Beim Erscheinen Suffrens verlegte Hughes seinen Ankerplatz auf etwa 5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte südlich von ihm. Am 14. Juli ging Suffren wieder unter Segel, kam aber infolge flauer und umspringender Winde erst am 16. auf etwa 10 Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete auch Hughes Anker und steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm lag mehr daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren der Flotten bei westlichem Winde hin, aber Suffren ließ sich hierbei nicht weit von der Küste abziehen. Er bat den General Bussy um Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen — diese zählten meist nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem noch zur Hälfte aus Soldaten oder Sepoys — ankerte am Abend dicht vor Cuddalore und nahm während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff heranzukommen, gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung nicht, weil die sämtlich gekupferten englischen Schiffe besser segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich blieb, entschloß sich Hughes endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung anzunehmen; er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem Kurse. Suffren führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ um 3½ Uhr nachmittags zum Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich bei dieser Art des Angriffes war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte schärfer als zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite 232) schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig abgehalten hätten, um den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die Franzosen jedoch auf Signal ihres Admirals stets gefolgt wären, bis es um 6½ Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete.

Die Verluste betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434 Verwundete, auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei beiden Parteien keine besonders großen Beschädigungen erlitten zu haben.

Es ist bemerkenswert, daß Suffren den Kampf von einer Fregatte aus leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der besseren Übersicht wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe befehlige; die gleiche Weisung war auch an andere französische Admirale ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, falls er es für nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus ebensogut leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch durch sein Beispiel im Gefechte zu nützen[185].

Suffren wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch ab, daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er hatte zwar in Trincomali verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben, deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe die Nachhut bilden und mit ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, während die übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation segelte die Flotte auch am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr; Suffren hat doch wohl nach den bisherigen Erfahrungen mit seinen Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches Manöver durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht über seine Untergebenen.

Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg Suffrens. Hughes lag während der kommenden Nacht bei, ging aber dann nach Madras; als Gründe hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, Wassermangel und die Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten 1100 Mann, also fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft hatte, weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten ließ. Er stand mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher, daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen Feinde gegenüber stark erschüttert war. Suffren hatte am 21. Juni morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er hatte mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen und dann durch die Schlacht ganz vertrieben.

Das Ende des Krieges. Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder zurückkommen, und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen am Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: „Ich bin ratlos seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.“ Aus dieser Verlegenheit wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die Nachricht des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf nichtamtlichen Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten Behörden beider Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die Feindseligkeiten einzustellen.

Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen Tippu frei zu bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für ihren Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit, mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. Bussy zog nach Eintritt des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück, Tippu räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem im März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten Eroberungen zurück. Die Herrschaft Englands in Indien war gesichert.

Suffrens Rückreise nach Frankreich glich einem Triumphzuge. Er trat sie am 9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes „Héros“ von Trincomali aus an. In Isle de France ward er von der französischen Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen auf das höchste geehrt, besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte Hughes', deren Kommandanten sich mit dem Kommodore King an der Spitze beeilten, ihm ihren Besuch abzustatten. Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. In der Provence, in Paris sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich als Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der dritten Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4. April 1784 schuf der König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die nach seinem Tode wieder eingehen sollte. Die Provence überreichte ihm eine Medaille mit der Inschrift: „Das Kapland beschützt; Trincomali genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche Schlachten.“ Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen überreichen.

Ein kurzer Rückblick auf den Seekrieg in Indien erscheint als Pflicht gegen den Admiral Suffren, dessen Tätigkeit man als die bemerkenswerteste und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen großen Krieges bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für Frankreich in Indien eine besonders gute Gelegenheit bot, England anzugreifen. Hierzu hätte man aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden müssen, die imstande war, die Seeherrschaft zu erringen, wodurch dann auch die indischen Gegner Englands in ihrem Kampfe unterstützt und ermutigt worden wären, sowie durch Lagern von Vorräten in Isle de France und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen müssen, daß die Flotte in den indischen Gewässern stets leistungsfähig blieb.