Captain John Paul Jones.

Auftreten des amerikanischen Kapitäns John Paul Jones in den europäischen Gewässern. Paul Jones, 1747 in Schottland geboren, kam als Geschäftsreisender nach den Kolonien, blieb dort, fuhr als Steuermann auf Sklavenschiffen und ward unter den ersten Offizieren der neuen Marine am 22. Dezember 1775 als Leutnant 1. Klasse angestellt. Im August 1776 zum Kapitän ernannt, führte er mit großem Erfolge eine Brigg in den heimischen Gewässern, erhielt 1777 das Kommando des kleinen Schiffes „Ranger“ (18 Kanonen, 135 Mann) und heißte bei der Indienststellung am 14. Juni eigenhändig zum ersten Male die eben eingeführte „Stern- und Streifenflagge“ der Vereinigten Staaten. Im November verließ er Amerika, machte auf der Überfahrt zwei Prisen und traf am 2. Dezember in Nantes ein. Von dort führte er einige amerikanische Handelsschiffe nach Lorient, die sich hier einem französischen nach Westindien bestimmten Konvoi anschließen sollten, und bei dieser Gelegenheit ward die neue Flagge zum ersten Male von französischen Kriegsschiffen salutiert. Am 10. April 1778 trat er von Brest aus eine Kreuzfahrt um Irland an. Auf dieser brachte er verschiedene Prisen auf, versuchte am 22. die im Hafen von Whitehaven, südlich vom Clyde, liegenden Schiffe zu verbrennen, wobei er allerdings nur geringen Erfolg hatte, und landete dann auf der Insel St. Mary im Solway Firth, um Lord Selkirk in seiner Besitzung aufzuheben und als Geisel gegen die schlechte Behandlung gefangener Freibeuter durch die Engländer fortzuführen. Der Lord war abwesend, aber die Amerikaner erbeuteten dessen Familiensilber; Jones kaufte es später seinen Leuten ab und sandte es dem Eigentümer zurück. Am 24. April zwang er vor Belfast Lough die englische Sloop „Drake“ (20 Kanonen, 154 Mann) in einem heftigen Gefechte zum Streichen der Flagge und segelte dann nördlich um Irland nach Brest zurück.

Eine zweite Fahrt konnte Jones wegen Geldmangels erst im Sommer 1779 antreten. Er verfügte jetzt über einen ehemaligen französischen Ostindienfahrer, „Bonhomme Richard“ (42 Kanonen), als Flaggschiff, eine amerikanische Fregatte, „Alliance“ (32 Kanonen), unter einem französischen Seeoffizier Landais, zwei mit 30 und 12 Kanonen armierte Kauffahrer „Pallas“ und „Vengeance“ und einen 18-Kanonenkutter. Die Flottille ging am 14. August zusammen mit 2 französischen Freibeutern von Lorient in See. Jones besaß aber nur geringe Machtbefugnisse über die anderen Fahrzeuge, deren Befehlshaber sich unbotmäßig zeigten. Die Freibeuter verließen ihn gänzlich und auch Landais ging eigene Wege, sobald es ihm gutdünkte; er hatte seine Laufbahn in der französischen Marine verfehlt, zeigte ein überspanntes Benehmen und war empört, daß er nicht den Oberbefehl erhalten hatte.

Die Fahrt ging um Irland und Schottland herum; bis zum 21. September wurden 17 Prisen gemacht. Die Küstenbevölkerung Schottlands war in größter Aufregung, aber Jones konnte seine Absicht, Leith eine Kontribution aufzulegen, nicht durchführen, da seine Unterführer den Gehorsam versagten.

Am 23. September stieß die bis auf den Kutter vereinte Flottille südlich von Flamborough Head vor der Mündung des Humber auf einen englischen Ostseekonvoi. Die begleitende Fregatte „Serapis“ (44 Kanonen, 264 Mann), Kapitän Pearson, sowie ein armierter Kauffahrer „Countess of Scarborough“ (20 Kanonen) traten den Amerikanern mutig entgegen. Jones befahl, die Schlachtlinie zu bilden, aber Landais verweigerte dies ausdrücklich und „Vengeance“ war zu weit entfernt; so kamen nur das Flaggschiff und „Pallas“ gegen 7½ Uhr abends ins Gefecht. Diese zwang nach zweistündigem Kampfe das kleinere englische Schiff zum Streichen der Flagge.

In dem Kampfe zwischen „Serapis“ und „Bonhomme Richard“[189] wurde dieser durch die überlegene Artillerie des Gegners bald völlig außer Gefecht gesetzt und das Schiff derartig im Rumpfe durchlöchert, daß es zu sinken drohte. Jones ging deshalb dem Feinde längsseit und errang in blutigem Kampfe, in dem sein Flaggschiff 116, die „Serapis“ 126 Mann einbüßte, durch seine persönliche Hartnäckigkeit und Kaltblütigkeit schließlich den Sieg. „Serapis“ strich um 10½ Uhr nachts die Flagge und wurde von den Amerikanern besetzt; „Bonbomme Richard“ sank am folgenden Tage.

Landais hatte nur den Kampfplatz umsegelt und Breitseiten auf die englischen Schiffe abgegeben; er hat aber auch auf das Flaggschiff Jones' gefeuert, und zwar nach eigner Aussage mit Absicht, um es in Feindeshand fallen zu lassen, dann wiederzunehmen und die „Serapis“ gleichfalls zu erobern.