Der englische Konvoi hatte sich während des Gefechtes retten können, und Pearson wurde deshalb trotz des Verlustes seines Schiffes in den Ritterstand erhoben.
Jones führte seine Flottille nebst den Prisen nach Texel und von dort Ende Dezember trotz der englischen Kreuzer durch den Kanal nach Lorient, wo sie aufgelöst wurde. England erklärte ihn für einen Seeräuber und setzte einen Preis von 10000 Lstrl. auf seinen Kopf. In Paris überhäufte man ihn mit Ehren, und in Amerika ward er als Admiral an die Spitze der Marine gestellt, als er 1780 zurückkehrte. 1788 trat er als Kontreadmiral der baltischen Flotte in russischen Dienst. Da aber englische Offiziere nicht unter ihm dienen wollten, wurde er zur Flotte des Schwarzen Meeres versetzt und zeichnete sich hier gegen die Türken aus. 1789 wurde er jedoch durch Intrigen verdrängt, lebte dann in Holland und Frankreich, wo er 1792 fast vergessen zu Paris starb. Es ist ungerecht, Jones als einen in französischem Solde stehenden Verräter an der englischen Sache hinzustellen, wie es einige englische und auch deutsche Werke tun; er war ebenso amerikanischer Bürger wie viele andere noch in England geborene Amerikaner. (Biographie Jones' von Abbot, Washington 1875.)
Die kleine amerikanische Kriegsmarine ging in dem Handelskriege zugrunde; beim Friedensschluß waren nur noch 3 Schiffe mit zusammen 84 Kanonen vorhanden. Aber durch die von ihr genommenen Schiffe — nach Spears während des ganzen Krieges 800 an der Zahl — sind zum Teil die Mittel an Kriegsmaterial und Geld zur Durchführung des Landkrieges aufgebracht.
Der Frieden von Versailles.
Bekanntlich setzte die Opposition in England nach der Kapitulation von Yorktown, dem Verluste verschiedener westindischer Inseln sowie Minorkas im März 1782 einen Ministerwechsel durch und der Landkrieg in Nordamerika geriet ins Stocken. Die neue Regierung trat aber auch in Friedensverhandlungen mit Franklin in Paris ein, obgleich der amerikanische Staatsmann neben der Unabhängigkeit der Kolonien auch die Abtretung Kanadas forderte; zu Franklin kamen später noch die Agenten Adams, Jay und Laurens. Die Besprechungen wurden dadurch erleichtert, daß England die Hände gegen seine europäischen Gegner freizubekommen strebte, und die Amerikaner erkannten, daß Frankreich sie nur zum Werkzeug ihrer eigenen Politik machen wollte.
Frankreich wollte die Vereinigten Staaten nicht zu stark werden lassen, sondern ein Gleichgewicht zwischen ihrer und Englands Macht in Nordamerika geschaffen sehen. Es war daher gegen die Überlassung Kanadas, des Gebietes der großen Seen, der Seefischereien und des Mississippitales an die Amerikaner und arbeitete in diesem Sinne gegen sie. Das Gebiet des Mississippi wollte es Spanien und damit seinem eigenen Einflusse sichern, die Fischereien aber als Schule für die Marine behalten.
Die Amerikaner ließen deshalb ihre Forderung auf Kanada und andere englische Besitzungen im Norden fallen, bestanden aber auf ihrer Ausdehnung nach Westen sowie auf ausgedehnten Fischereirechten, und England gab hierin, sowie in seinen Ansprüchen auf alte Schulden nach. Am 30. November 1782 ward der vorläufige Frieden zwischen England und den Vereinigten Staaten ohne Wissen Frankreichs abgeschlossen. Da sich der Kongreß früher verpflichtet hatte, Friedensverhandlungen nur mit Zustimmung Frankreichs zu führen, nannten die Agenten die Abmachungen „Provisional-Artikel“, die nur dann zu einem endgültigen Frieden führen könnten, wenn Frankreich an ihm beteiligt sei.
Tatsächlich trat aber Amerika jetzt vom Kriege zurück, und Frankreich, mit dem England seit dem Amtsantritt Shelburnes im Juli gleichfalls in Verhandlung getreten war, mußte nachgeben. Es hatte bei der Lauheit Spaniens und der Schwäche Hollands nichts mehr zu hoffen, war überdies in Finanznöten und ging schon seiner schweren inneren Krisis entgegen. Am 20. Januar 1783 ward der Präliminarfriede zwischen England und Frankreich-Spanien unterzeichnet.
Hierbei ließ Frankreich Holland im Stich, wo man im Vertrauen auf diesen Verbündeten frühere günstige Anerbieten Englands abgelehnt hatte. Es wurde nur in den Waffenstillstand eingeschlossen und der vorläufige Friede zwischen Holland und England kam erst am 2. September 1783 zustande.
Über den Einfluß der Schlacht von Dominica auf den Friedensschluß findet man häufig die Ansicht, sie habe die französische Marine so geschwächt, daß jene nicht mehr um die Seeherrschaft hätte kämpfen können. Dies ist sehr übertrieben. Anders wäre es gewesen, wenn Rodney seinen Sieg ausgenützt und die französische Westindienflotte vernichtet hätte, aber diese verlor ja nur 5 Linienschiffe. Die Niederlage mag wohl dazu beigetragen haben, Frankreich dem Frieden geneigt zu machen, aber die günstigen Friedensbedingungen, die England erlangte, waren nicht die Folge einer Demütigung Frankreichs zur See, sondern seiner finanziellen Notlage. In England rief der glänzende Sieg bei der augenblicklich ungünstigen Lage zwar großen Jubel im Volke hervor, aber eine derartige Bedeutung legte man ihm in den leitenden Kreisen nicht zu. Dies geht aus den Parlamentsverhandlungen im Februar 1783 über die Frage hervor, ob die Friedensbedingungen der militärischen Lage entsprochen hätten, oder[409] ob es richtiger gewesen wäre, den Krieg fortzusetzen. Die Regierung führte an, daß England nur 100 Linienschiffe bereit habe, während Frankreich und Spanien 140 aufstellen könnten; auch sei zu befürchten gewesen, daß die Verbündeten 1783 Jamaika erobert hätten, doch war dies nur die Beweisführung einer Partei, die durchaus den Frieden wünschte. Admiral Keppel, der von seinem Amte als Erster Lord der Admiralität zurücktrat, weil er die Friedensbedingungen nicht billigte, bestritt die Richtigkeit der obigen Zahlen für beide Parteien, und auch die englischen Staatsmänner mußten zu dieser Zeit gelernt haben, die beiderseitigen Marinen nicht nur nach der Zahl der Schiffe einzuschätzen. So war auch die Gefahr für Jamaika von seiten der Friedensfreunde übertrieben, aber wahrscheinlich wäre es England nicht gelungen, mit Waffengewalt die anderen Inseln wieder zu erobern, die ihm der Friede zurückgab.