Die Beförderung erfolgte bis zum Kapitän nach Wahl. Hierbei spielte natürlich Protektion eine große Rolle; man findet Kapitäne, die mit einem Alter von einigen zwanzig Jahren, ja bis zu achtzehn hinunter, in diesen Dienstrang aufrückten, von denen übrigens viele sich später besonders hervortaten. Der Kapitän erhielt dann eine feste Stellung in der Rangliste (daher der Ausdruck „Postcaptain“, d. i. posted Captain) und seine Beförderung zum Kontreadmiral usw. erfolgte nach der Anciennität. Da es ursprünglich nur neun Admirale gab, je einen der angeführten Grade, waren nach der langen Friedenszeit die Kapitäne so alt geworden, daß eine Verjüngung des höheren Offizierkorps notwendig erschien. Von 1743 an wurden deshalb die Admiralsstellungen andauernd vermehrt. Um nun auch die Möglichkeit zu haben, tüchtige Männer eher zu Flaggoffizieren zu befördern, ernannte man von 1747 an Kapitäne, die zu alt oder sonst ungeeignet zur aktiven Verwendung in höheren Stellen erschienen, zu überzähligen Admiralen (vulgo Yellow Admirals) oder überging sie bei der Beförderung. Auch dies leistete natürlich der Protektion Vorschub, erregte Unzufriedenheit und führte selbst zu Klagen beim Parlamente, aber auf diese Weise und im Verein mit der Beförderung nach Wahl bis zum Kapitän erreichte man, daß tüchtige Männer jung in hohe Stellung kamen: Es wurden z. B. Admiral Barrington mit 18 Jahren Kapitän, Howe mit 20 und mit 39 Kontreadmiral; Jervis erreichte diese Chargen mit 26 und 43, Nelson mit 21 und 39 Jahren. Die Seeoffiziere gingen in Friedenszeiten häufig in fremde Kriegsdienste oder zur Kauffahrteimarine und blieben so in Übung; wie schon früher für Offiziere, so wurde jetzt auch für Masters sowie für Ärzte die Stellung auf Halbsold eingeführt, um sich für Kriegszeiten genügenden Ersatz zu sichern.

Die Mannschaft, Matrosen und Seesoldaten[17], wurden wie früher angeworben. Hiermit kam man jedoch niemals aus, obgleich England über so viele Seeleute verfügte, und es mußte stets zum Pressen gegriffen werden. Beim Ausbruch eines Krieges waren diese auf den Kauffahrteischiffen über die ganze Erde verstreut, aber auch während der Kriege ging der Seehandel fort und der beliebte Dienst als Freibeuter entzog der Marine die Leute. Um dem Kriegsschiffsdienst mehr Anziehungskraft zu geben, sowie um die Härte des Pressens zu mildern, wurden viele Gesetze erlassen in bezug auf: Höheres Handgeld; reichlichere und regelmäßigere Löhnungszahlung und Prisengelder; bessere Verpflegung sowie sonstige Fürsorge; die Möglichkeit für die Leute, Heimatszahlungen an ihre Angehörigen zu machen; Befreiung gewisser Lebensalter und Berufe (z. B. Anwärter auf die Offizierslaufbahn in der Handelsmarine) vom Gepreßtwerden.

Über das Leben an Bord. Der Dienst an Bord der Kriegsschiffe blieb seiner Härten halber lange noch unbeliebt und die Unzufriedenheit der Leute war häufig groß. In den Kriegsjahren 1756–1763 soll die Fahnenflucht sehr stark gewesen sein; für 1774–1780 werden 42000 Fälle dieses Vergehens angegeben, und auf einigen Schiffen kam es zur Meuterei. Anderseits wurden den Mannschaften einzelner Schiffe oder Schiffsverbände von der Regierung oder von den reichen Handelsstädten öfters für besondere Leistungen außergewöhnliche Zuschüsse zugewendet.

Wie selbst Offiziere jener Zeit über das Leben an Bord urteilten, erfahren wir durch Laird Clowes (Band III, Seite 21; entnommen aus „Seamans Letters“, hier gekürzt). Ein Kapitän Edward Thompson schreibt um 1756 an einen jungen Verwandten, der als Midshipman eintreten will: „An Bord hast du keine Hintertür zum Entschlüpfen, keine fühlende Brust, um dich auszusprechen. Du vertauschst einen guten Tisch gegen keinen, ein Bett gegen eine Hängematte an einem Orte, wo es nie Tag wird und wohin nie frische Luft kommt; dein Licht ist bei Tag wie bei Nacht eine elende Kerze. Die Nahrung ist gesalzen und oft schlecht, wenn du Abwechslung haben willst, so mußt du sie dir selber kochen; halte dir stets wenigstens Tee und Zucker, zu weiterem ist kein Platz, da du nur eine Kiste und die Hängematte hast.... Schlechte Gesellschaft ist Gift für die Jugend, auf den Schiffen findest du den Auswurf der Gefängnisse; der Verurteilte hat die Wahl zwischen Gehängtwerden oder Anbordgehen.... Du wirst etwas äußerliche Religion finden, Sonntagsgottesdienst, aber die Gemeinde wird durch den Bootsmann zusammengetrieben, der dabei weder Flüche noch Schläge spart.“ —

In einem anderen Briefe schreibt Thompson über die damals gebräuchliche Behandlung eines Midshipman: „Der fast unerträglichen Verhältnisse, die ihn erwarten, sind so viele, daß nur der Umstand, daß auch die höchsten Offiziere sie durchgemacht haben, sie erdulden läßt. Und dabei ist es ein ganz falscher Gedanke, daß junge Leute eine[27] schroffe Behandlung und niedere Dienstverrichtungen durchmachen müssen, um tüchtige Offiziere zu werden. Man kann das durch andere Mittel erreichen und ihnen dabei das Leben angenehm gestalten.... Die Beförderung zum Leutnant ist wie die Verwandlung einer häßlichen Made zum schillernden Schmetterling.... Die meisten unserer Kapitäne sind Leute ohne Erziehung. Gewiß müssen junge Leute gehorchen lernen, aber die Kapitäne brauchen nicht gemein zu werden; durch die jetzige Behandlung wird auch ihre Autorität geschädigt. Die jungen Leute müssen eine eigene Messe haben und von den Offizieren unterstützt werden....“ Als ein Zeichen aber, daß es nach und nach doch besser wurde, dient eine andere Äußerung des Briefschreibers: „Im letzten Kriege genügten ein Primchen Tabak, ein Tauende und eine Auswahl von Flüchen zum Leutnant, jetzt aber streben alle nach Bildung und guten Formen; von Verweichlichung dadurch ist nicht die Rede, ich glaube im Gegenteil, die jetzigen Offiziere werden den Veteranen von 1692 im Dienste in gleicher Weise überlegen sein, wie es der Gebildete stets dem Ungebildeten ist.“

Wie man sieht, bezieht sich das Vorstehende auf die Verhältnisse des Offizierersatzes; wie mögen die der Mannschaft gewesen sein? Auch hierüber folge eine Andeutung Thompsons: „Ein Linienschiff mit 480 Mann Besatzung, von denen 225 den Gefängnissen entnommen oder vom Abschaum der Straßen gepreßt waren, schiffte 1756 nach nur einigen Monaten Kreuzen im Kanal 320 Kranke aus; neubemannt segelte es nach New York und traf hier mit 159 Dienstunfähigen ein.“ (Wir werden nach 1779 in der französischen Flotte d'Orvilliers Ähnliches kennen lernen.) Dabei waren derartige Zustände keineswegs unabänderliche Folgen der Verhältnisse jener Zeit — langer Seereisen, unvollkommener Einrichtung der Schiffe, ungesunder Dauernahrungsmittel, verdorbenen Wassers u. dgl. —, denn sorgsame Kommandanten verstanden es, sie zu vermeiden. Cook z. B. verlor auf den beiden letzten mehrjährigen Reisen von seinen zwei Schiffen nur 4 oder 5 Mann durch Krankheiten.

In Frankreich[18] lagen die Verhältnisse weit ungünstiger für eine gesunde Entwicklung der Marine. Wir hörten (Band I, Seite [503]), daß diese während der Regentschaft (1715–1723) arg in Verfall geriet und daß auch Maurepas, der von 1723 mit Eifer und Umsicht dem Ministerium vorstand, nicht viel zur Wiederbelebung beitragen konnte, weil Kardinal Fleury, der Leiter der Politik 1723–1743, dieses Streben nicht unterstützte, um nicht Englands Eifersucht zu erregen. Auch von 1740–1760 wurde der Kriegsflotte von höchster Stelle keine Förderung zuteil. Niemals bewilligte man die nötigen Geldmittel; nach Ausspruch französischer Autoren machte die verschwenderische Hofhaltung die Quellen versiegen, aus denen die Marine schöpfen sollte. Die Entwicklung der Seemacht Frankreichs war eben im Gegensatz zu England, wo Volk und Parlament mitsprachen, zu sehr von der Person des Ministers abhängig, der zu dieser Zeit niemals ein Seeoffizier war und dessen Wahl wieder unter dem Einfluß anderer Ratgeber des Königs stand, des Premierministers oder der Hofpartei, und so wurde die Tätigkeit selbst tüchtiger Marineminister gelähmt. Auch die schnelle Aufeinanderfolge der Kriege hinderte eine Reform der Kriegsflotte.

Ebenso war die Organisation der Marine für deren Entwicklung und Leistung ungünstig. Wieder im Gegensatz zu England, wo Seeoffiziere in der Admiralität sowie in den Kriegshäfen die Oberleitung auch der technischen Angelegenheiten hatten, lagen diese in Frankreich in den Händen von Verwaltungsbeamten, ohne daß Seeoffiziere genügenden Einfluß besaßen. In den Kriegshäfen unterstanden dem „Commandant de la Marine“ (dem ältesten anwesenden Seeoffizier) nur die in Dienst gestellten Schiffe und die Hafenverteidigung; ein Intendant leitete alles übrige, neben der eigentlichen Verwaltung auch die Werften und Arsenale, den Bau, die Unterhaltung, Ausrüstung und Bemannung der Schiffe. Die zu diesen Zweigen kommandierten Offiziere, an ihrer Spitze der „Capitaine de Port“ (Oberwerftdirektor), waren allein dem Intendanten unterstellt; ja sogar die Verwaltungsbeamten an Bord waren unabhängig von den Seeoffizieren, so brauchten sie z. B. nicht einmal die Erlaubnis zum Anlandgehen von ihrem Kommandanten einzuholen. Diese Verhältnisse riefen unheilvolle Eifersucht und Streitigkeiten zwischen den Seeoffizieren (Officiers d'épée) und den Beamten (Officiers de plume) hervor.

Colbert hatte sich (1689) genötigt gesehen, in Hinsicht auf den damaligen Stand des Seeoffizierkorps den Beamten eine so weit gehende Macht einzuräumen. Als aber das Offizierkorps sich hob, mußten Reibungen eintreten, und diese nahmen im Laufe der Zeit immer mehr zu, da in der Verwaltung Nachlässigkeit sowie Unredlichkeit einriß (die Stellen wurden sogar käuflich) und die militärischen Behörden in allem schlecht bedient wurden. Sämtliche Militärschriftsteller klagten über die große Macht der Beamten; mit Recht, denn Offizieren, die Leben und Ehre einsetzen und die verantwortlich für das Wohl und Wehe ihrer Untergebenen sind, gebührt die Oberaufsicht und die Mitwirkung bei Erhaltung der Schlagfertigkeit ihrer Waffe.