Es war ein Glück für Friedrich den Großen, daß Schweden und Rußland mit ihren Flotten nicht Landungen in größerem Maße an den pommerschen oder mecklenburgischen Küsten unternahmen. Dagegen hätte das versprochene Auftreten englischer Seestreitkräfte in der Ostsee durch Erschwerung der Zufuhren für Schweden und Rußland dem König große Erleichterung gebracht.

Ein Teil der schwedischen Schärenflotte erhielt vorteilhaftere Verwendung. 1757 ging eine Flottille von 4 Galeren und 2 Geschützprähmen mit einer Besatzung von 1000 Mann nach Pommern hinüber und wurde 1758 noch durch einige Fahrzeuge verstärkt. Mehrfach unterstützte sie Unternehmungen der Landtruppen, beschoß die Befestigungen bei Peenemünde, griff die Fähre bei Anklam an und räumte im Fahrwasser von Swinemünde versenkte Fahrzeuge fort. Sie lief dann in die Haffs ein, um eine in Stettin gebildete preußische Flottille von 4 Galeren, 4 Galioten und einigen Barkassen mit insgesamt 700 Mann zu vernichten.

Diese stellte sich am 11. September in der Enge zwischen dem Großen und dem Kleinen Haff beim Reppiner Haken der schwedischen, die z. Z. 4 Galeren, 4 Halbgaleren und 3 Schaluppen zählte. Die Preußen lagen zu Anker, ihre Galeren in der Mitte, je 2 Galioten auf den Flügeln, die Barkassen dahinter. Die Schweden griffen an und gingen sogleich zum Entern über, weil sie die Überlegenheit der feindlichen Artillerie erkannt hatten. Die preußische Flottille mußte die Ankertaue kappen, um nach Osten zu entkommen, auf der Verfolgung wurden 8 Fahrzeuge mit 106 Kanonen, 26 Offizieren und 640 Mann genommen; die Überlegenheit der Schweden an Mannschaften und ihre größere seemännische Geschicklichkeit hatten den Ausschlag gegeben.

Trotz dieser Niederlage stellte Preußen eine neue Flottille von 2 flachgehenden Fregatten mit je 12 18-Pfündern und kleineren Schiffen auf, die auch im weiteren Verlauf des Krieges einige schwedische Fahrzeuge nahmen.

Über die Stellung Friedrich des Großen zur Schaffung einer Flotte, über die Gründe hierfür, die Vorschläge, die dem Könige gemacht wurden, und dessen Entscheide darauf gibt Kirchhoff (Band I, Seite 311–317) lesenswerte Angaben. Es sei daraus hier nur erwähnt, daß Friedrich nach seinem berühmten Testament von 1752 die Schaffung einer Flotte neben dem Halten eines starken Heeres für nicht angebracht erachtete, weil das Land zu arm und sein Hauptgegner zunächst Österreich sei. Man muß bedenken, daß der König beim Regierungsantritt nichts von Seestreitkräften vorfand und daß eine neugegründete Flotte bis zum Beginn der von ihm sicher vorausgesehenen Kriege kaum leistungsfähig werden konnte. Nachher lagen ihm andere Aufgaben zur Erhaltung und Stärkung seines Staates näher.

Die russisch-türkischen Kriege 1768–1774 und 1787–1791.

Der Krieg 1768–1774. Die Versuche der Kaiserin Katharina II., das polnische Reich ganz ihrem Willen zu unterwerfen, erregte die Besorgnis der Türkei, die von Frankreich und Österreich noch gesteigert wurde, um dadurch Rußland von Polen abzuziehen. 1768 erklärte die Pforte den Krieg.

Rußland hatte im Österreichisch-Russisch-Türkischen Kriege 1736–1739 Asow gewonnen und war so ans Schwarze Meer gelangt; Katharina (1762–1796) begann am Don eine Flotte zu bauen, wie es schon Peter der Große geplant hatte[199]. Diese war allerdings zum ersten Kriege noch nicht bereit, aber die russische Ostseeflotte sollte in diesem für das Mittelmeer eine Rolle spielen.

Der Hauptkrieg am Lande in Europa ist für diese Darstellung ohne Bedeutung; er verlief zum Nachteil der Türken. Diese drangen zwar 1769 gegen die russische Grenze vor, wurden aber am Dnjestr geschlagen, und die Russen eroberten 1770 die Moldau sowie die Walachei und 1771 die Krim. Im Juni dieses Jahres trat ein Waffenstillstand ein, die Friedensverhandlungen führten aber nicht zum Ziel. 1773 wurde der Krieg an der Donau fortgesetzt, bis die Türkei nach einer schweren Niederlage im Juni 1774 zum Frieden bereit war.

Im Mittelmeere geriet nämlich die Türkei durch Aufstände in Griechenland, Ägypten und Syrien, die von Rußland unterstützt wurden, in Bedrängnis.