Ein Vergleich der englischen mit der französischen Tabelle zeigt, daß vom 80-Kanonenschiff aufwärts die Schlachtschiffe der Franzosen an Artillerie überlegen waren, da sie mehr mittlere und schwere Geschütze führten. Auch wurden die französischen Schiffe weit stärker bemannt.

Die Einführung der Karronade[15] verstärkte gegen das Ende dieses Zeitabschnittes die Schiffsartillerie wesentlich. Dies war ein Kammergeschütz

Verteilung der Geschütze auf englischen Schiffen 1765.
Schiffe
mit
Kanonen
Batterie Besatzungs-
Stärke
UntersteMittlereObersteQuarterdeckBack
100[1)]30–42-Pfdr.28–24-Pfdr.30–12-Pfdr.10–6-Pfdr.2–6-Pfdr. 841
100[2)]28–4228–2428–1212–64–6 743 (?)
9026–3226–1826–1210–62–6 743
8026–3226–1824– 9 4–6 724
74[1)]28–3230–2412–94–9 594
74[2)]28–3228–1814–94–9
6426–2426–1810–92–9 494
5022–2422–12 4–62–6 345
4420–1822– 92–6 297
38erst 1780
eingeführt
die neuen
Fregatten
28–1812–9-Pfdr. 297
3626–12 8–6Pfdr.2–6Pfdr. 297
3226–12 4–62–6 257
2824– 9 4–6 198
24[3)]2–9Pfdr.20– 9 2–3 158
20Sloops20– 9 158
1414– 9 124
Verteilung auf französischen Schiffen 1765
(nach Troude I, Seite 20).
11632–36-Pfdr.34–24-Pfdr.34–12-Pfdr.16–8-Pfdr.1260
11032–3634–2434–121180
9030–3630–2430–121070
8030–3630–24-oder18–12-oder 940
18-Pfdr. 8-Pfdr.
7428–3630–1816–8-Pfdr. 734
6426–2418-oder16–6 „ 589
28–12-Pfdr.
5024-oder26–12 430
24–18-Pfdr.
30Fregatten12-oder 220
26– 8-Pfdr.
2424– 8 210
208-oder 150 (?)
20– 6-Pfdr.
16Korvetten16– 6 120 (?)
1212– 4 100 (?)

1) Großer Typ.

2) Kleiner Typ.

3) Alter Typ.

mit bedeutend kürzerem und auch leichterem Rohr, als die Kanone von gleichem Kaliber hatte. Man konnte nun ohne Überlastung auf kleineren Fahrzeugen stärkere Kaliber als bisher aufstellen und auf großen Schiffen mehrere Geschütze dieser Art der alten Bestückung auf dem Oberdeck hinzufügen; infolge ihres geringen Gewichtes waren die Karronaden sehr viel leichter und somit schneller zu bedienen. Zwar war ihre Schußweite bedeutend geringer als die der Kanonen, aber ihr Geschoß rief infolge seiner geringeren Geschwindigkeit eine größere Splitterwirkung beim Durchschlagen der Bordwand hervor. Die Karronade war hierdurch eine besonders für den Nahkampf geeignete Waffe, um so mehr, da auch ihre Kartätschladung bei der Verwendbarkeit starker Kaliber große Wirkung gegen Mannschaft und Takelage hatte.

Die Karronade ist von dem englischen General Robert Melville erfunden; wegen der großen Wirkung gegen Holzziele taufte dieser sie „smasher“ (Zertrümmerer). Das erste Geschütz — in den Eisenwerken der Carron-Kompagnie (daher der Name) am Fluß Carron in Schottland etwa 1774 gegossen — hatte etwa das Gewicht des 12-Pfünders, war kürzer als der 6-Pfünder, aber von größerem Kaliber als die 42-Pfünder-Kanonen. Da man sie für Schiffsgeschütze als zu schwer erachtete, fertigte die Fabrik Karronaden entsprechend den 24-, 18- und 12-Pfündern an. Sie wurden sofort für Freibeuter in dem bald darauf ausbrechenden Kriege beliebt, aber auch auf Fregatten und kleineren Fahrzeugen der Marine erprobt.