Holland scheint weit mehr Mühe gehabt zu haben, seine Schiffahrt zu schützen, obgleich es sich soweit demütigte, den Herrschern der Barbareskenreiche in der Form von Geschenken einen nahezu regelmäßigen Tribut zu zahlen; zwischen ihm und den einzelnen Raubstaaten, besonders Marokko und Algerien, kam es mehrfach zur förmlichen Kriegserklärung. Man war genötigt, ständig kleine Geschwader von Linienschiffen und Fregatten im Mittelmeer zu halten, seine Konvois stets zu decken und verschiedentlich Expeditionen zu entsenden, um seinen Forderungen Nachdruck zu geben. Zu größeren Waffentaten kam es jedoch nicht.

Frankreich dagegen, das im übrigen auch stets einzelne Schiffe und kleinere Verbände im östlichen wie im westlichen Mittelmeer kreuzen ließ, entsandte mehrfach Strafexpeditionen, die schärfer vorgingen. Im Juni 1765 beschoß der Chef d'Escadre Graf Du Chaffault mit einem Linienschiffe, 4 Fregatten, 2 Mörserbooten und 2 kleineren Fahrzeugen die Städte Sale und Larache an der Westküste Marokkos; der Versuch, mit den Schiffsbooten in einen Fluß nahe der letztgenannten Stadt einzudringen, um dort liegende Raubschiffe zu zerstören, ward aber unter Verlust von 300 Mann zurückgeschlagen. Als Frankreich 1769 mit der Besetzung Corsicas einen guten Stützpunkt im Mittelmeer gewann, sah der Bei von Tunis darin eine Gefahr für seine Interessen, d. h. den Seeraub; er versuchte England aufzureizen und erregte so Frankreichs Zorn. 1770 beschoß der Kapitän Graf de Broves mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Mörserbooten im Juni die Städte Biserta und Susa, worauf der Bei um Frieden bat.

Spanien unternahm 1775 sogar eine Expedition mit einer starken Flotte und einem Landungskorps von 25000 Mann gegen die Stadt Algier. Man landete auch, aber das schlecht geleitete Unternehmen schlug unter großen Verlusten fehl.

Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743[197].

Bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges fürchtete Frankreich, daß Rußland für Österreich Partei nehmen würde, und suchte ihm Schweden auf den Hals zu hetzen, um es anderweitig zu beschäftigen. Seine Ränke fanden guten Boden, weil die im schwedischen Reichstage herrschende, kriegerische Adelspartei der „Hüte“ in den seit dem Tode der Kaiserin Anna zerfahrenen inneren Verhältnissen Rußlands, sowie in dem nach Peter des Großen Tode eingetretenen Verfall der russischen Marine eine günstige Gelegenheit zu finden glaubte, die im Frieden von Nystad (1721) aufgegebenen Provinzen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelien und damit die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen. Obgleich Schweden selber im Innern durch jahrzehntelange Zwiste der französisch gesinnten Partei der „Hüte“ und der russisch gesinnten der „Mützen“ sehr geschwächt war, gelang es doch der ersteren, den Reichstag am 4. August 1741 zu einer übereilten Kriegserklärung zu bestimmen.

Bei dem mangelhaften Zustand der Flotten auf beiden Seiten hatten die Unternehmungen zur See wenig Bedeutung; es genügt deshalb, den Krieg ganz kurz zu fassen.

Die Streitmittel[198]. Die russische Marine zählte zwar 1736 36 Linienschiffe, 12 Fregatten und etwa 250 Galeren für den Schärenkrieg, aber die Fahrzeuge waren in schlechter Verfassung und es mangelte an Seeleuten, da es eine Handelsflotte kaum gab; 1740 war von den für die Linienschiffe nötigen 9000 Mann kaum die Hälfte vorhanden.

Die schwedische Marine besaß 1734 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und einige 30 Fahrzeuge für den Küstenkrieg.

In Voraussicht des kommenden Krieges war der schwedische Vizeadmiral von Rajalin schon im Mai 1741 mit 10 Linienschiffen und 4 Fregatten von Karlskrona nach den Aspöinseln südlich von Frederikshamn an der finnländischen Küste gesegelt, wo er Verstärkungen erwarten sollte. Infolge schlechter Verpflegung brach aber bald auf der Flotte eine Epidemie aus, der bis Anfang August über 700 Mann erlagen. Da außerdem der Krankenbestand mehr als 2000 Mann betrug, waren die Schiffe völlig gefechtsunfähig; zum Glück zeigte sich die russische Flotte nicht. Rajalin unternahm nichts und kehrte im Oktober nach Karlskrona zurück; die inzwischen eingetroffene Schärenflottille folgte ihm, ohne irgendwie verwendet worden zu sein. Nur schwedische Kreuzer waren im Skagerrak und in der Ostsee durch Aufbringen von Schiffen mit Zufuhren für Rußland von Nutzen gewesen.