser geschlossen, nur das letzte Schiff „Exeter“ stand zurück (c); man kann nicht recht einsehen, weshalb Hughes die Linie nicht über Backbordbug gebildet hat, dann konnte leicht auf „Exeter“ aufgeschlossen werden.

Suffren griff um ½4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach Möglichkeit die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem Flaggschiff „Héros“ an die Spitze, steuerte auf das letzte englische Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. Beim sechsten englischen Schiffe stoppte er um 4½ Uhr, signalisierte für das ganze Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab drei Schiffen[386] (dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er beabsichtigte also mit seinen 12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt. Der Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich auf halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern entgegentreten zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen wenden sollten; seine Kommandanten verstanden dies aber nicht und blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. Von den drei dazu beorderten Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des Feindes; später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht oder neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den „Exeter“, der schon das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte, sich jedoch wacker wehrte. Beim Herankommen des dritten Gegners fragte der Master den Kommodore Richard King, dessen Stander auf „Exeter“ wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: „Nichts, aber fechten, bis wir sinken.“ Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf alle Schiffe über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die Möglichkeit zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel. Suffren, der auch so schon eingesehen hatte, daß der Kampf keine Entscheidung bringen würde, brach das Gefecht ab. Die Flotten trennten sich; Suffren steuerte nach NO, Hughes nach Süden.

Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.