Suffren dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff („Héros“, 74) bis auf Pistolenschußweite an das englische („Superb“, 74) heran, heißte das Signal für[389] „Nahgefecht“ (1½ Uhr) und drehte auf. Sein Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen nach und nach ihre richtigen Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten Schiffe weit vom Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne nach befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher. Die französische Flotte bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). Das Hauptgefecht entspann sich beim englischen Flaggschiff. „Héros“ hatte wegen Beschädigungen in der Takelage nicht gleich querab von „Superb“ zum Stehen gebracht werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen Vordermann („Monmouth“, 64); sein Hintermann „L'Orient“ nahm den Platz neben „Superb“ ein. „Monmouth“ wurde entmastet und trieb aus der Linie; da „Héros“ unwillkürlich nachdrängte, kam er vor „Superb“ zu liegen. So wurde dieses Schiff durch „Héros“ mit den Heckgeschützen von vorn beschossen, während es mit „L'Orient“ und dessen Hintermann, der auf des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag (Plan B); es litt schwer. Gegen 3½ Uhr gab Hughes den Befehl, zugleich zu halsen und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der Küste mit ihren Korallenriffen zu sehr näherte. Suffren folgte dem Beispiele und erneute den Befehl zum Angriff mit der besonderen Weisung an ein Schiff, den „Monmouth“ zu nehmen, der hilflos zwischen den beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann Vorsprung, und es gelang einem ihrer Schiffe, den „Monmouth“ in Schlepp zu nehmen und in Lee der englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es nicht wieder. Schwere Gewitterböen gaben den Schiffen genug mit sich selbst zu tun, namentlich den französischen, die in Unordnung geraten waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere sogar gewendet hatten. Suffren, der um 5½ Uhr von seinem beschädigten Flaggschiffe auf ein anderes übergegangen war, gab um 6½ Uhr den Befehl, das Gefecht abzubrechen.

Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein. Beide Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit Rücksicht auf die Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr genötigt zu ankern, wo sie waren. „Héros“ kam, nach Lee getrieben, dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch einer Fregatte, ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht bei umspringendem Winde der gefährlichen Lage.

Die Verluste betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357 Verwundete, auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein 104 bzw. 198 auf „Monmouth“ und „Superb“, während sich der französische Verlust gleichmäßiger auf alle Schiffe verteilte. Auf den fünf hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, aber auch die Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer gewesen war als das französische[181].

Die Schlacht blieb unentschieden; beide Parteien ankerten darauf etwa 2 Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier 6 Tage liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete Suffren Anker und bot dem Gegner den Kampf an, Hughes nahm ihn mit Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff („Monmouth“) nicht an; ihn anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn ausschlaggebend war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all seiner Kommandanten verlassen konnte[182]. Am 20. April segelte er nach Batticaloa, etwa 60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in holländischem Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende französische Zufuhren decken, sowie englische abfangen. Hughes lief am 28. April in Trincomali ein.

Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782. Suffren fand in Batticaloa Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2 Linienschiffe einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm Mannschaften, Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie Rundhölzer fehlten, und er nur noch für eine größere Schlacht Munition hatte, obschon ein großer Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen haben würde, nahm er die Verantwortung auf sich, zu bleiben. Zu seinen Offizieren äußerte er, er wolle lieber seine Schiffe vor den Mauern von Madras untergehen lassen, als das Feld räumen. Dem Gouverneur der Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle de France, das Ausrüsten dort und die Rückfahrt nach Indien würden 6 Monate in Anspruch nehmen, die bei der Lage der Dinge in Indien für die französische Sache verhängnisvoll werden würden; er könne an Ort und Stelle die Verhältnisse besser beurteilen als der Minister in Versailles.

Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige Bedarfsgegenstände erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der dänischen Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig Fregatten kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen bereit; fast wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach Madras bestimmten englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die Verfolgung abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali zwischen sich und Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein französischer Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar. Suffren segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit Lebensmitteln vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen Madras und Trincomali; es glückte ihm, einige englische Transporter aufzubringen.

Am 20. Juni ging Suffren nach Cuddalore, um mit dem französischen General und Haidar-Ali in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte sich sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des Generals Du Chemin; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen, seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt Haidar viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu treten, sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der Admiral hatte nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an der Küste aufhalte, und beschlossen, vor allem den Kampf um die Seeherrschaft zum Austrag zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe, wollte er Negapatam angreifen. Zu diesem Unternehmen schiffte er 700 Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und Haidar zog gleichfalls Truppen zusammen, aber der Kampf zur See blieb in Suffrens Augen die Hauptsache; die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig zur Auffüllung der Schiffsbesatzungen dienen.

Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem entblößt war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen hatte, konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren sechs Monate lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das Aufbringen von Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um größere gekupferte Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch länger dauern würde.

Hughes hatte acht Wochen zur Ausbesserung des „Monmouth“ gebraucht; Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, um schon als vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte er nach Negapatam. Suffren verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete am 5. um 1 Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging um 3 Uhr in See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; es war die Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen Windstille, gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, und es kam zur Schlacht.

Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782. Ein französisches 64-Kanonenschiff hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie die Kreuzmarsstänge verloren und war am 6. noch nicht wieder kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten in Lee der Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide Gegner steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu Luward. Um 10½ Uhr vormittags hielt Hughes in üblicher Weise zum Angriff ab und um 11 Uhr lagen die beiden Flotten in parallelen Linien Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische Nachhut war, wie so häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt (Plan, Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer Seite das vierte Schiff von vorn („Brillant“, 64) den Großmast, mußte sich in Lee seiner Linie bergen (a) und blieb dann zurück (a′); auf englischer Seite wurde das Spitzenschiff „Hero“, 64, b) so beschädigt, daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte nach Negapatam. Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte.