Die Friedensbedingungen. Die Vereinigten Staaten wurden als unabhängig anerkannt. Sie erhielten die westlich gelegenen Gebiete einschließlich des Mississippitales, sowie das Recht, bei Neufundland und im St. Lorenzgolfe die Fischerei mitzubetreiben, während die Engländer vom Fischen an der amerikanischen Küste ausgeschlossen wurden.

Frankreich gab an England die eroberten westindischen Inseln bis auf Tabago zurück und erhielt dagegen Sta. Lucia, sowie seine Handelsniederlassungen in Ostindien, unter den gleichen Bedingungen wie 1763, wieder. Auch behielt es das Recht der Fischerei in den obengenannten Gewässern sowie die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon am Eingang zum Lorenzgolfe als Stützpunkte; in Westafrika fiel ihm die Senegal-, England die Gambiamündung zu. Endlich wurde Frankreich von der alten demütigenden Verpflichtung entbunden, Dünkirchen nach der Seeseite unbefestigt zu lassen.

Spanien räumte die Bahamainseln und gestand endlich den Engländern das langumstrittene Recht zu, von der Honduras- und Campecheküste Holz auszuführen. Es behielt Florida und Minorka, aber von einer Rückgabe Gibraltars war nicht die Rede. Holland bekam zwar Trincomali wieder, Negapatam gab England jedoch nicht heraus.

Abgesehen vom Verluste seiner amerikanischen Kolonien hat der Krieg mithin England nicht so große Opfer gekostet, als zu erwarten stand. Der Verlust von Minorka hätte größere Bedeutung gehabt, wenn Spaniens Seemacht stark genug gewesen wäre, den Platz zu halten; so wie die Dinge lagen, fiel die Insel im nächsten Kriege doch wieder in Englands Hände. Frankreichs Gewinn durch den Krieg, der ihm 1200 Millionen Francs gekostet haben soll, war nur die unbedeutende Insel Tabago und das Bewußtsein, zum ersten Male England gegenüber die See gehalten zu haben.

Der endgültige Friede zwischen den beiden Königreichen, den Vereinigten Staaten und England ward am 3. September 1783 zu Versailles unterzeichnet; der zwischen England und Holland fand am 10. Mai 1784 zu Paris seine Bestätigung.

Schlußbetrachtungen.

Über die Strategie der Gegner. Der Krieg 1778–1783 war ein reiner Seekrieg und wohl der an Ereignissen reichste, der je ausgefochten ist. England, Frankreich und Spanien spannten ihre maritimen Kräfte bis aufs äußerste an, in allen Meeren maßen sich große Flotten, gegen 20 Schlachten fanden statt. Und doch brachte der Krieg keinem der Länder wesentliche Vor- oder Nachteile, außer daß England durch ihn in dem Landkriege mit seinen nordamerikanischen Kolonien unterlag. Dies war die Folge einer mangelhaften Strategie auf beiden Seiten. Die Entstehung des Krieges, die Ziele der Verbündeten sowie die allgemeine militärische Lage beider Parteien wurden bereits bei Beginn seiner Darstellung erörtert[190] und auf die einzelnen Abschnitte seines Verlaufes folgte stets eine kritische Besprechung; es erscheint aber wünschenswert, zum Schluß nochmals die Kriegführung der Gegner im großen zu betrachten[191].

Das eigentliche Ziel der Verbündeten war, früher erlittene Demütigungen zu rächen und die tyrannische Herrschaft zu brechen, die England auf dem Ozean sich anmaßte. Frankreich gedachte dabei, seinen Besitz in Westindien zu vermehren und in Ostindien wieder überwiegenden Einfluß zu gewinnen; Spanien hoffte, Gibraltar, Minorka, Florida und womöglich auch Jamaika zurückzuerhalten. Die Herrschaft Englands beruhte auf seiner großen aktiven und latenten Seemacht, auf seiner Kriegsmarine und seinem Seehandel, seinen Marinestationen und Kolonien in allen Teilen der Welt. Hierin lagen mithin auch die Angriffspunkte für die Gegner. Infolge des Aufstandes der Amerikaner sah sich England mit Verlust seiner damals wichtigsten Kolonie bedroht; verlor es diese, so büßte es auch eine Reihe von Häfen ein und dadurch entstand eine Lücke in der Kette seiner Stützpunkte zwischen Kanada und Westindien; seine Flotte hatte es aber durch Frankreich und Spanien wenigstens in der Zahl der Schiffe überholen lassen. Die Gelegenheit zum Angriff war also für die Gegner günstig.

Die nächste Frage bildete nun die Wahl der Angriffsobjekte seitens der Verbündeten: der Hauptpunkte, die man nie aus dem Auge lassen durfte, und der Ziele zweiter Ordnung, die die Verteidigung ablenken und ihre Kräfte zersplittern sollten. Da der Hauptzweck der Verbündeten nicht war, den Amerikanern zu nutzen, sondern England zu schaden, gebot die militärische Politik, jene nur soweit zu unterstützen, daß sie den Krieg fortsetzen konnten. England in seinen anderen Kolonien mit Erfolg anzugreifen, erforderte unbedingte Seeherrschaft, aber nicht nur an Ort und Stelle, sondern überhaupt, denn keine der beiden Parteien besaß in den fernen Meeren so leistungsfähige Stützpunkte, daß die Flotten dort auf die Dauer see- und gefechtsbereit erhalten werden konnten; die Kolonien selber waren noch auf Zufuhren aus Europa angewiesen. Amerika und die anderen Kolonien eigneten sich also nur zu Diversionen, während als Hauptangriffspunkte England als Basis seiner Flotte und diese selber, sowohl als Streitmacht an und für sich wie als Sicherung der Verbindung mit den auswärtigen Kriegsschauplätzen anzusehen waren. Hier mit Übermacht aufzutreten, ward den Verbündeten dadurch erleichtert, daß England sich entschloß, seine Streitkräfte in weitgehendem Maße zu verteilen, um überall einem Angriffe entgegentreten zu können.

Diese Maßnahme Englands fordert zur Kritik heraus; um sie mit Sicherheit durchzuführen, wäre Überlegenheit an Streitkräften nötig gewesen. Man konnte nie wissen, wohin der Gegner den Hauptstoß richten würde; dies ist ein Nachteil der Verteidigung, der im Seekriege besonders hervortritt, da marschierende Flotten keine Spuren hinterlassen. Jede ferne Station hätte stark besetzt gehalten werden und außerdem jeder von Europa auslaufenden feindlichen Flotte eine derartig starke eigene angehängt werden müssen, daß man auf dem bedrohten Punkte überlegen war. Dies konnte aber die schwächere Partei nicht durchführen und England setzte sich mit seinem Entschluß der Gefahr aus, an irgendeiner Stelle mit Übermacht angegriffen zu werden. Im großen und ganzen ist es ihm gelungen, dem Gegner auf den fernen Kriegsschauplätzen mit genügenden Kräften entgegenzutreten, jedoch nicht immer. In Westindien mußten sich seine Flotten mehrfach unter die Kanonen von Landbefestigungen zurückziehen und konnten den Verlust einiger Inseln nicht hindern; in Nordamerika entschied das Übergewicht der französischen Seestreitkräfte 1781 den Landkrieg. Dieses hatten die Franzosen dadurch erlangt, daß ihrer Flotte (de Grasse) beim Verlassen Westindiens nur ein Teil der englischen folgte, um Westindien und den dortigen Handel nicht ganz preiszugeben; ein sprechendes Beispiel für die Schwäche der englischen Strategie. In den heimischen Gewässern aber war England stets weit unterlegen. Seine Flotte hier war sogar zu schwach, auch nur die Verteidigung der eigenen Küsten sicherzustellen; nur infolge der mangelnden Tatkraft der Gegner hat sie diese Aufgabe lösen und auch noch Vorstöße machen können.