Der Verlust betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten des Flaggschiffes „Superb“ und des „Exeter“, und 83 Verwundete, französischerseits 30 und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die beiden ebengenannten stark beschädigt.
Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten; diese hätten näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral auch nicht das Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier, Kapitän de Tromelin, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte zwar die Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung. Ferner war sein Schiff unter den nach Lee befohlenen und er kannte den Plan Suffrens. Dieser hatte ihm[387] zehn Tage vor der Schlacht geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit den überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe. Falls dann Tromelin die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen Maßregeln ergreifen, da er am besten übersehen könne, wie viel Schiffe für den Angriff von Lee verfügbar seien. Zum Zweck der Eroberung von Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht erwünscht. Ganz ohne Schuld ist jedoch auch Suffren nicht. Er nahm die Spitze, da sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen Tageszeit wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese Stellungnahme wirkte zwar nicht notwendig, aber doch sehr natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie die nachfolgenden Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und Kampfeslust haben Suffren wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach zeigen wird.
Admiral Hughes durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward angegriffen zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu entschuldigen. Er hatte über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar die Seebrise von SO gegen 11 Uhr vormittags einzusetzen pflegt.
Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie französische Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des mangelhaften Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte. Hughes ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach Trincomali.
Die Schlacht bei Sadras war aber doch ein Erfolg Suffrens, er konnte mit Haidar Ali in Verbindung treten und dessen Tatkraft wieder beleben. Schon am 19. Februar traf der französische Agent beim Sultan mit der Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie sehr günstige Friedensbedingungen geboten habe, Haidar würde aber nicht darauf eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs jetzt erhielte. Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, sobald es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land an Frankreich abtreten. Suffren, der am 21. Februar der leichteren Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, wo Tippu Sahib, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine englische Abteilung vernichtet hatte. Am 4. April kapitulierte Cuddalore.
Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782. Suffren bat von Porto Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne, so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe abzuschneiden, die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch nicht. Hughes hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8. April sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich steuerte, er setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu verstärken. Am 10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene Transporter ab und am 12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß die schnellsten feindlichen Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er mußte sich somit zur Schlacht entschließen. Die Flotten befanden sich auf der Höhe der kleinen Felseninsel Providien, etwas südlich von Trincomali[180].
Die Schlacht bei Providien, 12. April 1782.
Die Schlacht bei Providien. Die Flotten waren die gleichen wie bei Sadras, die englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt. Es standen also 12 Franzosen gegen 11 Engländer, erstere etwa 6 Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem Winde. Um 9 Uhr vormittags bildete Hughes die Gefechtslinie über Backbordbug, Kurs WNW, Suffren tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan A, a); Hughes erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; Suffren beabsichtigte, seine Linie Schiff gegen Schiff an die feindliche heranzuführen, nur das überschießende zwölfte sollte das letzte englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der Franzosen, in der außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an den Feind herankam als die Mitte oder gar die Nachhut, sowie daß sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, dem Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können. Die drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie gegen 1 Uhr die ersten Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie blieben auch in diesem Abstande vom Feinde, obgleich der Admiral befahl, näher heranzugehen.