[133] Augustus Keppel, 1782 Viscount K., geboren 2. April 1725, 1744 Kapitän, 1762 Kontreadmiral, 1770 Vizeadmiral, 1778 Admiral der blauen und 1782 der weißen Flagge, gestorben 2. Oktober 1786, führte schon im österreichischen Erbfolgekriege ein Linienschiff und geriet durch Strandung bei Verfolgung eines französischen Schiffes in Gefangenschaft. Als er 1754 mit einem kleinen Geschwader zum Dei von Algier gesandt war und dieser seine Verwunderung aussprach, daß der König von England ihm einen bartlosen Knaben zur Unterhandlung schicke, antwortete er: „Wenn die Weisheit nach der Länge des Bartes ginge, so würde man einen Ziegenbock gewählt haben.“ Als dann der Dei ihm mit dem Tode drohte, sagte er, sein Geschwader würde für angemessene Begräbnisfeierlichkeiten sorgen. Im Siebenjährigen Kriege führte er 1758 die Expedition gegen Gorée, befehligte bei Quiberon ein Schiff mit Auszeichnung, nahm 1761 die Insel Belle-Ile und war 1762 zweiter im Kommando bei der Eroberung von Havanna. 1778 Chef der Kanalflotte, schlug er die Schlacht bei Ouessant, nach derselben wegen Verstoß gegen die Gefechtsinstruktion angeklagt, aber freigesprochen, legte er sein Kommando nieder und blieb unbeschäftigt, bis er nach dem Ministerwechsel vom 30. März 1782 bis Dezember 1783 das Amt des Ersten Lords wahrnahm.
[134] Auszüge aus Chevalier II, Seite 80; Lacour II, Seite 120; Troude II, Seite 3.
[135] Louis Guillonet, Comte d'Orvilliers, geboren 1710, trat 1728 in die Marine ein, wurde 1754 Kapitän, 1764 Chef d'Escadre, 1777 Lieutenant-Général. Er hatte 1754 unter La Gallissonnière, 1757 unter Dubois de la Motte gedient; 1772 befehligte er das neueingerichtete Übungsgeschwader. 1775 Marinekommandant in Brest, unterstützte er den Minister Sartines bei der Neuorganisation der Marine. Von 1777 bis 1779 war er Chef der Brestflotte. Er galt als ein vorzüglicher Taktiker, war aber jetzt 68 Jahre alt. Auch seine körperliche Rüstigkeit ließ zu wünschen übrig; im Januar 1778 nach Paris berufen, schrieb er, er könne die Reise nur „wie ein Greis“ in kurzen Tagestouren machen. Infolge der Vorwürfe, die man ihm über die Führung der Flotte 1778/79 machte, zog er sich in eine religiöse Anstalt zurück und starb dort 1792.
[136] Die genaueste und, wie es scheint, objektivste Schilderung findet man in Clowes Band III, Seite 412.
[137] Die neueren französischen Quellen, Lacour sowie Chevalier, äußern sich sehr freimütig und ganz objektiv in diesem Sinne.
[138] Comte Charles-Henri-Théodat d'Estaing Du Saillans, geboren 1729, trat 1745 als Mousquetaire in das Heer ein, war 1748 Oberst des Regimentes de Rouerque in der Armee des Marschalls von Sachsen, diente 1756 als Brigadier unter de Lally in Indien und kreuzte 1759/60 mit zwei Schiffen der ostindischen Kompagnie gegen die Engländer. Als Generalleutnant der Armee sollte er 1762 gegen Rio de Janeiro führen und wurde bei dieser Gelegenheit auch Chef d'Escadre in der Marine (vgl. Siebenjährigen Krieg). 1763 war er Lieutenant-Général in der Marine und Gouverneur der Antillen. 1777 schuf man für ihn besonders die Stelle eines dritten Vizeadmirals der amerikanischen und asiatischen Gewässer. 1792 zum Admiral von Frankreich ernannt, wurde er zur Zeit der Revolution in die Versammlung der Notabeln gewählt, zum Befehlshaber der Nationalgarde von Versailles ernannt und spielte eine Rolle im Prozeß der Königin. Später als verdächtig verhaftet, ward er am 28. April 1794 guillotiniert. Im hier besprochenen Kriege finden wir ihn 1778/79 in Nordamerika und Westindien, 1780 als Chef des französischen Kontingentes der spanisch-französischen Flotte unter Cordoba. Für 1783 war ihm die Leitung einer Expedition gegen Havanna zugedacht. D'Estaing war ein fähiger und feuriger Offizier, aber in der Marine unbeliebt. Hier sah man ihn als Eindringling an und neidete ihm seine durch Hofgunst erlangte schnelle Beförderung. Man warf ihm Mangel an seemännischer Kenntnis vor, Bevorzugung der aus der Armee stammenden Offiziere und daß er den Rat erfahrener Seeoffiziere verschmähe. Manche seiner Mißerfolge sind auch diesem Umstande zuzuschreiben.
[139] Sir Richard Howe, Viscount (1788 Earl), geboren 1726, Kapitän 1746, Kontreadmiral 1770, Vizeadmiral 1776, Admiral der blauen Flagge 1782, der weißen 1787, Admiral of the Fleet 1796, gestorben 5. August 1799, war ein erfahrener Seemann und ein Admiral, der sich durch seine Eigenschaften — Entschlußfähigkeit, Tatkraft und Ausdauer — gerade für die defensive Kriegführung des Jahres 1778 eignete, indem er jeder Bewegung des Gegners rechtzeitig entgegentrat. Nicht im Einverständnis mit dem Ersten Lord (er war Whig und überhaupt abgeneigt, gegen die Amerikaner zu fechten), ging er nach Beendigung der Operationen 1778 nach England zurück. Er fand erst 1782 nach dem Wechsel des Ministeriums wieder Verwendung und verproviantierte Gibraltar. Im nächsten Kriege befehligte er von 1793 an die Kanalflotte und errang am 1. Juni 1794 den glänzenden Sieg bei Ouessant. Biographie von J. Barrow, The life of Richard, Earl Howe (London 1838).
[140] Dies ist der erste derartige Fall. Die Franzosen ahmten ihn später nach, aber das Verfahren wurde doch in beiden Marinen wieder aufgegeben. Mahan bringt (Mahan I, Seite 338) eine lesenswerte Betrachtung über die verschiedenen Plätze eines Flottenchefs — ob an der Spitze, in der Mitte oder ganz außerhalb der Linie — mit ihren Vor- und Nachteilen und bezeichnet den hier in Frage stehenden Platz als den ungeeignetsten, weil er den Admiral wahrscheinlich zum untätigen Zuschauer des Kampfes mache und ihm die Möglichkeit nähme, durch sein Beispiel zu wirken.
[141] Cap Français oder Le Cap vgl. Fußnote Seite 176.
[142] Samuel Barrington, geboren 1728, Kapitän 1747, Kontreadmiral 1778, Vizeadmiral 1779, Admiral 1787, gestorben 1800. Als tüchtiger Seeoffizier von schnellem Entschluß hatte er sich schon im Siebenjährigen Kriege in verschiedenen Einzelgefechten ausgezeichnet.