Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch diesmal wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See und erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff („Bizarre“, 64). Die Verhältnisse fand man nicht so schlecht vor; Eyre Coote hatte sich auf die Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das Erscheinen der französischen Flotte voraussah — gewissermaßen ein Erfolg der Franzosen durch die Schlacht.
Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und steht auf die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. Die schwere See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, also auch die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. Außerdem ist der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden gegnerischen Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt ebenso gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren war, sah sich Hughes genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, um sich dort mit der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober wurde er durch einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und segelte dann gleich nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore Sir Richard Bickerton mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. Er hatte England am 6. Februar verlassen, war schon in Bombay gewesen, ging jetzt sofort dorthin zurück und langte am 28. November an, während die Schiffe Hughes' erst eins nach dem andern, teilweise schwer durch den Sturm beschädigt, eintrafen. Die englische Flotte blieb dann bis zum Frühjahr in diesem Hafen.
Suffren hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es in dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen bot. Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die Verstärkung unter General de Bussy ihn hier treffen wolle, ein bestimmter Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte der Admiral keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900 Franzosen und Holländer, 600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte waren genügend vorhanden.
Die Verzögerung der französischen Verstärkung. Während England auf die Nachricht von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6 Linienschiffen unter Bickerton entsandte, machte Frankreich verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, besonders an Truppen, nach Indien zu schicken. General Bussy verließ heimlich im November 1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen Konvoi unter de Guichen ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich von den Engländern zersprengt und nur zwei Transporter gelangten nach Teneriffa. Einen Teil der von ihnen mitgeführten Soldaten ließ Bussy im Kapland zum Schutz gegen Bickerton, um dessen Kommen er wußte. Er erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von dort die Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden Mannschaften zu Suffren, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er selber erwartete weitere Verstärkungen in Port Louis. Eine von ihnen blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April 1782 in der Biskaya vom Admiral Barrington abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe unter Kapitän de Peynier, die schon im Februar mit der Flotte de Guichens Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das Kapland, ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten. Die Krankheit herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France, und obgleich sie Anfang November erloschen war, ging Bussy doch erst am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich um vorher noch ein Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und überhaupt nicht mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege.
Das lange Ausbleiben Bussys einerseits und die Ankunft Bickertons anderseits hatten auf Haidar Ali einen ungünstigen Eindruck gemacht; nur mit Mühe gelang es Suffren, ihn nochmals zur Weiterführung des Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober die Küste verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am 24. erhielt er die Nachricht, daß Bussy wegen der erwähnten Epidemie seine Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten Furcht, daß der Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß er baldigste Rückkehr nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren hatte, daß die englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging am 20. Dezember in See und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der Orissaküste ein. Hier, 500 Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen Wind zur Fahrt nach dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen Küstenfahrer und Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff und eine Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele Prisen aufgebracht. Wäre Bussy jetzt gekommen — es wäre möglich gewesen, da die Epidemie Anfang November erloschen war —, so hätte er bei voller Beherrschung der See durch Suffren im Carnatic mit starker Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den Indern Madras genommen worden, ehe Hughes erschien.
Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren Schlag erlitten; Haidar Ali war am 7. Dezember gestorben. Sobald Suffren dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, um mit Tippu Sahib in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu behaupten; am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst d'Hoffelize war inzwischen mit französischen Truppen näher an das Lager Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; die Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile ausnutzen, weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen griffen sie von Westen her unter General Mathews wieder mit Erfolg an. Als Tippu sich nun dorthin wenden wollte, gelang es Suffren wiederum, durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt, fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die abgezweigten Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9. März kam endlich de Bussy an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte und 35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten eingeschifft waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die Abfahrt der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung vorausgesandte Korvette vom Feinde abgefangen war.
Bussy übernahm nun den Oberbefehl zu Lande und zu Wasser. Es war die höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die Engländer weitere Fortschritte im Westen machten und Tippu sich schon dorthin in Marsch gesetzt hatte. D'Hoffelize, der ihm auf dringende Bitten ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, mußte sich in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, ihn so schnell wie möglich zu verstärken. Da Hughes täglich mit 18 Linienschiffen zu erwarten war, Suffren augenblicklich aber nur über 13 verfügte, weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den Vorschlag, mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie den schnellsten Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich nach Cuddalore zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die Soldaten am 16. in Porto Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat am 4. April die Rückfahrt nach Trincomali an, um die Schiffe weiter instand zu setzen und um sich bei dem jetzt bald eintretenden Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte zu halten, wenn diese anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kapitän Peynier an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten englischen Konvoi zurück.
Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die englische Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil Hughes nach Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division Peynier abzufangen; dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20. unbehelligt Trincomali. Am 12. Mai war hier der Befehl Bussys eingetroffen, ihm mit der ganzen Flotte den Rest der Vorräte zu bringen. Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit noch nicht seeklar, und Suffren wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe einzusetzen. Er hatte recht damit, denn am 24. Mai passierte die englische Flotte Trincomali mit Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; wahrscheinlich beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische ihn verlassen hätte. Suffren rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2 Fregatten mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm Nachrichten über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni zurück.
Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788. Die Verhältnisse am Lande standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. Sultan Tippu war es zwar gelungen, das Heer des Generals Mathews im April zur Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er war nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. Bussy hatte sich wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch Hughes verstärkt waren, wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, Suffren solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis habe, daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen Flotte blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen, diese Nachricht rechtzeitig zu erhalten? Suffren aber zögerte nicht, die Verantwortung auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter Segel und seine Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20 Seemeilen südlich von Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und Transporter befanden sich dicht unter der Küste in der Nähe des englischen Heeres, von dem Bussy am gleichen Tage in einem, allerdings sehr verlustreichen, Gefechte in die Stadt zurückgeworfen war. Alles hing jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, und es folgte die fünfte und letzte Schlacht zwischen Suffren und Hughes, vor der es ersterem noch gelang, die Besatzungen seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen.
Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783. Die englische Flotte zählte 18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu 64, 2 zu 50; die französische 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60, 2 zu 50.