Im Landkriege hatte Rußland 1741 einen Erfolg zu verzeichnen. General Keith — der spätere preußische Feldmarschall — drang Ende August in Finnland ein, schlug die Schweden bei Wilmanstrand und erstürmte diese wichtige Grenzfestung. Beide Heere bezogen dann Winterquartiere. Im Februar 1742 plante der Feldmarschall Lacy von Narwa aus über das Eis in Finnland bei Frederikshamn einzufallen. Eintretendes Tauwetter verhinderte die Ausführung und das Eindringen von Karelien aus ward durch Unruhen im Heere längere Zeit hingehalten; erst Ende Juni begann der Feldmarschall längs der Küste vorzurücken, wobei er mit den Seestreitkräften in Verbindung zu bleiben strebte.

1742 hatten die schwedischen Seestreitkräfte ebensowenig Erfolg. Zwar sammelte sich im Sommer wiederum eine Flotte von 12 Linienschiffen nebst 6 Fregatten unter Vizeadmiral Sjöstjerna, sowie eine Schärenflottille bei den Aspöinseln, abermals jedoch schwächte Krankheit die Besatzungen. Als dann der am Lande befehligende General Löwenhaupt die Forderung stellte, den russischen Seestreitkräften — 12 Linienschiffe und 40 Galeren — entgegenzutreten, die das von Wiborg her vordringende feindliche Heer begleiteten, wagte der Admiral dies nicht. Er segelte mit dem Hochseegeschwader nach Hangö-Udde und berief auch die Flottille zu sich, als die russische Hochseeflotte dort erschien. Löwenhaupt leistete nirgend ernstlichen Widerstand, sondern wich von Ort zu Ort zurück; so konnten die Russen ohne Kampf das befestigte Frederikshamn besetzen und im September mit 17000 Mann das schwedische Hauptheer von 12000 Mann, das westlich von Helsingfors zu Lande und zu Wasser eingeschlossen war, zur Übergabe zwingen. Sie drangen dann noch unter Keith bis Abo vor.

Durch einen nach der Kapitulation geschlossenen Waffenstillstand wurden die schwedischen Seestreitkräfte frei und kehrten nach Schweden zurück. Man sandte nun ein Geschwader nach der Nordsee, um 6 russischen Linienschiffen entgegenzutreten, die in Archangel ausgerüstet waren; diese sahen sich genötigt, umzukehren. Die Russen benutzten aber die Abwesenheit der schwedischen Flotte, sich im Herbst noch der Aalandsinseln zu bemächtigen.

Im Frühjahr 1743 setzten sich die Schweden durch rasches Vorgehen wieder in Besitz dieser Inseln und sammelten hier 30 Galeren; ein Versuch, nach Osten vorzudringen, ward aber durch Keith mit 30 Galeren von Abo aus verhindert. Im Juni kam dann Lacy mit 50 Galeren bis Hangö-Udde heran, konnte sich jedoch nicht mit Keith vereinigen, weil inzwischen die schwedische Flotte von 16 Linienschiffen unter Admiral von Utfall hier erschienen war. Bald aber zeigte sich auch der russische Admiral Golowin mit 17 Linienschiffen bei Hangö, Utfall ließ sich von ihm zur Verfolgung bis Reval verlocken und die Vereinigung der beiden russischen Schärenflottillen fand statt. Lacy hatte nun über 70 Galeren mit 20000 Mann gegenüber den 30 schwedischen, während sich die beiderseitigen Hochseeflotten in Schach hielten.

Schweden mußte jetzt wie zu Ende des Nordischen Krieges eine Verwüstung der eigenen Küsten befürchten und war deshalb zu Verhandlungen bereit. Am 18. August 1743 ward der Frieden zu Abo geschlossen, in dem Schweden die Grenzfestungen Wilmanstrand, Nyslot und Frederikshamn, sowie Finnland bis zum Kymeneflusse abtrat.

Der Krieg hatte Schweden 11 Millionen Taler und große Menschenopfer gekostet; auf der Hochseeflotte waren 6000 und auf der Schärenflottille 1500 Mann allein Krankheiten erlegen. Die Gründe seiner Mißerfolge liegen in der Uneinigkeit der Führer am Lande infolge der Parteizwiste in Schweden, die bei einigen Führern hart an Verrat streiften, sowie in dem Mangel eines einheitlichen Zusammenwirkens der Land- und Seestreitkräfte; auf russischer Seite ist dagegen ein planmäßiges Hand in Hand Gehen der beiden Waffen zu erkennen.

Ein Zusammenstoß Schwedens mit Dänemark ward durch russische Hilfe verhindert. In Schweden war nach langen Wahlkämpfen Herzog Adolf Friedrich von Holstein-Lübeck zum Thronfolger erwählt. Da auch der Kronprinz von Dänemark zur Wahl gestanden hatte, begann Dänemark im Sommer 1743 zu einem Einfall in Schweden zu rüsten. Dieses bat nach dem Friedensschluß Rußland um[421] Unterstützung und eine russische Galerenflottille mit 10000 Mann nahm Winterquartiere zwischen Nyköping und Westerwik. Darauf stand Dänemark von seinem Vorhaben ab.

Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege 1756–1763.

Die Beteiligung der beiden Marinen an diesem Kriege war sehr gering.

Die Hochseeflotten wurden nur zu Demonstrationen und zur Beschießung Kolbergs benutzt. Als 1758 eine englische Flotte in der Ostsee zu erwarten war, vereinigten sich im Juni ein schwedisches, sowie ein russisches Geschwader mit einem dänischen in der Kjögebucht und blieben dort bis zum Herbst liegen. 1759 trat eine schwedisch-russische Flotte zusammen, die Swinemünde blockierte und die Einnahme der Insel Usedom unterstützte, als man sichere Nachricht erhalten hatte, daß die Engländer nicht kommen würden. 1760 ging eine verbündete Flotte der drei Ostseemächte schon nach einer vierzehntägigen Kreuzfahrt wieder auseinander. Das russische Geschwader von 27 Schiffen, unter Admiral Mischakow, durch 8 schwedische verstärkt, erhielt dann Befehl, Kolberg zu bombardieren und dort 8000 Mann zu landen; das Unternehmen hatte aber keinen Erfolg. Auch 1761 erschien Ende August eine russisch-schwedische Flotte von 40 Schiffen vor der belagerten Stadt und beteiligte sich an der Beschießung, doch erst am 16. Dezember ergab sich Kolberg aus Hungersnot.