Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter häufiger Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den langsamsten Schiffen ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu Zeit die Ordnung zu verbessern. Die Franzosen folgten mit vollen Segeln und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich auch Suffren durch zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, mühsame Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe. „Signal folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie ab, als ob sie unentschlossen wären, was zu tun sei,“ berichtete Hughes. Als Suffren um 2 Uhr nachmittags endlich etwa 25 Seemeilen von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner heran war, der ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals die Linie zu verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und Fehler dabei machten die Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral, dem die Geduld ausging, gab um 2½ Uhr Befehl, zum Herangehen auf Pistolenschußweite wieder abzuhalten.

Suffren hoffte, daß trotz der Unordnung jedes Schiff seinen Gegner in der feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der überschießenden Schiffe seiner Linie, ein Linienschiff und die Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her[396] dublieren sollten. Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu geben, hatte Suffren einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die Besatzung seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch nicht zum Nahangriff abgehalten hatte, das Signal zur Eröffnung des Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und diesem Beispiele folgten die anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite vom Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch schwerer, die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe hielten bei dem Versuche, auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus, einige drehten auch wohl zu früh auf, und so bildete sich eine ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht eingreifen konnte (Plan B, a).

Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die Schiffe gegenseitig maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her angreifen sollten, unterließen dies, weil die englische Nachhut von Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den Kampf mit den beiden letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die Fregatte allein zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74) und nur 2 andere des Kampf mit 7 Engländern zu führen, die nach und nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste und hinterste Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten abgaben. Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des „Héros“ in Fetzen, das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff steuerlos[184], später, um 6 Uhr, ging der Großmast über Bord; ein anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, das dritte war ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu Anfang wäre es wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren.

Um ½6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle Schiffe zugleich, und fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten Schiffe verloren gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der übrigen Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch auch beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht möglich war. Da die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der Abstand zwischen den Flotten, und die französische Vorhut, die jetzt zu Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen die Kämpfenden zu schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). Hughes hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; Suffren ließ die beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu.

Die Verluste der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten, und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote und 178 Verwundete allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich im Kampf gestanden hatten. Auf beiden Seiten waren 3–4 Schiffe schwer beschädigt.

Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten. In seinem Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, „um nichts Schlimmeres zu sagen“, den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen. Dieses Mal traf jedoch auch ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene Eile. Er hatte eben als Mann von großen Fähigkeiten auch seine Fehler, und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. Aber hätte er nicht so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum Kampfe gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt wurde.

Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle de France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden, und der Admiral bewilligte es, wie er berichtete, „mit Freuden“.

Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die Suffren mit Hinblick auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere Zeit ausbessern. Hughes ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September eintraf; Suffren suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe („Lorient“, 74) infolge nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material, besonders die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der Flotte ein.

Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis zur Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783. Suffren erhielt in Trincomali die Nachricht vom Tode des Generals Du Chemin. Dessen Nachfolger, Oberst d'Hoffelize, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore kaum noch halten könne, weil Haidar Ali aus Mangel an Lebensmitteln in dem völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen vermöge; eine Berennung der Stadt durch Eyre Coote stünde bevor.